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  In dieser Rubrik betreiben wir unseren eigenen kleinen "Igel-Blog".
  Hier erfahrt ihr, was es so Neues bei uns gibt und wo wir am Fotografieren waren.

 Letzte Aktualisierung: 10.09.2010


















04. September 2010: Eröffnung des Festungswegs am Ebersberg
Der Samstag stand für uns einmal im Zeichen eines etwas anderen Ausflugs, wurde doch der neu erstellte Wanderweg von der Rheinbrücke bei Rüdlingen zur Teufelskanzel und damit verbunden der Festungsweg zum Erbersberg eröffnet. Einen ganz kleinen Beitrag haben auch wir dazu geleistet. Aber der Reihe nach.

Bevor wir zur Eröffnung gefahren sind, haben wir zuerst einen Stop in Herblingen (SH) eingelegt. Hier stehen zwei grosse Infanteriewerke, welche 1937 noch vor dem 2. Weltkrieg erbaut wurden. Diese beiden Bunker gelten wie die Anlagen bei Koblenz, Eglisau, Feuerthalen und Stein am Rhein zu den ersten Prototypen der Rheinbunker. Was die beiden Bunker bei Herblingen so besonders macht, ist die Tatsache, dass diese als einzige "über" dem Rhein erstellt wurden. Die Kosten von jeweils 120'000 CHF - was zwei luxuriösen Einfamilienhäusern der damaligen Zeit entsprach - waren Geldverschleuderung, denn gleich 1940 wurde beschlossen, die Verteidigung der rechten Rheinseite aufzugeben. Die Bunker - mit jeweils 3 MG und 1 IK ausgerüstet - wurden desarmiert und die Waffen auf Werke bei den Sperrstellen Seglingen und Stadel eingebaut. Man kann also von einer eigentlichen Fehlplanung sprechen, welche heute sicher in der Boulevardpresse viel Staub aufwirbeln würde. Zwar haben wir die total versprayten Bunker von aussen schon fotografiert, jedoch konnten wir nun einen Blick hinein werfen. Beide Bunker sind total ausgeräumt, jedoch diente A5481 Herblingen Ost als Gerümpelkammer für einen Verein. Entsprechend sah er innen auch aus. Was bei diesem Bunker auffällt, sind die Rauchspuren überall im Kampfraum. Dies kommt daher, dass 1950 Versuche mit Abdichtungen gegen Flammenwerfer durchgeführt wurden. A5480 Herblingen West zeigte sich in einem besseren Zustand. 1957 wurden sogar Abklärungen betreffend einer allfäligen Wiederbewaffnung mit 9 cm Pak und Mg 51 gemacht, jedoch nicht realisiert. Deshalb sieht man hier auch noch eine Seltenhei, und zwar die ursprünglichen Panzerplatten mit Original-Bohrungen für die 4.7cm Infanteriekanonen. Überall sonst wurden die Öffnungen ja aufgebohrt, damit die 9 cm Pak eingebaut werden konnte. Nachdem wir in Herblingen fertig waren, wollten wir noch einen Abstecher zum Museum im Zeughaus in Schaffhausen machen. Hier war noch der letzte Ausstellungstag zum Thema Vorbereitungen für den Widerstand, sowie Grenzen im Wandel der Zeit zu sehen. Daneben sind im Museum noch eine umfangreiche Waffensammlung, sowie eine Sammlung unterschiedlichster Kanonen - samt Zugfahrzeugen - zu sehen. Zu unserer Freude, waren alle Fahrzeuge und Geschütze draussen aufgereiht, so dass wir hier einige schöne Fotos dieser Sammlung mit (heute) Seltenheitswert machen konnten. Besonders spannend waren auch die Exponate und Dokumente zum Thema Vorbereitungen für den Widerstand. Diese sind in jahrelanger Arbeit von der Arbeitsgruppe REWI unter der Leitung von Herrn Felix Nöthiger zusammen getragen worden und zeigen heute ein realistisches Bild von den Vorbereitungen, die im 2. WK und im Kalten Krieg gemacht wurden für den Fall, dass die Schweiz besetzt würde. Dabei zeige sich wieder einmal klar, wie falsch und (absichtlich?) verzerrt das Bild ist, dass die Medien von diesen Vorbereitungen gezeichnet haben. Von einer Geheimarmee kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein - und schon gar nicht davon, dass sie gesetzlichen Grundlagen entbehrte. Wer sich die Zeit genommen hat, die Ausstellung zu besuchen, wird danach ein realistischeres Bild bekommen haben. Die eigentliche negative Überraschung des Tages kam aber noch. In der Ausstellung zum Thema Grenzen im Wandel der Zeit - welche übrigens absolut sehenswert war und mit viel Liebe zum Detail dargestellt wurde - hat ein Plakat unsere Aufmerksamkeit erregt. Hier war gross eine von uns selber erstellten Sperrstellenkarte ausgestellt, wie wir sie früher auch in unserem Memberbereich aufgeschaltet hatten. Diese Karte wurde ohne vorherige Rücksprache mit uns gedruckt und ohne Quellenangabe während 2 Jahren ausgestellt. Als wir uns erkundigen wollten, woher die Karte komme, nahm sich einer der Musuemsangehörigen sofort interessiert unserer Frage an und zeigte Verständnis für unsere überraschte Reaktion. Leider war dann die Reaktion eines anderen - für die Ausstellung zuständigen Mitglieds - alles andere als professionell. In rüdem Ton wurde unsere Frage beantwortet und man sagte, alle Dokumente stammen aus Büchern. Eine solche Reaktion ist mehr als entäuschend und ärgerte uns masslos. Da die Ausstellung aber zu Ende ist, müssen wir wohl damit leben. Eine Reaktion in Richtung des Vereins gegen diesen eklatanten Verstoss gegen unsere Urheberrechte, wird aber noch von uns folgen. An den Dieb: Da wir davon ausgehen, dass er das hier lesen wird, sei ihm gesagt: PFUI!!!! Ein Mail mit einer Anfrage sowie einer Einladung zur Ausstellung hätte ausgereicht.
Darum an dieser Stelle nochmals: Wenn ihr Inhalte (Fotos, Karten Pläne) von uns für Bücher, Ausstellungen, Presseartikel etc. möchtet - so fragt uns einfach. Gerne stellen wir euch alles Gewünschte kostenlos zur Verfügung. Einzige Bedingng ist, dass ihr fragt und uns als Quelle angebt. Wir haben keine Lust, dass unsere Arbeiten ungefragt publiziert werden und sich andere mit fremden Federn schmücken. Deshalb drücken wir hier nochmals explizit unser Missfallen gegen die Art und Weise aus, wie der Verein unsere Urheberrechte mit Füssen getreten hat. Allerdings wollen wir nochmals dem Mitglied danken, welches sich kompetent und professionel unserer Anfrage angenommen hat und uns helfen wollte.
Das Ganze wird auch für andere Folgen haben. Wir arbeiten zur Zeit an einer neuen Version unserer Page. Eine Konsequenz wird sein, dass wir wohl keinen klassischen Memberbereich einführen werden. Die erweiterten Inhalte werden wir nur einer Hand voll ausgewählter Personen zugänglich machen. Auch wenn wir alle das selbe Hobby haben und die gleichen Interessen verfolgen, so ist das noch lange kein Freibrief zum Klauen! Fragen und Danke sagen kostet nichts!

Nach dieser unerfreulichen Episode ist uns die Lust vergangen, das Museum noch genauer und weiter zu betrachten. Also haben wir uns aufgemacht zum eigentlichen Ziel unserer Reise - zum Ebersberg. Zum Jubiläum des 20-jährigen Bestehens hat der Lionsclub Andelfingen ein Projekt gesucht, bei dem sie ganz im Sinne des lionistischen Gedankens - Dienen der Gemeinschaft - der Allgemeinheit ein Geschenk machen konnten. So entstand dann die Idee, einen Wanderweg von der Rüdlinger Rheinbrücke, den Ebersberg hinauf zur Teufelskanzel zu erstellen. Bei dieser Gelegenheit sollte der Weg dann auch noch an den Ständen der Festung Ebersberg entlang - zum neuen Notausgang hin - verlängert werden. Zur Einweihung des neuen Wanderwegs hat die Militärhistorische Stiftung Zürich, unter der Leitung von Herr Felix Nöthiger, den Weg mit drei grossen Schildern ergänzt, welche anschaulich und ausführlich das Festungswesen rund um die Anlagen bei Rüdlingen erklären. Zu diesen drei Schildern haben wir auf Anfrage der Stiftung einige unserer Fotos gespendet. (Dieses Beispiel zeigt übrigens, wie das professionelle und richtige Vorgehen ist, wenn man Bildmaterial von uns haben möchte.) Die drei Schilder wurden aufgestellt bei der Brücke Rüdlingen, beim Infanteriewerk A5439, sowie beim Notausgang des Artilleriewerks A5438 Rüdlingen. Ergänzend wurde der Weg mit Wegweisern zu den einzelnen Anlagen versehen und so zu einem kleinen Festungsweg gemacht. Wegen unseres kleinen Beitrags wurden wir dann auch freundlicherweise von Herr Nöthiger zur Einweihung eingeladen. Diese Einladung haben wir dann äusserst gerne und mit viel Freude angenommen. Unsere Freude wurde dann noch grösser, als wir die schönen Schilder gefunden haben und unten rechts auch noch unseren Namen als "Bildspender" vorgefunden haben. So haben wir nach dem sehr unschönen Erlebnis in Schaffhausen ein versöhnliches Ende in Rüdlingen gefunden. In würdevoller Art und Weise hat dann der Lionsclub Andelfingen den Weg eingeweiht, in dem die zahlreich aufmarschierten Clubmitglieder zusammen mit Angehörigen der Militärhistorischen Striftung Zürich den Weg beschritten haben. Am unteren und oberen Ende des Weges wurde noch ihre Vereinstafel angebracht und oben auf der Teufelkanzel liess der Vereinspräsident die Entstehungsgeschichte des Weges nochmals Revue passieren. Nach einem gemeinsamen Lied und Apero nahm die Gruppe noch die letzte Etappe von der Teufelskanzel zum neuen Notausgang vom Ebersberg in Angriff. Hier empfing dann der Hausherr Felix Nöthiger die Lionsclubmitglieder und dankte in einer gelungenen kleinen Ansprache für die geleistete Arbeit. Zum Schluss konnten dann alle die kleine Wanderung abschliessen, in dem sie die Abkürzung durch die Stollen vom Ebersberg nahmen, an dessen Ende ein kleines Fest bei Speis und Trank den gelungenen Anlass abrundete. Wir nutzten die Gelegenheit, einige unserer Page-Besucher persönlich kennen zu lernen, mit welchen wir teilweise schon längere Zeit im Mailverkehr stehen. Es war eine grosse Freude, die Leute einmal persönlich kennen zu lernen und sich auszutauschen.

So marschierten wir dann zum Schluss nochmals den Wanderweg hinunter zu unserem Auto, welches immr noch am Parkplatz beim Rhein stand. Dank der Erlebnisse und Gespräche am Nachmittag fand der Tag ein versöhnliches Ende. In Zukunft werden unsere Fotos auf drei grossen Schildern entlang dem Festungsweg den neugierigen Spaziergängern zeigen, was sich hinter den dicken Betonwänden versteckt. Dies ist unser kleiner Beitrag zur Erhaltung der Geschichte und dass die vergessenen Igel nicht ganz in Vergessnheit geraten. Die Tafeln und der Weg sind seit gestern ein Teil des Netzes der Zürcher Wanderwege. Entdeckt auch ihr nun mühelos den Ebersberg von aussen und marschiert den neuen Wanderweg vom Rhein hinauf zur Teufelskanzel.



















20.-22. August 2010: Andermatt und Gotthard reloaded
Die sonnigen Hundstage wollten auch wir ausnutzen und dem Lärm und Trubel des Alltags in die Berge entfliehen. Darum haben wir uns schon am Freitag in ein verlängertes Wochenende verabschiedet und uns aufgemacht nach Andermatt. Diese Region hat es uns seit unserem ersten Besuch 2008 besonders angetan. Und auch wenn wir hier schon ein paar Mal waren, so haben wir auch dieses Mal ein paar neue Dinge gefunden.

Angereist sind wir am Freitag nicht wie für uns üblich über den Oberalppass sondern diesmal über das Reusstal. Dabei haben wir einen Augenschein bei einigen Anlagen im Tal genommen. Ein unerwartetes Highlight war hier die ehemalige Einsatzzentrale K7 der FLORIDA Luftraumüberwachung in Attinghausen. Diese Anlage ist schon längst verkauft und über deren Umnutzung war nicht viel bekannt. Umso überraschter waren wir, als wir dort Bauarbeiten feststellten. Ohne böse Absichten haben wir vom Eingang einige Fotos gemacht, was die anwesenden Arbeiter auf den Plan rief. Nachdem diese sich von unseren redlichen Absichten überzeugt hatten, kam ein interessantes Gespräch in Gang. So haben wir erfahren, dass die Anlage seit April zu einem Daten- und Archivbunker umgebaut wird. Man erlaubte uns einen kleinen Augenschein ins Innere zu werfen, jedoch unter der Auflage, keine Fotos zu machen. So kamen wir zu einer kleinen exklusiven Führung durch das Innere von K7. Danke an dieser Stelle, dass wir - wenn auch ohne Fotos zu machen - einen kleinen Einblick bekommen haben.
Ein weiterer Stopp war dann oben am Sustenpass angesagt. Dank der Tatsache, dass wir an einem Arbeitstag hier hinauf gefahren sind, war das Verkehrsaufkommen auf der Strasse und am Pass gering. So konnten wir dann oben in aller Ruhe die Anlagen auf beiden Tunnelseiten in Ruhe fotografieren und die eine oder andere interessante Entdeckung machen. Auf beiden Seiten sind noch je zwei Kavernen zu finden, welche die Passstrasse beidseitig sperren sollten. Erfreulich zu sehen, dass diese Anlagen noch mit Tarnaufbau vorzufinden sind. Der Rest der Reise sollte dann aber zeigen, dass dies immer mehr zu einer Seltenheit wird.
Auf dem Weg nach Andermatt, sind wir unter anderem auch noch am alten Bundesratsbunker K8 im Amsteg vorbei gefahren und haben einen längeren Halt in Göschenen gemacht. Hier steht die Talstation der Seilbahn zum Gütsch, welche wir ablichten wollten. Ebenso gab es noch ein paar Fotos der Gotthard-Tunnelportale. Durch Zufall sind wir dann am alten Bahnhofsareal gelandet und haben dort hinter den sieben verwachsenen Geleisen noch die eine oder andere spannende Entdeckung gemacht. Jedenfalls ist hier schon lange nichts mehr umgeschlagen worden, so wie die Schienen zugewachsen sind und die Farbe überall abblättert.

Den Samstag starteten wir mit einem Besuch auf dem Gotthardpass. Dank der perfekten Lichtverhältnisse am frühen Morgen haben wir mit dem Teleobjektiv endlich auch noch brauchbare Fotos der Batterie Ost von Sasso da Pigna machen können. Das Hauptaugenmerk lag dieses Mal aber beim alten Hospizwerk. Diese Anlage hatten wir zuvor immer aufgeschoben. Das zwischen 1893 bis 1894 errichtete Werk sollte den Passübergang selber infanteristisch schützen. Vergleichsweise schwach war seine artilleristische Bewaffnung mit nur zwei 12cm Panzerkanonen 1891. Der Rest setzte sich zusammen aus 4 kleinen Fahrpanzern zur Nahverteidigung und einigen Maxim Maschinengewehren. Das Werk war schon während des 2. WK obsolet und entsprechend wurde es 1947 bereits ausgemustert und bis Mitte der 1980er Jahre nur noch als Unterkunft verwendet. Heute beherbergt das Werk ein kleines aber feines Museum, welche sich hauptsächlich dem Leben in der Anlage zur Zeit seiner Entstehung und dem 1. WK widmet. Schade waren alle Exponate hinter Plexiglasscheiben ausgestellt. Entsprechend schwer gestaltete sich das Fotografieren. Nachdem auch dieses Werk endlich einmal besucht war, haben wir uns nach San Carlo begeben. Einige der Aussenbunker hatten wir 2008 nur ungenügend dokumentiert, so dass wir auch dies nachholen wollten. So haben wir dann auch noch den abgelegenen Lmg Bunker A8693 angelaufen und dabei mit einem kleinen Sprung über ein Rinnsal die Reuss überquert. Kaum zu glauben, dass aus diesem Wässerchen weiter unten ein wilder Fluss wird. A8693 reiht sich zu den Anlagen ein, die so spartanisch errichtet wurden, dass die Scharten zugleich der Eingang zum Werk sind.
Den Gotthard nun endgültig abgearbeitet, waren die Batterie Rossmetteln und der Bäzberg das nächste Ziel. Die offene Flankierbatterie bei Rossmetteln - hoch oben über Hospental - sollte den Übergang von Realp zur Furka mit Artillerie abdecken. Noch heute sind zahlreiche offene Stellungen sowie die dazu gehörenden Unterstände und Unterkünfte vorhanden. Einzige Herausforderung hier oben war es, beim Anlaufen der Anlagen nicht in eine der zahlreichen Minen in Form von Kuhfladen zu treten. Die vielen Rinder und Kälber betrachteten entsprechend neugierig unsere Tätigkeiten.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir dann auf dem Bäzberg. Hier waren wir schon 2008 einmal unterwegs - haben uns dabei aber eher auf die grösseren Anlagenteile konzentriert. Dabei ist uns aber entgangen, dass noch viele kleine Schätze hier oben zu finden sind. Dazu gehören zahlreiche Unterstände und gedeckte Waffenstellungen aus der Zeit des 1. WK. Highlight war eine Stellung und offener Stollen, der zu einem Fahrpanzer gehörte. Hier drin waren sogar noch die Schienen des Fahrpanzers komplett verlegt. Bei unserem Marsch von Stellung zu Stellung wurden wir von einer Herde Ziegen begleitet, die neugierig verfolgten, was wir hier oben tun. Leider hat sich auch einiges zum schlechteren gewendet, seit wir vor 2 Jahren hier oben waren. Viele der alten Mauern sind eingestürzt und zerfallen. Klar, dass bei den knappen Finanzen in VBS dafür kein Geld vorhanden ist, diese zu erhalten. Dass aber so viel Geld vorhanden ist, dass man einen Bagger hier herauf karrt und einen der alten 12 cm Minenwerfer komplett unter einem Steinhaufen beerdigt, hat uns schon sehr erstaunt. Wozu das gut sein soll ist uns ein Rätsel. Man hätte das Geld in etwas Konstruktives investieren können und z.B. einige der alten Mauern mit etwas Mörtel zusammen halten können. Der einmalige Bäzberg ist so aber dem Verfall überlassen und sein Schicksal scheint besiegelt. Sehr schade - wie wir finden. Wir jedenfalls haben die ruhigen Stunden hier oben beim Erkunden (und nebenbei Heidelbeeren pflücken) genossen.

Am Sonntag wollten wir noch beim Fort Bühl vorbei schauen, um zu sehen, ob es noch etwas Neues zu finden gibt. Leider pflegen wir kleingeschriebene Tafel bei den Zufahrtsstrassen immer genau zu lesen. Leider darum, weil wir so feststellen mussten, dass seit Oktober 2008 das Betreten des Areals bei Strafe bis zu 5000 CHF verboten ist! Nut gut, dass wir das letzte Mal im August 2008 hier waren, als es dieses Verbot noch nicht gab und jedermann hier noch spazieren durfte. Also Bunkerfreunde aufgepasst: Ein Spaziergang auf dem Bühl kann euch teuer zu stehen kommen! Da wir mit 5000 CHF besseres zu tun wissen und die Fotos von 2008 eigentlich sehr gut sind, haben wir uns aufgemacht in Richtung Gütsch.
Das erste was uns hier oben aufgefallen ist, ist die herrliche Ruhe! Wahnsinn, dass es noch Plätze gibt, wo man nur den Wind als Geräusch wahrnimmt. Eine wahre Wohltat. Ganz im Gegensatz zum Radau in unserem täglichen Leben, dem wir immer ausgesetzt sind. Wir sind aber nicht wegen der Ruhe hier herauf gekommen, sondern um auch hier zu sehen, ob es noch neues zu finden gibt. Und so sind wir auf dem Gütsch herum gelaufen, haben Bekanntes nochmals fotografiert und sind dabei auch noch über einige Unterstände und gedeckte Waffenstellungen aus der Zeit des 1. WK gestolpert. Auch dem Fort Stöckli haben wir nochmals einen Besuch abgestattet und die Fotos im vorderen Teil neu gemacht. Bei unserer Tour haben wir hier oben auch einige unschöne Dinge feststellen müssen. Zurzeit wird das Windrad auf dem Gütsch mit drei weiteren Windrädern ergänzt. Im Rahmen dieser Bauarbeiten wurden offenbar - mit Ausnahme eines kleinen Abschnitts - die ganzen gedeckten Waffenstellungen und Laufgräben aus der Zeit des 1 WK eingeebnet und zerstört. Wozu das nötig war, ist uns ein Rätsel. Bis 2008 haben diese fast 100 Jahre alten Relikte niemanden gestört. Eine weitere "Unschönheit" hat ein Besucher auf dem Gütsch und Stöckli hinterlassen. War es wirklich notwendig an so vielen Orten - unter anderem mitten auf der Beobachterkuppel auf dem Stöckli - das Datum "29.09.09 Mi" drauf zu pinseln? Alles in allem verfallen auch hier oben langsam die Anlagen. Wie es wohl nächstes Jahr hier oben aussehen wird? Wir jedenfalls sind froh, hier noch Fotos gemacht zu haben, als es noch einigermassen "ursprünglich" ausgesehen hat. Die Zukunft verheisst wenig Gutes für die Anlagen hier oben.

So haben wir unsere diesjährige Tour rund um Andermatt mit zwiespältigen Gefühlen beendet. Die ganze Gegend befindet sich im Aufbruch in eine neue Zukunft. Davon zeugen die Baustellen rund um Andermatt. Wo einst Generationen von Soldaten gedrillt wurden, spielen in Zukunft wohlbetuchte Touristen Golf und geniessen einen Wellness-Urlaub. Neue ökologische Energiequellen werden erschlossen und zeugen von Aufbruch ins 21. Jahrhundert. Bei all diesen positiven Entwicklungen bleibt aber die Geschichte dieser Region komplett auf der Strecke. Bäzberg, Gütsch und Stöckli sind nur noch ein Schatten ihres selbst. Kein Hinweisschild deutet auf diese Zeitzeugen hin und die Region Andermatt ist ein Loch in der Karte der Festungsmuseen. Zufall, dass genau hier oben niemand sich für den Erhalt - zumindest eines Teils - der Anlagen einsetzt? Die kommenden Touristenströme sollten doch die Finanzierung für ein solches Projekt zumindest erleichtern.
Wie auch immer - wir zumindest haben das, was es noch zu sehen gibt fotografisch festgehalten und wieder ein sehr schönes und erholsames Wochenende verbracht. Dazu beigetragen hat auch das schöne Bed&Breakfast, wo wir uns dieses Mal einquartiert haben. Die Fotos von Gotthard Edition 2010 gibt's dann demnächst auf unserer Page.































06.-08. August 2010: Drei Tage im südlichen Gotthard-Gebiet
Rückblick: Teil 1: Anlagen 1. Generation und 1. WK  |   Teil 2: Fort Airolo  |   Teil 3: Anlagen 2. WK und Kalter Krieg [Neu!]  |   Teil 4: Fort Fieudo  |

Schon als wir letztes Jahr am Gotthard waren, war uns bewusst, dass wir alleine für die südliche Gegend drei Tage veranschlagen müssen. Und so haben wir das letzte Wochenende beschlossen, diese drei Tage zu investieren und sind nach Airolo aufgebrochen. Die Gegend vom Gotthard Südportal bis hinauf zur Alpe di Fieudo bietet Festungsbaugeschichte von 1890 bis 1998 - also mehr als 100 Jahre Festungsbaugeschichte, welche es zu entdecken gibt. Während den drei Tagen sind wir auf viel bekanntes - aber ebenso auf viel noch unbekanntes gestossen.

Der Freitag begann am Morgen mit trüben Wetter. Auf der ganzen Fahrt bis zum Gotthard begleiteten uns Wolken und Regen. Langsam zweifelten wir schon, ob es klug war, schon am Freitag frei zu nehmen. Also machten wir oben am Pass das Beste daraus und haben versucht, bei San Carlo einige Bunker bei gleichmässigem Licht und ohne Schatten aufzunehmen. Der zunehmende Regen setzte aber dem Versuch abrupt ein Ende und so sind wir die Tremola hinunter. Kaum unten angekommen, hörte der Regen auch schon auf und die Sonne begrüsste uns im Tessin. So haben wir dann als erstes bei Motto di dentro die Hänge abgesucht und sind dabei auf einige alte verlassene Waffenstellungen gestossen. Diese waren teilweise schon total verwachsen und mussten erst von Gebüsch befreit werden. Auch oberhalb von Foppa Grande sind noch einige einfache Waffenstellungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu finden, welche wir aufgesucht haben. Diese Anlagen war so einfach gehalten, dass die Scharten gleichzeitig auch der Eingang waren.
Am Nachmittag trafen wir uns mit unserem Tessiner Spezialisten in Sachen Festungsbau. M.T. hat sich extra den Nachmittag frei genommen, um uns zu einigen noch unbekannten Anlagen zu führen. Gleich unweit von Motto Bartolla befindet sich versteckt unter hohem Gras eine weitere Waffenstellung mit dem Namen Grotto Noldi. Da die Scharte offen war, fiel es Christiane leicht hier einzusteigen und auch einige Innenaufnahmen zu machen. Wieder mussten wir feststellen, dass - im Gegensatz zur deutschen und französischen Schweiz - im Tessin die Anlagen des Zweiten Weltkrieges sehr primitiv ausgefallen sind. Von Bunker kann man hier keinesfalls sprechen, wenn man diese Anlagen sieht. Von hier ging es weiter zu Kavernen, Unterständen und Artilleriestellungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, bis wir unten in Airolo angekommen waren. Hier fanden wir am Rande des Kasernenarelas - verborgen unter dichten Büschen - noch zwei weitere MG Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, welche als Tessiner Alphütten getarnt sind. Gerade als wir weiter wollten, entdeckten wir zufällig noch auf dem Gegenhang eine Gewehrgallerie aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Also schnell hinüber geklettert und diese auch noch fotografiert. Die Abendsonne schien gerade perfekt auf Fort Stuei, so dass wir spontan noch dort hinauf gefahren sind, um einen abgelegenen MG Bunker sowie Stuei selber noch einen Besuch abzustatten. Die Zeit verging viel zu schnell, so dass wir uns dann am Abend von unserem Führer verabschieden mussten. An dieser Stelle danken wir nochmals herzlichst M.T. für die Zeit, die er sich genommen hat. Dank unserer Zusammenarbeit haben wir alle dabei noch einige bisher unbekannte Anlagen im Gelände gefunden. Wir freuen uns schon auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Erkundungen.
So sind wir dann am Abend müde ins Hotel gefahren und haben eine reinigende Dusche genossen. Der viele Staub, der sich auf uns angesammelt hat, wollte entfernt werden, bevor wir das wohlverdinete Nachtessen genossen. Auch hier zahlte sich wieder der Tip der Einheimischen ein. Diese lotsten uns alle in das kleine Ristorante Airolo, wo ein altes Ehepaar zusammen eine klassische Tessiner Küche pflegt. Wo sonst bekommt man ein klassisches Tessiner Polenta mit frischen Steinpilzen und als Dessert selbst gepflückte Heidelbeeren? Solltet auch ihr einmal in Airolo euere Zelte aufschlagen, so können wir euch einen Besuch in diesem kleinen aber feinen Ristorante - abseits der Hauptstrasse - nur empfehlen.

Die Sonne schien schon morgens herrlich und so hielt es uns nicht lange im Bett. Den zweiten Tag nahmen wir dann wieder alleine in Angriff und starteten bei der Flankiergallerie West bei Motto Bartolla. Diese S-förmige langezogene Gallerie wurde im 1. WK erbaut und liegt direkt in der Kurve der alten Gotthardstrasse. Alle Zugänge zu dieser Anlage - welche am Ende noch als Brandhaus für die Feuerwehr diente - sind inzwischen zugemauert worden. Dank den Hinweisen von M.T. fanden wir aber schnell die einzig noch offene Tür zu dieser Anlage. Hinein ging es in dieses dunkle Labyrinth. Obwohl alt, verraucht und schon sehr devastiert gab es doch noch einiges zu entdecken. Sei es die alte Kochstelle, die Waschbrunnen, der Koks-Bunker, zahlreiche Inschriften oder die unzähligen Waffenstellungen. Offenbar wurde die Anlage während des 2. WK noch modernisiert und die Zugänge von den Stellungen zum Unterkunftsbereich durch die Verkleinerung der Durchgänge verstärkt. Die ganze Anlage erinnerte uns von den Gängen her, dem Abfall und Dreck, sowie den verrauchten Gängen an die alten Küstenartillerie-Batterien in Kroatien. Es soll keiner sagen, dass die verlassenen Anlagen in der Schweiz "sauberer" sind. Nachdem alles erkundet war, sind wir hinunter gewandert zu einem MG Bunker aus dem 2. WK. Diese Anlage wurde offenbar noch im Kalten Krieg mit Stein-Schotter Aufbauten verstärkt. Dies ist an dem noch relativ neuen Maschendraht zu erkennen. Trotzdem ist auch diese Anlage am zerfallen. Der ehemalige Tarnaufbau jedenfalls liegt bereits kaputt vor der Anlage. Schade - so gab es halt kein Foto mehr mit Tarnaufbau. Als wir wieder hinauf steigen wollten zur Strasse, entdeckten wir eine weitere uns unbekannte Lmg Kaverne. Solche Endeckungen freuen uns natürlich immer besonders. Die Schartentarnung hier war noch bestens erhalten, was wohl daran liegt, dass hier kein Wanderweg wie am anderen Bunker vorbei führt. Das Highlight hier aber waren die vielen wilden Walderdbeeren die es zu pflücken gab. Natürlich haben wir uns nicht nehmen lassen, diese seltene Spezialität zu kosten.
Nach einer Rast mit kühlen Getränken und feinem Sandwich aus unserem portablen "Kühlschrank" stand der nächste Programmpunkt an. Ein Besuch im Museum Fort Airolo. Dieses weitgehend wenig bekannte Museum entpuppte sich als ein wahres kleines Juwel. Das Fort wurde 1887 bis 1890 erbaut und diente in beiden Weltkriegen. Als eine der letzen Anlagen wurde es nicht aus Beton, sondern aus Granitsteinen erbaut. Das Werk sollte den strategisch wichtigen Gotthard Eisenbahntunnel, sowie die Zugänge von von Osten und Westen schützen. Dazu war die Anlage mit einem Panzerturm mit zwei 12 cm Kanonen, sowie mit fünf 8.4 cm Kanonen ausgerüstet. Ein 1 km langer Stollen führt noch heute vom Fort bis hinunter zum Gotthardtunnel.
Während der Kasernenteil derzeit noch von der Arme genutzt wird, sind die Kampfanlagen und das Munitionsmagazin im Inneren des Forts unter Führung zu besichtigen. So endeckten wir bei unserem Rundgang Dinge, die in später erbauten Anlagen in modernerer Form auch zu finden sind. Als Beispiel sei der Munitionsaufzug vom Magazin im Herzen des Forts hinauf zu den Kampfständen erwähnt. Das Prinzip, das angewendet wurde, ist bis zu den modernsten Anlagen erhalten geblieben. Auf der Tour gab es allerlei einzigartiges zu entdecken. So sei hier der Kugelmörser erwähnt oder ein Festungsflammenwerfer, wie er früher zur Verteidigung des Tunnelportals verwendet wurde. Neben vielen anderen Ausstellungsstücken interessierten uns besonders die alten Karten und Pläne, an Hand derer wir noch Hinweise erhielten, wo wir nach Anlagen suchen sollten. Nachdem wir das Fort von innen gesehen hatten, sind wir noch im Graben und an der Grabenkante rund herum gelaufen, um Aussenaufnahmen zu machen. Solltet ihr an einem Samstag in Airolo sein, so besucht doch unbedingt diese besondere Ausstellung. Sie ist immer um 13:30 oder 15:00 Uhr geführt zu besichtigen. Schade macht der Verein für dieses sehr schöne Museum so wenig Werbung. Uns jedenfalls war viel zu wenig bewusst, was es hier alles zu sehen gibt.
Noch schien die Sonne und so sind wir nochmals hinauf zu Motto Bartolla. Direkt über der Gallerie der Autoschnellstrasse bei Cima del Bosco gibt es noch eine kleine Waffenstellung, die wir aufsuchen wollten. Und so sind wir zwei "Spinner" auf die Gallerie hinauf gestiegen, um auch noch dieses Loch zu sehen. Mancher Autofahrer dürfte sich gewundert haben, als er uns dort hinauf steigen sah. ;-) Aber es lohnte sich. Nicht nur wegen des Lochs, sondern auch weil es einen guten Blick auf Motto Bartola von dort gab. Am Ende waren wir dann aber müde und hungrig, so dass wir uns auf machten ins Hotel und zu einem weiteren feinen Nachtessen im Ristorante Airolo.

Der Sonntag begann trübe. Wolken hangen über der Leventina und dem Gotthard und die Autos stauten sich schon wieder vor dem Südportal. Etwas mürrisch standen wir trotzdem früh auf und checkten nach dem Frühstück dann bald einmal aus. Eigentlich hatten wir einige Aufnahmen mit der Morgensonne beim Eingang der Kaserne Airolo geplant. Dort gibt es noch zwei Fahrpanzer und einen kleinen Bunker zu sehen. Bei Morgensonne sind sie am besten beleuchtet. Dort angekommen fing aber die Sonne an durchzudrücken und so kamen wir doch noch zu unseren Fotos mit den Sonnenstrahlen. Ebenso legten wir nochmals einen Stop in Foppa Grande ein, um vom Panzerturm und dem Minenwerfer ein paar neue schöne Aufnahmen zu bekommen.
Hier beschlossen wir dann, hinauf zu fahren zur Raststätte bei Cassina del Buco, da es dort noch zahlreiche Unterstände und Schützengräben aus der Zeit des 1. WK zu sehen gibt. Dies war schnell erledigt und so fiel unser Blick hinauf zur Alpe di Fieudo. Dort oben steht das erste reine Infanteriefort und die am höchsten gelegene Anlage aus der ersten Festungsbauperiode. Schon immer haben wir uns gesagt, dass wir eines Tages dort hinauf steigen werden. Also wollten wir einmal in die Nähe fahren und erkunden, welches der beste Weg wäre, um dort hinauf zu gehen. So sind wir die Strasse hinauf gefahren, bis es wegen Fahrverbot und Strassensperre nicht mehr weiter ging. Von der Karte hier war der östliche Aufstieg relativ kurz, aber steil. Wie wir nun so hier standen, trennten uns 100 Höhenmeter und 1 km vom Ziel. Die Temperatuen waren angenehm und die Sonne verschwand immer wieder einmal hinter den Wolken. Und so entschlossen wir uns spontan, dass wir jetzt nach Fort Fieudo hinauf steigen wollten. Also Rucksack gepackt, Fotoausrüstung zusammengestellt und Verpflegung und Getränke verstaut. Der Anblick von unten täuschte nicht - die gewählte Route entpuppte sich zwar als länger, aber wesentlich leichter als der östliche Aufstieg. Schon nach knapp 40 Minuten waren wir oben und wurden belohnt! Von hier hat man einen sensationellen Ausblick hinüber zum Gotthard (und Sasso da Pigna), einen prächtigen Blick auf die Tremola und hinunter nach Airolo und die Leventina. Auch die Sonne schien, als wir oben waren und so konnten wir in Ruhe und ungestört Fotos von Fort Fieudo machen. Dank einer Leiter am Fort, kann man sogar auf das Dach hinauf steigen. Selten haben wir bei so schöner Aussicht ein Picknick gemacht und uns wieder vor Augen geführt, was die schönen Momente an unserem Hobby sind. Es sind nicht nur die Bunker - sondern die Landschaft, die man entdeckt, die Orte, die man ohne die Bunker niemals sehen würde und die Menschen, die man dabei kennen lernt. Solche Momente wie hier oben, wo man die Einsamkeit und Ruhe geniesst und den Herrgott einen guten Mann sein lässt sind es, welche unser Hobby so speziell machen. Trotzdem hiess es dann wieder aufzubrechen und hinunter zu steigen. Dieses Mal wählten wir die östliche Route, welche uns vorbei führt an den tiefer unten gelegenen bombensicheren Kasematten und den bis zu 100 Meter langen Schützengräben. Auch diese haben wir noch erkundet und nach 3 Stunden sind wir dann wieder beim Auto angekommen. Unterwegs haben noch einige Murmeltiere dafür gesorgt, dass auch noch einige Tierfotos den Weg auf unsere Speicherchip gefunden haben.

Die aufziehenden Wolken waren dann aber schuld daran, dass wir unsere Gotthardtour für dieses Wochenende hier oben beendet haben. Drei Tage gehen schnell vorbei, wenn man auf Erkundung ist. Auch wenn wir auf relativ eng begrenztem Gebiet unterwegs waren, so haben wir viel neues entdeckt. Airolo und der südliche Gotthard sind defintiv eine Reise wert - trotz des Muskelkaters, den wir mitgebracht haben. Mal schauen, wo uns die nächstes Mehrtagestour hin führen wird.

Rückblick [Neu!]













01. August 2010: Sonntagsausflug nach Davos-Laret
So wie viele andere auch haben wir den 1. August für "patriotische Aktivitäten" genutzt. OK, bei den meisten beschränkt sich diese "patriotische Aktivität" auf grillen, trinken, viel Lärm machen und viel Geld in den Himmel befördern. Wir aber fuhren hinauf nach Davos-Laret zwecks photografischer Aufnahmen von entklassifizierten Befestigungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Laret versuchte man die anspruchsvolle Aufgabe damit zu lösen, den topografisch sehr unübersichtlichen Übergang zwischen Klosters und Davos zu sperren. Entstanden ist eine Sperrstelle bestehend aus drei Verteidigungslinien, die bis hinauf zur Schwarzseealp und zum oberen Ende des Davosersees reichen.

Nachdem wir uns von der Party - zu der wir am Vorabend eingeladen waren - erholt hatten und einige Stunden Schlaf konsumierten, sind wir wieder in Richtung Bündnerland aufgebrochen. Mit dieser Idee aber waren wir nicht alleine, wie wir auf der Strasse unschwer feststellen konnten. Zum Glück interessierten sich die Massen aber nicht für die Bunker bei Laret, sondern viel mehr für Davos. In Laret angekommen, haben wir dann gleich einmal die erste Anlage von der Liste gestrichen. Die MG Kaverne A7711 Mönchalptal lag auf der anderen Talseite und der Weg wäre für "nur" eine Anlage zu weit und zu steil gewesen. Also haben wir uns auf die Anlagen im Wald von Grossweid gestürzt. Obwohl nur mit ungefähren Koordinaten ausgerüstet, sind wir hier schnell fündig geworden. Highlight ist hier der als Waldarbeiterhütte getarnte Bunker A7712 Auf dem Bord. Hier wurde die typische "Bündner Tarnung" (Aus Bunker mach unscheinbare Hütte) angewendet. Aus uns unbekannten Gründen hat man sich den Aufwand für die anderen 3 Bunker hier oben gespart. Diese stehen sehr gut als Bunker erkennbar mitten im Wald.
Nachdem dieser Teil fertig war, hiess es wieder Auto holen und zum nächsten Stop zu fahren. Der idylische kleine Schwarzsee lud uns dann zu einem Picknick-Halt ein. Einmal hingesessen und die Sonne genossen, hatte aber auch seinen "Nachteil". Es fiel uns schwer, uns wieder aufzuraffen und weiter zu machen. Zu schön war es hier oben. Irgendwann aber siegte der Entdeckerdrang wieder in uns und weiter gings um den Schwarzsee. Hier oben befindet sich wieder eines der "Wasserreservoirs", die es in die Landeskarten geschafft haben, obwohl sie im Inneren alles andere als nass sind. Der Bunker A7716 Schwarzsee rechts ist so einer. Er liegt direkt am See und die vielen Spaziergänger haben keine Ahnnung, woran sie da vorbei laufen. Entsprechend entgeistert und fragend haben sie unsere fotografischen Aktivitäten beobachtet. Wir sind uns sicher, dass einige uns für verrückt gehalten haben. OK, das ist ja auch nix neues. ;-)
Gleich gegenüber auf einer Anhöhe liegt dann der Gegenbunker A7717. Er ist als Baracke getarnt und von unten sieht man nur das Dach der Tarnkonstruktion. Als wir dann hinauf gekraxelt sind, haben wir dann gleiche einmal feststellen dürfen, dass es einen einfachen Weg hinauf gegeben hättte. Diese Feststellung haben wir dann später gleich nochmals machen dürfen, als wir zum Bunker A7710 Schulhaus gelaufen sind. Dieser Bunker war bei unseren Ungefährangaben weiter oben eingezeichnet, als er wirklich war. Als wir den Weg zur Bahnlinie hinauf mühsam erklommen haben, sahen wir dann auf halben Weg unten das Dach der Tarnkonstruktion. Also hiess es wieder runter kraxeln, nur um dort festzustellen, dass auch hier ein wunderbarer einfacher Weg vorhanden gewesen wäre. Damit stand es 2:0 für die Bunker. Auch diese Anlage ist als Waldhütte getarnt und für Ungeübte nicht auf den ersten Blick als Bunker erkennbar. Heute aber liegt der Bunker mitten im Gehölz, so dass er so oder so nicht mehr zu sehen ist. Wie an allen Anlagen, so nagt auch hier der Zahn der Zeit.
Nun warteten noch zwei Anlagen auf der anderen Strassenseite auf uns. Der Bunker A7708 Lusiwald liegt oben am Hang, mitten im Wald. Dass das Tarngebäude noch steht ist pures Glück. Zwei grosse Tannen sind auf den Bunker gefallen, haben aber den Tarnaufbau nicht zu zerstören vermocht. So konnten wir davon noch ein paar Fotos machen, bevor der Aufbau vermutlich beim Beseitigen des Sturmholzes auch mit entsorgt wird. Letzte Anlage in Davos-Laret war dann der Bunker A7709 Landhaus. Zwar von der Strasse sichtbar, trennte ein Bach uns von diesem Bunker. Lange haben wir gesucht, wie man zu diesem Bunker wohl dazu kommt, bis wir realisiert haben, dass die Zugangs-Brücke, die es hier offenbar früher einmal gab, beseitigt wurde. Um also zu diesem Bunker zu kommen, muss man auf Niedrigwasser hoffen und den Bach durchqueren. Dies haben wir dann auch getan und so auch diese Anlage ablichten können.
Die weiteren Anlagen haben wir dann für dieses Mal "sausen" lassen. Einerseits benötigt man, um zur Schwarzseealp hinauf zu kommmen eine Fahrbewilligung - andererseits war am Davosersee zuviel los, als dass wir dort hätten in Ruhe der Suche hätten nachgehen können. Also werden wir dies ein anderes Mal nachholen.

So beschlossen wir dann eine kleine Autotour zu machen und sind dann das Landwassertal hinab Richtung Tiefencastel gefahren. Kurz vor Thusis haben wir dann noch die kleine Sperrstelle Schyn fotografiert. Hier bei Passmal (rät. für schlechter Durchgang) wurde mittels eines Sprengobjektes und zwei MG-Kavernen an der engsten Stelle der Durchgang versperrt. Die Kaverne A7806 Schyn rechts befindet sich direkt über dem Portal des Passmal-Tunnels. Gleich neben dem modernen Tunnelportal sieht man noch die alte Strasse mit dem alten Tunnel, welcher hier früher gesperrt wurde. Auf der anderen Seite des Albulatals befindet sich in schwindelerregender Höhe des wichtigere Gegenwerk A7807 Schyn links. Von dort aus konnte man auf die ganze Schynstrasse und die Trasse der RhB wirken. Leider ist die Anlage nur sehr schwer von der anderen Talseite zu erreichen. Also mussten einige Aufnahmen mit dem Teleobjektiv hier den Zweck erfüllen. Diese Anlage führte uns wieder vor Augen, mit welchem ungeheueren Auwand an den unmöglichsten Stellen Wege erstellt, Baumaterial angeschleppt wurde (von Hand oder mit Maultieren), Kavernen ausgebrochen, Beton gemischt und Scharten einbetoniert wurden. Dies alles nur, um am Ende ein MG dahinter in Stellung zu bringen. Eine Leistung, die heute für viele nur noch schwer verständlich ist, und dem entsprechend nicht mehr gewürdigt wird. Wir fragen uns, wie heute wohl das selbe Bauprojekt hier verwirklicht werden würde.

Und so ging der erste August auch für uns zu Ende. Zwar haben wir nicht das ganze geplante Programm abgespult, aber das macht nix. So haben wir dann einen Grund, wieder in diese schöne Gegend zu fahren. Sollten in den kommenden Wochen wieder so schöne Wochenenden kommen, werden wir aufbrechen zu unseren Mehrtagestouren. So planen wir bis in den Herbst hinein jeweils einige Tage in Richtung Gotthardregion, Oberwallis und St. Maurice zu gehen. Falls ihr uns Tipps und Infos zu diesen Gegenden habt, so sind wir euch dafür natürlich immer dankbar.

Rückblick









17. Juli 2010: Auf Besichtigung im Kanton Zug
Obwohl der Wetterbericht für Samstag Regen voraussagte, haben wir uns trotzdem entschlossen, eine Einladung in den Kanton Zug anzunehmen und einige Anlagen zu besichtigen. Zusammen mit einigen "Bunkerologen" wollten wir die Bunker-Highlights im Besitz der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zug besichtigen. Dies war nicht unsere erste Tour bei der MHSZ, durften wir doch schon früher die BL-64 Stellung in Menzingen ausführlich anschauen.

In aller Frühe hiess es los fahren, war doch schon um 8 Uhr Start in Unterägeri. Vollzählig besammelt zogen wir als erstes los zum wieder komplett restaurierten MG Bunker A7241 Windegg. In mühevoller Arbeit wurde diese - kleine aber sehr feine - Anlage wieder komplett ausgerüstet und Leben eingehaucht. Besonders der Unterkunftsteil hat es uns angetan, denn hier wurden sogar Lebensmittel-Requisiten im Raum platziert. Die hängenden Salami und Landjäger, die Eier und das Brot, der aufgeschnitte Leib Käse - all das gab dem Raum den speziellen Kick. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass wieder einmal ein junger Mensch seine destruktive überschüssige Energie am Bunker ausgelassen hat. So wurde die bemalte Bunkerfront kürzlich durch eine hässliche Sprayerei verschandelt. Solche Chaoten sind uns ein Dorn im Auge - zerstören sie doch mit ihrer vermeintlichen "Kunst" die Arbeit von anderen Menschen, welche mit viel Energie in ihrer Freizeit ein Denkmal wieder in Stand gestellt haben. Wenn ihr übrig Zeit und Spraydosen habt, sucht euch doch ein Objekt, wo ihr keinen Schaden dabei einrichtet. Wie würde es euch gefallen, wenn man euere Besitztümer kaputt machen würde?? An dieser Stelle sei gesagt, dass Strafanzeige erstattet wurde und früher oder später dieser Vandale zur Rechenschaft gezogen wird.
Nächster Halt war die Sperre am Sigristboden. Hier warteten zwei besondere Anlagen auf uns. Der Panzerabwehrbunker A7245 Sigristboden 1 ist zwar noch nicht restauriert, jedoch konnten wir hier eine Aufnahme machen, welche wir so noch nicht in unserem Archiv hatten. Der Bunker war früher mit einer 7.5 cm Kanone ausgerüstet und weist den für diese Region typischen grossen Schartentopf auf, der damals bei den Bunkern der 6. Division verbaut wurde. Später wurde der Bunker mit einer 9 cm Pak auf Pivot-Lafette umgerüstet - der übergrosse Schartentopf aber blieb. So liessen wir es uns nicht nehmen, die Pak wieder in Stellung zu bringen und diese besondere Kombination auch von aussen zu fotografieren. Gleich unterhalb des Bunkers befindet sich die IK-Garage A7246 und der IK Schild A7247. Um die IK aus der Garage in Stellung zu bringen wurde hier eine betonierte Rollbahn errichtet. Die IK Garage ist wieder restauriert und beherbergt als Besonderheit noch heute eine IK. Auch diese Kombination konnten wir so bis heute noch nirgends im Feld antreffen, weswegen natürlich auch hier unsere Freude besonders gross war und auch ausgiebig fotografisch dokumentiert wurde. Zum Abschluss sind wir noch hinunter zum grossen Tankgraben gefahren, um auch davon einige Aufnahmen zu machen. Dieser ist schon so sehr zugewachsen, dass nur dort ,wo er ausgeholzt ist, er auch als Tankgraben zu erkennen ist. In einigen Jahrzehnten werden sich dann sicher die meisten fragen, warum man damals diesen Betongraben gebaut hat, sofern solche Zeitzeugen für die Nachwelt nicht dokumentiert werden.
Vom Sigristboden fuhren wir dann hinüber zum Infanteriewerk 7240 Phillipsburg. Diese Bunker-Anlage ist die grösste im Kanton Zug. Der Unterkunftstrakt und der mit 2 MG ausgerüstete Kampftrakt sind über einen Stollen miteinander verbunden. Auch diese Anlage wurde wieder mit viel Liebe zum Detail restauriert. Einzig die Notstromgruppe fehlt in dieser Anlage, was aber bei der Fülle an anderen Details, die dafür vorhanden sind, wieder aufgewogen wird.
Nachdem der angekündigte Regen bisher immer noch ncch nicht eingetroffen war, verschoben wir uns von der Phillipsburg hinauf zum Raten. Hier wollten wir die östlichen Anlagen besichtigen. Erster Stop war der wieder ausgerüstete MG Bunker A7195 Raten 1. Dieser MG Bunker weist als einzige Anlage beim Raten einen Tarnaufbau in Form einer Scheune auf. Alle restlichen Bunker sind ohne Tarnaufbau, da sie mitten im oder beim Wald liegen. So haben wir es uns dann nicht nehmen lassen, Raten 1 auch geöffnet aufzunehmen, sehr zum Erstaunen einiger Autofahrer, die spontan am Rand anhielten und aus der Ferne auch ein Foto machten. Noch immer erregen Betonklötze, die hinter scheinbar harmloser Fassade auftauchen, das Interesse der Leute. Nachdem noch drei andere Bunker besichtigt waren, war es Zeit für eine verspätete Mittagspause. Zum Glück hatte das Restaurant offen und so konnte wieder Energie getankt werden. Als kleinen Verdauungsspaziergang haben wir dann zum Schluss noch die letzten 4 östlichen Bunker aufgesucht. Dies rechtzeitig bevor dann doch noch die ersten Regentropfen fielen.

An dieser Stelle danken wir der MHSZ und unserem Führer recht herzlich für die Möglichkeit, diese Anlagen zu besichtigen. Obwohl es sich um eher kleinere Anlagen handelt, haben sie alle ihre Besonderheiten und sind durchwegs einen Besuch wert. Den interessierten "Bunkerologen" und weniger bedarften Zivilisten unter euch, können wir einen Besuch dieser Werke nur empfehlen. Bestimmt werdet auch ihr Dinge entdecken, die ihr bisher an anderen Orten so noch nicht gesehen habt. Wir für unseren Teil freuen uns auf eine Fortzsetzung bei nächster Gelegenheit.

Rückblick









03. Juli 2010: Unterwegs bei den "Wölfen im Schafspelz" rund um Gadenstätt
Jeder der das Buch "Wölfe im Schafspelz - Befestigtes Graubünden" kennt, hat sie schon gesehen. Die als Scheunen getarnten Bunker bei Gadenstätt. Diese prächtigen Tarnungen haben uns schon immer fasziniert und so wollten wir einmal dort hinauf gehen und die Anlagen selber besichtigen. Gestern war es dann soweit. Trotz der angekündigten hohen Temperaturen wollten wir es versuchen. Und so sind wir in aller Frühe aufgebrochen in Richtung Prättigau, um die Morgenkühle zu nutzen.

Bereits kurz nach 8:30 sind wir bei Gadenstätt am Oberen Boden eingetroffen. Die Sonne schien schon wunderbar in die Hügel und auch die Bunker waren sofort zu erkennen. Sie liegen weitläufig verstreut in den Wiesen und Hängen, so dass einige der Anlagen nur durch steile Aufstiege in Augenschein genommen werden können. Also hies es Ausrüstung gepackt und sofort - so lange die Sonne noch nicht voll drauf brennt - hinauf zu den am weitesten entfernten Anlagen. Nach einer halben Stunde war das erste Ziel erreicht. A7748 begrüsste uns im besten Licht. Das ungeübte Auge sieht einen kleinen Maiensäss - der Profi sieht sofort den Bunker. Auch heute - wo der Bunker in privatem Besitz ist - ist seine ursprüngliche Tarnung erhalten geblieben. Nach kurzer Rast nahmen wir den nächsten Aufstieg zu A7749 unter die Beine. Diese Anlage ist im Gegensatz zu den anderen Bunkern am Oberen Boden nicht als Scheune, sondern als Felsen getarnt. Und auch hier ist er noch in seinem ursprünglichen Schafspelz erhalten geblieben. Auch dieser Bunker ist heute in Privatbesitz und es müssen grössere Umbauarbeiten im Gange sein. Überall draussen lagen herausgeschnittene Betonbrocken herum.
Bunkerwanderungen sind auch immer gut für Naturschauspiele. Als wir zu A7749 unterwegs waren, hörten wir unten im Tal wilde Murmerltierpfiffe. Vor wem warnte denn der Murmler so aufgeregt? Etwa vor uns? Dank unserem grossen Teleobjektiv konnten wir die Szenerie unter uns in Augenschein nehmen und entdeckten einen Fuchs, der um den Murmeltierbau herum schlich. Doch die gewarnten Murmler verzogen sich in ihre Erdbunker und der Fuchs musste am Ende ohne Beute von dannen ziehen. Noch öfters sollten uns an diesem Tag diese scheuen Murmeltiere begegnen.
Nachdem wir wieder unten angekommen waren, hiess es ersteinmal verschnaufen und am kühlen Brunnen etwas abkühlen. Inzwischen hat auch hier oben die Sonne begonnen, gnadenlos runter zu brennen. Zum Glück waren die kommenden Anlagen einfacher anzulaufen. A7746 und A7747 liegen auf nicht anspruchsvollem Gelände nahe beinander und so waren sie leicht anzulaufen. Auch hier ist die ursprüngliche Tarnung fast erhalten geblieben. Nur A7746 hat nun bei einer Scharte ein Plumpsklo bekommen. Der neue Besitzer dieses Anlage hat den Dachboden der Tarnung zu einer einfachen, aber feinen Unterkunft umgebaut. Nachdem wir am Oberen Boden fertig waren, war es auch schon Mittag. Ehe wir uns versehen hatten, waren wir 3 Stunden unterwegs. So schnell kann trotz Hitze und Schweiss die Zeit vergehen.
Hier trennten sich kurz unsere Wege. Während Christiane den steilen Weg hinunter nach Gadenstätt unter die Beine nahm, um dabei noch A7745 zu fotografieren, chauffierte Zarko das Auto hinunter. Der Weg erwies sich als äusserst anstrengend und zum Glück musste man ihn bei den herrschenden 30 Grad nicht wieder hinauf gehen. A7745 ist von Erde überdeckt und das geübte Auge erkennt ihn schon vom Oberen Boden her sofort als Bunker. Was die Gründe waren, dass A7745 und die restlichen Bunker nicht aufwändig getarnt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls wurden nur die vier Anlagen beim Oberen Boden mit viel Liebe zum Detail den Augen all zu neugieriger Beobachter entzogen. Nachdem wir uns bei Gadenstätt wieder getroffen haben, und A7743 auch noch abgelichtet war, fuhren wir hinauf nach St. Antönien. A7744 liegt heute zugedeckt unter einem Erdhaufen, weswegen wir uns den Weg hinauf erspart haben. Auch die MG Kaverne A7742, welche auf dem gegenüber liegenden Hügel liegt, wurde von uns ignoriert, da der Weg zu weit und zu steil für den gestrigen Tag war. Dafür haben wir uns als Belohnung für die doch anstrengende Tour ein Mittagessen in einem feinen Restaurant in St. Antönien gegönnt. Es heisst immer, in der Schweiz sei alles so teuer. Jedoch konnten wir hier zu unserer grossen Überraschung feststellen, dass es auch ausgezeichnete Restaurants mit durchaus humanen Preisen gibt. Frisch gestärkt nahmen wir noch das Dessert in Angriff.
In St. Antönien sind noch zwei kleinere MG Bunker zu finden, die auch wiederum wegen ihrer Tarnung bekannt sind. A7740 an der Einfahrt zum Dorf ist für den normalen Touristen nur als Mauer zu erkennen, wenn überhaupt. Jedoch ist die Tarnung auch heute noch in bestem Zustand, so dass wohl nur Insider wissen, dass diese Mauer keine Mauer ist. Auch A7741 hat eine aufwändige Tarnung in Form eines "Wasserreservoirs" erhalten. Diese Tarnung muss offenbar so gut sein, dass das "Wasserreservoir" sogar in den Landeskarten als solches verzeichnet wurde. Absicht oder Versehen?

Und so haben wir beschlossen, hier den Tag zu beenden. Es war zu heiss, um auch noch die ursprünglich geplante Tour am Stelsersee zu machen. Aber diese holen wir später einmal nach. Wer gerne wandert und dabei besondere Tarnungen beobachten möchte, dem können wir die Anlagen rund um Gadenstätt nur empfehlen. Plant aber genug Zeit ein, da die Anlagen weitläufig verstreut sind.





















26./27. Juni 2010: In den Stollen von Dailly
Rückblick: Teil 1: Dailly T1 innen  |   Teil 2: AW A27 Commaire  |   Teil 3: Umgebung St.Maurice  |

Am Samstag fand in Dailly die jährliche Delegiertenversammlung von FORT.CH statt, an der wir als Gäste dabei sein durften. Gleich am frühen Morgen sind wir wieder hinauf zum Eingang, wollten wir doch noch T1 - den zweiten 15 cm Panzerturm 58 - fotografieren. Dieser liegt im abgesperrten Kasernengelände. Nachdem uns der lokale Hausherr - Schulkommandant Oberst Monnerat - sein OK gegeben hat, sind wir rauf und haben auch noch diesen imposanten Panzerturm mit samt seinem Tarngebäude fotografiert. Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass die einzelnen Teile des Tarngebäudes schwingend an der Tarnkonstruktion befestigt sind. Ebenfalls werdet ihr bei beiden Panzertürmen an einigen Stellen am Boden ein Maschendrahtgeflecht sehen. Beides hat einen gemeinsamen und ganz bestimmten Grund. Die Geschütze entwickelten beim Schiessen einen ungeheuren Druck in der Umgebung. Dieser ist so gross, dass das erste Tarngebäude weggeblasen wurde, weil es starr konstruiert war. Ebenso wurde die frische Erde rund um die Geschütze weggeblasen. Also musste das Tarngebäude flexibel konstruiert werden und damit die Wurzeln des Grases etwas zu fassen bekamen, ein Maschendrahtgeflecht zwischen Fels und Erde ausgelegt werden.

Nachdem auch T1 auf Chip war, sind wir wieder zum Eingang, wo inzwischen auch die Delegierten der verschiedenen Festungsorganisationen eintrafen. Die Zeit vor und nach der DV nutzten wir, um etwas Networking zu betreiben (wie man heute auf Neudeutsch so sagt). Es war sehr interessant, die bekannten Gesichter wieder zu sehen und noch spannender war es, viele neue Leute kennen zu lernen, die wir bisher nur von Mails oder als anonyme Besucher kannten. In vielen Gesprächen mussten wie immer wieder die eine Frage beantworten, wann denn die Page wieder "in der guten alten Form" erscheint. Ihnen wie euch sagen wir nur so viel: Wir arbeiten bereits intensiv daran. So wurden auch wieder viele Einladungen an uns ausgesprochen, doch auch einmal die Werke zu besuchen, wo wir bis heute noch nicht waren. Gerne werden wir diese alle auch annehmen, sobald es die Zeit erlaubt. Nach einer spannenden DV und einem feinen Mittagessen war es dann Zeit, den nächsten Punkt in der Agenda in Angriff zu nehmen. Die Besichtigung der 15 cm Panzerturmkanone 58 sowie der Batterie Buits von innen.
Zu Beginn wurde die Gruppe aufgeteilt in je eine deutsch und eine französisch sprechende. Da die zweite Gruppe etwas kleiner war - und somit weniger Leute im Bild rum stehen - und Zarko seine Sprachkenntnisse etwas auffrischen wollte, schlossen wir uns Oberst Monnerats Gruppe an. Zuerst ging es durch fast endlose Stollen und mit zwei Liften 130 Meter hinauf zur Batterie Buits. Diese bestand aus vier 10.5 cm Kanonen 39. Heute ist davon nur noch eine zu Ausstellungszwecken eingebaut. Diesen Bereich hatte am Tag zuvor Christiane mit Pierre zusammen von aussen erkundet. Umso mehr freuten wir uns, den Bereich nun auch von innen zu sehen. Daneben gab es auch noch Munitionsmagazine und die Batteriefeuerleitstellen zu besichtigen. In diesem Bereich von Fort Dailly sind 1946 die Munitionsmagazine in die Luft geflogen. Davon ist aber heute aber nichts mehr zu sehen. Der Weg hier her hat uns gezeigt, warum Dailly ein solcher Mythos ist. Die Stollen schienen uns endlos und überall war wieder eine Abzweigung zu sehen. Würde man hier in jede Ecke rein schauen wollen, wäre man wohl mehrere Tage unterwegs. Uns blieb aber in den zwei Stunden nur Zeit, den Höhepunkt zu besichtigen: die mächtige Turmkanone 58.
Diese Kanone stellt den absoluten Höhepunkt des klassischen Schweizerischen Festungsbaus zu Beginn der 1960er Jahre dar. Dieses automatische Geschütz war in der Lage, eine ganze 15 cm Artillerieabteilung á drei Batterien zu ersetzen. Die Kennzahlen sind beachtlich. Die 42 kg schweren Granaten konnten zu Beginn 24 km - später bis 30 km - weit abgeschossen werden. Bei Schnellfeuer sollten alle 2,5 Sekunden bis maximal 22 Schuss abgefeuert werden. Der Panzerturm oben mit seinem 40 cm dicken Stahl wog 90 Tonnen. Über einen 52 Meter hohen und 2.5 Meter breiten Vertikalstollen war der Turm mit dem Munitionsboden verbunden. Im Stollen befand sich die Elevatorkette, welche die Geschosse - bestehend aus Granate, Ladung und Hülse - zum Geschütz beförderte. Im Munitonsboden wurde an einem Laufband die Munition vorbereitet und vom Drehtisch auf die Elevatorkette gelegt. Gesteuert wurde das Ganze von der Steuerstelle. Der Munitionsboden war verbunden mit den zwei Munitionsmagazinen. Gleich hinter der Steuerstelle befand sich das Schiessbüro mit seinen Kommandopulten. Hier wurden die Werte für die Munition an die entsprechenden Stellen am Förderband übermittelt, die Werte für das Geschütz eingegeben und die Kanone abgefeuert. Während bei den alten Turmkanonen alle Werte mühsam per Telefon an die Mannschaft im Turm übermittelt werden musste, war hier der Richt- und Feuervorgang voll automatisch. Die vier Mann oben im Turm sollten nur im Notfall eingreifen. Dazu war der Turm über einen Schrägschacht - in dem sich ein Aufzug befand - mit der Werkstatt verbunden. Von hier wurde die Mannschaft zum Turm befördert oder der Wechsel des Geschützes durchgeführt.
Für den Einsatz eines solchen Turmes waren 46 Mann notwendig. Die ersten Studien für die Anlage begannen 1949. Mit dem Bau in Dailly begann man 1955, das erste Schiessen war 1960 und 1962 übernahm das FWK diese Anlage in seine Obhut. Geplant war, je zwei solcher Türme in den drei Festungsregionen St. Maurice, St. Gotthard und Sargans zu errichten. Die explodierenden Kosten, der Wechsel weg von den grossen Festungen hin zu den Monoblocks und die inzwischen geänderte Strategie der Armee hin zu mehr Bewegung sorgten dafür, dass es bei den beiden Türmen in Dailly blieb. Der T1 soll auch weiterhin für Vorführungszwecke erhalten bleiben, während T2 inzwischen stillgelegt wurde. Die Besichtigung dieser einmaligen und speziellen Anlage ist der absolute bisherige Höhepunkt unserer Erkundungen. Es bleibt nun an Waffen nicht mehr viel übrig, was wir noch nicht gesehen hätten.
Zum Abschluss besichtigten wir dann noch die Standseilbahn Z108, welche die 590 Meter Höhendifferenz zwischen Fort Dailly und dem darunter liegenden Fort Savatan überwindet. Obwohl voll funktionsfähig und revidiert, hat armasuisse den weiteren Gebrauch dieser Anlage - aus Kostengründen - untersagt. Somit muss man nun mit dem Motorfahrzeug fahren, wenn man von Savatan nach Dailly will. Bei den heutigen Dieselpreisen kaum vorstellbar, dass dies billiger sein soll. Damit war die Besichtigung von Dailly vorerst zu Ende. Leider war die Zeit viel zu kurz, als dass wir uns alles hätten genau ansehen können. Vielleicht ergibt sich ja eine neue Gelegenheit wieder einmal mit mehr Zeit hinein zu können. Nachdem wir uns am Ende bei allen verabschiedet und bedankt hatten, ging es zu einer weiteren Besichtigung.
Unsere Freunde von der Militärhistorischen Stiftung Zürich hatten eine Begehung der Artilleriewerke von A27 Commaire und A46 Champex organisiert. Sie waren so freundlich, uns dazu einzuladen. Empfangen und geführt wurden wir dabei von der Organisation Pro Fortresse. Pro Fortresse hat A27 erst kürzlich übernommen und die Renovation ist im vollen Gange. Das Werk war ursprünglich mit vier 7.5 cm Kanonen ausgerüstet und steht heute ohne Bewaffnung da. Was hier besonders schön ist, sind die vier als Heustock getarnten Aussenanlagen. Zwar wäre man auch von aussen heran gekommen, doch um Zeit und Weg zu sparen haben wir kurzerhand den Notausgang genommen. Nachdem wir das Werk fertig fotografiert haben, sind wir nach Champex rüber gefahren. Leider haben aber die fortgeschrittene Stunde (es war inzwischen schon 20:15) und unser Schwund an Speicherkarten und Blitzbatterien dafür gesorgt, dass wir diese Besichtigung haben bleiben lassen. Bei einem feinen Walliser Raclette sind wir zum gemütlich Teil übergegangen und haben den Abend ausklingen lassen. Dank der freundlichen Einladung unseres Führers von Pro Fortresse werden wir Champex und die vielen Aussenanlagen des Vereins später im Jahr nachholen.

An dieser Stelle danken wir als erstes dem Vorstand von FORT.CH recht herzlich dafür, dass wir als Gäste an der DV teilnehmen durften und so in den Genuss der Besichtigung von Fort Dailly kamen. Ein Danke geht auch an Oberst Monnerat für seine ausführliche Führung und dafür, dass er für uns Deutschschweizer in der Gruppe der Romand immer mal wieder eine Erklärung auf Deutsch hat einfliessen lassen. Auch herzlich bedanken möchten wir uns bei der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zürich und bei Pro Fortresse, dass wir A27 besichtigen durften und für das feine Raclette zum Schluss. Wir freuen uns, die restlichen Anlagen demnächst auch einmal fotografieren zu dürfen.

Den Sonntag haben wir dann genutzt, um erst einmal nach diesen zwei doch anstrengenden Tagen auszuschlafen und uns einen Überblick über die Gegend von St. Maurice bis Martigny zu verschaffen. Dabei sind wir dann beim Artilleriewerk Les Follatères hängen geblieben. Bei diesem Werk zählt man von unten bis oben über 50 Scharten! Egal wohin man Blick wendet, entdeckt das geübte Auge Löcher über Löcher. Und denkt man, alle gefunden zu haben, erscheint ein weiteres Dutzend. Nachdem wir uns diese Ecke betrachtet haben, war für uns klar, dass wir hier einen ganzen Tag einplanen werden, wenn wir wieder einmal kommen. Von hier fuhren wir dann über Nebenstrassen nach Vernayaz, um die dortigen Infanteriewerke von aussen schnell anzusehen. Und auch hier wurde uns klar, dass wir dafür genug Zeit werden einplanen müssen. Die Mittagszeit erinnerte uns dann daran, die Reise zu beenden und langsam Richtung Bodensee zu fahren.

St. Maurice und seine Umgebung sind ein wahres Eldorado. Noch so viel gibt es hier zu sehen, dass wir vielleicht einmal eine ganze Ferienwoche einplanen werden. Für unsere erste Reise hierher sind wir aber mehr als zufrieden, haben wir doch mehr gesehen, als wir zu hoffen gewagt hatten. Au revoir St. Maurice et a bientôt!

















25. Juni 2010: Auf nach Eldorado! Oder eine Kraxeltour auf dem Massiv von Fort Dailly
Rückblick: Teil 1: Schloss Chillon  |   Teil 2: Dailly Les Planeux  |   Teil 3: Dailly L'Aiguille  |  

Wer die Festungen St.Gotthard und Sargans kennt, denkt schon alles gesehen zu haben. Wenn man aber den Gerüchten glauben darf, dann liegt das wahre Eldorado für den Bunkerfreund in der Westschweiz - oder genauer gesagt rund um St. Maurice. Und so machten wir uns letztes Wochenende auf dieses Bunker-Eldorado zu suchen und zu finden. Anders als die spanischen Konquistadoren durften wir feststellen, dass das Bunker-Eldorado existiert und die Erzählungen darüber nicht übertrieben waren. Doch der Reihe nach.

Der Dachverband der Schweizerischen Festungsmuseen FORT.CH hat am Samstag zu seiner DV nach Fort Dailly in St. Maurice geladen. Da wir als Gäste dabei sein durften, sind wir schon am Freitag nach St. Maurice aufgebrochen. Wir wollten in der Gegend der Festung St. Maurice einen ersten Lokalaugenschein machen, da wir bisher noch nie in dieser Gegend waren. Ausserdem wollten wir endlich das sagenumwobene Dailly-Massiv erkunden. Dazu konnten wir einen echten Kenner dieser Gegend als Führer gewinnen. Pierre Frei - Präsident der APSF - hat sich freundlicherweise am Freitag nachmittag frei genommen, um uns die öffentlich zugängliche Abdeckung von Dailly zu zeigen.

Erster Stop auf unserer Reise ins Wallis war aber eine Festung am Genfersee. Jährlich halten tausende Touristen in Montreux, um das Schloss Chillon zu besuchen. Dabei übersehen sie das gleich daneben errichtete Infanteriewerk mit dem selben Namen. Taktische Anforderungen an Festungen sind über Jahrtausende die selben geblieben. An der engsten Stelle wird der Weg gesperrt. Und so sind Symbiosen von Festungen unterschiedlicher Generationen an ein und dem selben Ort keine Seltenheit - wie wir noch öfters gesehen haben bei dieser Reise. Das IW A390 Chillion kann gut erkundet werden und das geübte Auge erkennt sofort die getarnten Scharten. Gewundert haben dürften sich nur die vielen Touristen, welche sich gefragt haben, warum diese zwei Sonderlinge sich nicht für das Schloss im See, sondern die "Felswand" und Mauern bei der Bahnline interessieren. In der ganzen Euphorie über die vielen schönen Motive hat sich ein Fehler ereignet, der sich noch bitter rächen sollte. Weil wir sahen, dass man die Anlagenteile gut anlaufen kann und zu faul waren, gleich die Wanderschuhe anzuziehen, ist Zarko mit seinen neuen Sommerschuhen rum gelaufen. Eigentlich weiss jedes Kind, dass man neue Schuhe einlaufen soll. Dies macht man aber mit Vorteil nicht bei einer Bunkertour. Und so war am Ende nicht nur Chillon abfotografiert - sondern es prangte auch eine erste Blase an der Ferse. Autsch!

Zur vereinbarten Zeit sind wir dann pünktlich in St.Maurice eingetroffen. Wer zum ersten Mal unten im Rhonetal steht und ins Dailly-Massiv hinauf schaut fragt sich, warum und wie man dort hoch oben einen ganzen Festungskomplex errichtet hat. Von 1890 bis 1960 wurde praktisch ununterbrochen hier oben gebaut. Dank seiner Lage eignete sich Dailly als strategischer Ort, von dem man den Festungsraum St.Maurice mit weitreichendem Artilleriefeuer belegen konnte. Um hinauf zu gelangen, fährt man über eine schmale Bergstrasse mit über 30 Kurven hinauf. Endlich oben bei Les Planaux angekommen, starteten wir unsere Entdeckungsreise. Zielstrebig führte uns Pierre herum und zeigte uns viele interessante Anlagen. So entdeckten wir wieder eine Symbiose von Anlagen aus allen Epochen. Ein erstes Highlight war T2 - der 15 cm Panzerturm 58, welcher zusammen mit einem weiteren Turm hier Ende der 1950er Jahre errichtet wurde. T2 stand mächtig im Gelände und war als Felsen getarnt. Seine Grösse übertraf alles, was wir bisher gesehen hatten und umso mehr freuten wir uns, endlich auch einmal einen solchen Turm fotografieren zu können. Mehr über diese Panzertürme werden wir euch noch später erzählen.
Neben den zwei 15 cm Panzertürmen stehen hier auch noch zwei 10.5 cm Panzertürme 39. Diese beiden Geschütze mit den Namen St.Barbe und St.Maurice sind die letzten zwei Türme, welche wir noch nicht fotografiert hatten. Umso mehr haben wir uns gefreut, auch die Türme 21 und 22 auf Chip zu brennen. Als Besonderheit muss die spezielle Tarnkonstruktion erwähnt werden. Entgegen den anderen Standorten in der Schweiz ist das Geschützrohr hier nicht gesenkt, sondern gehoben. Dies darum, damit das Rohr im Winter nicht im Schnee liegt und man zum Feuern nicht erst mühsam das Rohr ausgraben und die Tarnung abheben muss. Eine scheinbar sehr effektive Lösung - die aber offenbar nur hier angewendet wurde. Weiterer Höhepunkt waren die vier Staghound-Türme. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte die Schweiz von den Alliierten 64 Stück des gepanzerten Spähfahrzeugs Staghound. Der Panzer wurde allerdings nie bei der Truppe eingeführt. Für einige Türme dieses Panzers scheint man jedoch zumindest in Dailly eine Lösung gefunden zu haben. Anfang der 1960er Jahre wurden zur Aussenverteidigung an exponierten Stellen entlang den Infanteriehindernissen vier solcher Türme auf Beton aufgebaut und mit MG 11 (später MG51) ausgerüstet. Das Konzept scheint sich aber nicht allzusehr bewährt zu haben, da man bei keiner anderen Festung in er Schweiz solche Türme finden kann. Einer der vier Türme steht beim Schiessplatz. Von hier aus konnte die Truppe Übungsschiessen durchführen. Gleich daneben befinden sich die vermutlich letzten Übungsbunker der Schweiz. Diese wurden gemäss Aussage unserers Führers erst Ende der 1980er Jahre errichtet. Die beiden baugleichen Übungsbunker für Pak, Beob und MG sehen auch heute noch wie neu aus. Auf dem Gelände fand sich dann auch noch ein Übungsbunker für 10.5 cm Befestigungskanonen. Nachdem auch noch einige Stellungen für Beoabchter und Fliegerabwehr, sowie Aussenanlagen wie Eingänge, Belüftungsöffnungen und MG Stände abfotografiert waren, waren wir müde und hielten die Tour für beendet. Die inzwischen stark gewachsen Blase dankte es. Zumindest dachten wir, es wäre fertig. Ein Irrtum, wie es sich herausstellte.
Weil es erst halb 6 war und die Sonne noch schien, wollte uns Pierre noch mehr zeigen. Hier aber musste Zarko dann abbrechen. Die wunde Ferse erlaubte keine Klettertour mehr. Also sind Pierre und Christiane alleine losgezogen. Ziel war die Batterie Buits sowie die Anlagen drum herum und oben drauf. Die Batterie Buits besteht aus vier 10.5 cm Befestigungskanonen 39 und drei Stellungen sind nach einer kleinen Kletterei recht gut zu Fuss erreichbar. Der Weg führte weiter hinauf vorbei an Mauern, Unterständen, Beobachterkuppeln (aus der Jahrhundertwende) bis hinauf zum höchsten Punkt und dem dortigen Artilleriebeobachter L'Aiguille. Dabei stiessen die beiden auch noch auf eine Gedenktafel aus der Periode des 1. Weltkrieges, die auch Pierre bisher noch nicht bekannt war, welche sich am Rande einer alten steilen und vermoderten Holztreppe befand, welche den Weg mit dem oberen Plateau verbindet. Zum Glück wurde die Holztreppe - obwohl dies der kürzere Weg wäre - aber dann von den beiden nicht begangen, da es auf dem längeren Weg zur Beobachterkuppel L'Aiguille viel mehr interessante Dinge zu sehen und zu fotografieren gibt. Von der schlussendlich doch erreichteten Beobachterkuppel hat man einen sensationellen Ausblick ins Rhonetal und bis zum Genfersee. Auf dem Felskopf finden sich dann noch weitere Anlagen, welche aufgrund der fortschreitenden Zeit nurmehr im Schnellzugtempo abgelichtet werden konnten. Dazu gehören zum Beispiel eine Bäckerei in einer Felskaverne, eine 12 cm Kan 1882 auf Verschwindlafette, vier Festungsminenwerfer (div. Kaliber) - darunter der erste Prototyp dieser Waffe - und als grösste "Waffe" ein Übungsbunker mit zwei 15 cm Befestigungskanonen 46. Weil die die Sonne sich langsam senkte hiess es - vorbei an weiteren schönen Fotomotiven - zurück eilen. So blieb Christiane nur wenig Zeit, alle die vielen Motive - einschliesslich des imposanten Infanteriehindernisses - ausgiebig zu fotografieren. Jedoch ist uns der Weg nun bekannt und dürfte wohl nochmals vor unsere Linse kommen, um das Ganze ausfühlich zu dokumentieren. Obwohl Pierre nur wenig Deutsch und Christiane gar kein Französisch versteht, ist genug hängen geblieben, dass sie das Wichtigste verstanden hat, was Pierre erzählt hat. Ein Beweis dafür, dass Mangel an Sprachkenntnissen kein Grund dafür ist, sich nicht zu verstehen. Und während Pierre und Christiane spannende Entdeckungen machten, vertrieb sich Zarko damit die Zeit, die Umgebung mit dem Teleobjektiv abzusuchen.
Pünktlich mit Anpfiff der WM-Partie Schweiz gegen Honduras im Radio sind dann die beiden wieder zum vereinbarten Treffpunkt gekommen. Nun war aber endgültig Schluss. Es war Zeit, das Hotelzimmer zu beziehen und endlich etwas zu essen. Ein Restaurant zu finden, in dem es auch noch um halb 10 etwas zu essen gibt, gestaltete sich schwierig, sassen doch alle in den Gassen von St.Maurice und schauten in die Fernseher. Uns interessierte das Spiel nur am Rande, hat diese Wanderung doch Hunger gemacht. Zu guter Letzt haben wir dann doch noch einen Ort gefunden, wo man sich unserer Bedürfnisse annahm. Müde und lädiert, aber sehr zufrieden mit diesem Tag voller Eindrücke sind wir dann zu Bett. Ehrlich gesagt, waren wir in diesem Moment nicht böse, dass die Schweiz ausgeschieden ist und auf den Strassen vor unserem Hotel deshalb (fast) Ruhe herrschte.

An dieser Stelle ein grosses und herzliches Danke an Pierre! Ohne dich hätten wir niemals in dieser "kurzen" Zeit soviel gesehen. Die Tatsache, dass wir nur mit einer Kamera unterwegs waren und dabei mehr als 1100 Fotos geschossen haben, zeugt davon, wie viel es zu sehen gab. Wir freuen uns jetzt schon auf die Fortsetzung dieser Tour. Es soll ja noch einiges mehr auf dem Massiv zu sehen geben.

Rückblick





24. Mai 2010: Pfingstausflug zur Alvierlinie
Auch den wunderbar sonnigen Pfingstmontag haben wir für einen Ausflug genutzt. Das Ziel war dieses Mal ein Ort, an dem wir schon in Vergangenheit einmal waren: Die Alvierlinie in der Nordflanke der Festung Sargans.

Als wir 2008 dort waren, hatten wir die eine oder andere Anlage übersehen. Ausserdem hat uns Walter die Möglichkeit verschaft, den grossen Infanteriebunker Lavadarsch von innen zu besuchen. Grund genug, also wieder einmal rauf zu gehen. Die Alvierlinie ist ein relativ unbekannter Teil der Festung Sargans. Kein Wunder, scheinen doch die kleinen Anlagen im Vergleich zu den grossen Artilleriewerken relativ relativ unbedeutend. Wenn man dann die Bunker rund um das Kurhaus Alvier besichtigt sieht man, dass 1940/41 hier keine Mühen gescheut wurden, auf relativ schwer zugänglichem Gebiet kampfstarke MG-Bunker zu errichten. Was besonders imposant ist, sind die relativ grossen Scharten. Da die MG-Stände für Hoch- oder Tiefschuss ausgelegt waren, sieht man hier oben auch ganz andere Öffnungen als im Flachland. Auffallend ist die zum Teil eigenwillige Tarnbemalung, im Vergleich zu den Flachlandbunkern. Diese ist bei einigen Werken auch noch bestens erhalten. Eine kleine Überraschung erlebten wir dann beim Bunker A6052, welcher im Eingangsbereich noch ein sehr kunstvolle Malerei eines Clowns enthielt. Die Bunker hier oben wurden 1995 entklassifiziert und verkauft. Walter hat sich dabei gleich den Bunker (A6060) mit der vielleicht besten Aussicht in der Festung Sargans gesichert. Kein Wunder sind wir dann auch auf der Bank davor hingesessen und haben die Sonne, die Ruhe und die traumhafte Aussicht ins Rheintal genossen.
Die markanteste Anlage der Alvierlinie ist der grosse MG Bunker A6065 Lavadarsch. Der Bunker verfügte über 3 MG und 1 Beobachterstand und war das Rückgrat der Alvierlinie. Walter konnte vom Besitzer den Schlüssel besorgen, und so konnten wir in diesen komplett ausgerüsteten Bunker rein schauen. Der Bunker erstreckt sich über 3.5 Stockwerke. Das halbe Stockwerk kommt daher, weil der oberste Beobachterstand über ein Podest vom MG Stand im 3. Stockwerk zu erreichen ist. Hier ist auch ein Notausgang untergebracht, dessen Leiter gleich neben dem Ausgang wieder herunter führt. Ein solcher Notausgang hätte im Notfall auch nicht viel genützt und wurde vermutlich nur darum erreichtet, weil es eine Vorschrift gab, dass Notausgänge zu erstellen sind. Leider ist dieser imposante Bunker - obwohl noch vollständig bis ins kleinste Detail ausgerüstet - mit allerlei zusätzlichem Material vollgestellt. Trotzdem war es eindrücklich, einmal einen solch grossen MG Bunker, den man sonst nur selten sieht, auch von innen zu betrachten. Danke an dieser Stelle dem Bunkerbesitzer für den Zugang zur Anlage.
Ein ganz besonderen Dank geht an Walter, welcher sich die Mühe machte, uns den Zugang zu ermöglichen und der schon zum zweiten Mal als lokaler Bunkerführer für uns agiert hat. Dank ihm konnten wir noch die letzten Lücken in unserer Dokumentation zur Linie vom Alvier hinunter nach Matug schliessen.

Rückblick








22. Mai 2010: Das (Bunker) Haus am Sihlsee
Endlich wieder einmal ein Samstag ohne Dauerregen. Grund genug für uns, wieder auf Achse zu gehen. Den Morgen verbrachten wir im Grossraum Rapperswil, wo wir einige uns gemeldete Koordinaten besucht haben. Der Sonnenschein sorgte dann dafür, dass wir entgegen dem ursprünglichen Plan auf den Bachtel gefahren sind, um bei Sonnenschein und wunderbarer Aussicht dort oben ein feines Mittagessen zu geniessen. Frisch gestärkt wollten wir dann am Nachmittag Richtung Wäggital und über die Sattelegg an den Sihlsee.
Erster Stopp waren die drei Bunker der Sperrstelle Vorderthal. Hier errichtete man drei relativ grosse Anlagen, welche den Zugang zum Wäggital und Sattelegg sperren sollten. Noch heute sind alle drei Anlagen erhalten und nicht sofort sichtbar. Einerseits wegen der Vegetation, andererseits, weil die Tarnaufbauten noch erhalten sind. Zwei der Bunker befinden sich heute in privatem Besitz, während die dritte Anlage noch keinen Käufer gefunden hat. Ein Danke geht an dieser Stelle an die jeweils anwesenden Landbesitzer, welche uns alle den Zugang zu den Anlagen über ihr Grundstück erlaubt haben. Trotz ihres urchigenn Aussehens, hat sich wieder einmal gezeigt, dass es sich durchwegs um freundliche und fröhliche Zeitgenossen handelt, die für einen informativen Schwatz zu haben sind. Nachdem alle Anlagen im Kasten waren, gings über die Sattelegg zum Sihlsee.
Zuerst sind wir zur Sperrstelle bei Schlapprig gefahren. Hier mussten wir jedoch feststellen, dass fotografieren im Moment schwer ist. Einerseits hat die Vegetation die Anlagen schon im Griff. Andererseits war das Gras zu hoch, um - ohne Schaden für den Bauern anzurichten - an die Bunker hinzugelangen. Also haben wir beschlossen, hier im Herbst wieder rein zu schauen. Gleich daneben liegt die Sperrstelle Egg beim Stauwehr des Kraftwerks am Sihlsee. Diese Sperrstelle - bestehend aus den beiden MG Bunkern A7078 und A7079 - beherbergt heute eine schweizweite Besonderheit. Der Bunker A7078 ist heute in ein Einfamilienhaus integriert. Und wenn wir sagen integriert, dann meinen wir das auch so.
Als wir dort angekommen sind, wurden wir durch eine freundliche Frau aus dem Nachbarshaus angesprochen, welche unsere Fotoaktivitäten beobachtet hat. Sie erkundigte sich, ob wir uns für den Bunker interessieren, was wir natürlich bejaht haben. Wie sich herausstelle, war die Frau die Bauherrin und Besitzerin des (Bunker) Hauses. Sie lud uns sofort zur Besichtigung des noch nicht ganz fertiggestellten Hauses ein. Sowas lassen wir uns natürlich nicht entgehen und betraten gespannt das Haus. Was wir da sahen, überraschte uns total. Tritt man durch die Haustüre in das moderne und mit hochwertigen Materialien erstellte Minergie-Haus, so steht man in der Küche mit Essraum und wird begrüsst von der Bunkerfront mit Eingang und Lmg-Scharte. Die Bunkerfront ist komplett erhalten und ist heute Teil des Hauses. Aus dem Essraum kann man den Buner betreten, der noch fertig ausgebaut wird zum Waschraum und zur Sauna. Auf dem Dach wird noch eine Terasse errichtet, die man dann über das obere Stockwerk aus dem Wohnzimmer heraus betreten kann. Hier entstand vermutlich das erste echte Haus, welches den Bunker nicht als Abstellraum integriert hat, sondern den Bunker als Teil des Wohnkonzeptes einbezogen hat. Die Idee entsprang nicht dem Hirn eines studierten visionären Architekten, sondern war komplett die Idee und Vision der Bauherrin. Schon vor vielen Jahren hatte sie den Bunker vom damaligen EMD erworben, da er noch in der Bauzone neben ihrem Haus stand. Viele Jahre reifte in ihr die Idee, aus dem Bunker etwas besonderes zu machen. Und so zeichnete sie selber die Entwürfe und Pläne für das Haus, kämpfte gegen visionslose Architekten und Handwerker, die nicht verstanden, dass es sich hier nicht um ein Standardhaus handelt, sondern um eine Vision und unkonventionelle Idee. Das Resultat dieser Mühen kann sich sehen lassen. Mit offenen Mündern standen wir da und müssen gestehen, dass dieses einmalige Objekt uns etwas neidisch gemacht hat. Aber wir gönnen es der Bauherrin, da sie hier etwas einmaliges geschaffen hat. Der vergessene Igel hat eine neue Aufgabe bekommen und wird noch für viele erstaunte Gesichter bei jedem Besucher dieses Hauses sorgen. Wir für unseren Teil waren uns einig: So sollte unser "Traumhaus" aussehen. ;-)
Hier endete dann auch unser Ausflug und es war Zeit für den Heimweg. Ein Danke an dieser Stelle nochmals an die überaus freundliche Bauherrin für die spontane Einladung. Mit der Besichtigung haben Sie uns eine grosse Freude gemacht.

Noch ein Wort in eigener Sache. Ihr habt sicher festgestellt, dass es in letzter Zeit etwas ruhig geworden ist auf unserer Page. Dies hat einen Grund. Die Leser des Forums wissen schon, dass wir an einer neuen Version unserer Seite arbeiten. Was wir vor haben, wollen wir noch nicht zu früh verraten. Soviel sei jedoch gesagt: Die neue Version wird interaktiv und lädt jeden Besucher zum mitmachen ein. Der erste Versuchs-Prototyp steht schon und wir wissen, dass unsere Idee funktioniert. Nun geht es an die Realisierung. Gesucht wäre noch jemand, der sich gut mit Web-Design und CSS3 auskennt. Falls ihr Interesse habt, an einem Projekt mitzumachen, so meldet euch bei uns. Gerne geben wir euch dann weitere Infos.

Rückblick









25. April 2010: Ende Feuer Gz Br 5 (am Rhein)
Die Vegetation macht von Woche zu Woche grössere Fortschritte. Die Bunker verwachsen nun langsam wieder und das Fotografieren wird zusehends schwerer. Grund genug, noch einmal schnell eine Tour an den Rhein im Aargau zu unternehmen, bevor der Sommer die Bunker ganz verdeckt. So sind wir gestern noch einmal ins Aargau gefahren, um zumindest die Rheinlinie der Grenz-Brigade 5 bis Stein (AG) fertig zu dokumentieren.

Auftakt war heute nochmals das malerische Städtchen Laufenburg. Hier wollten wir den Bunker A4312 Münzgässli nochmals bei Licht fotografieren, da er letzte Woche bereits im Schatten war, als wir am Nachmittag dort waren. Der Weg lohnte sich, denn um 9 Uhr war der Bunker und die Brücke wunderbar von der Morgensonne beleuchtet. So konnten wir die Fotos von letzter Woche nun mit Sonnenfotos ergänzen. Ein kleiner Morgenspaziergang führte uns dann nochmals auf die deutsche Rheinseite, um auch von dort wieder ein paar Fotos zu schiessen. Nach einem kleinen Frühstück haben wir dann dort weiter gemacht, wo wir letzte Woche aufgehört haben. Gleich der erste Rhein-Bunker A4616 hielt eine kleine "künstlerische" Überraschung für uns bereit. Hier sind (oder waren) an der Eingangstüre und Wand des Bunkers eine leicht bekleidete Dame aufgemalt. Auf Grund der üppigen Formen scheint es, dass diese Malerei schon sehr lange an diesem Bunker sein musste. Leider haben die "modernen" Künstler von heute mit ihren Spraydosen wenig Respekt vor der Kunst vergangener Maler. So war eine der Malerei leider übersprayt und so zerstört worden. Von hier folgten wir dann weiter dem Rhein bis zum Hardwald, wo wir dann den Rhein für den Moment verliessen.
Von November 1939 bis zum Sommer 1940 bauten Truppen des Gz Füs Bat 256 zusammen mit der Lst Sap Kp I/33 eine Bunkerkette durch den Hardwald, bestehend aus 10 Bunkern. Diese Bunker weisen zum Teil eine sehr interessante Architektur und Tarnbemalung auf. So sind wir dann durch den Hardwald gelaufen und haben Bunker für Bunker besucht und fotografiert. Besonders erwähnt werden muss der Bunker A4349 Hardwald 2. Dieser quadratische Bunker ist ein absolutes Unikat. Er weisst auf drei Seiten Scharten auf und hat rundherum einen 1 Meter breiten Deckenvorsprung. Eine solche Konstruktion ist uns bisher noch bei keinem anderen Bunker begegnet. Auch war auf diesem Bunker - und einigen weiteren im Hardwald - eine Tarnbemalung in Form von Bäumen zu sehen. Leider war dieser Bunker - so wie viele andere auch - bereits sehr stark verwachsen. Mit unserer neuen Gartenschere konnten wir ihn aber einigermassen freilegen, so dass es möglich war, gute Fotos zu machen. Dies ist uns dann bei einigen anderen Bunkern gestern nicht gelungen, so dass wir das gewünschte Foto nicht mehr machen konnten. Hier wird dann nochmals ein Besuch im Herbst angesagt sein. Nachdem der Hardwald abgelichtet war, war es wieder einmal Mittag und Zeit für ein gemütliches Picknick in der schönen Frühlingsnatur.
Von hier sind wir dann zurück an den Rhein bei Sisseln. Ab hier hatten bis Stein (AG) die Bunker eine schlechte Zeit. Nur noch ein Bunker (A4327) ist in seiner Ursprungsform vorhanden. Die beiden Bunker in Sisseln sind teilweise im Rhein versunken und dienen heute als Aussichtsplatz für Spaziergänger. Die Scharten sind zugemauert und der Eingang zugedeckt. Der Bunker A4328 ist bei einem Hochwasser abgerutscht und wurde danach teilweise eingedeckt. Nur noch das obere Drittel schaut aus dem Boden heraus. Auch der Bunker A4329 beim Kraftwerk ist zugemauert worden, aber zumindest steht er noch gut sichtbar am Rhein. Und so sind wir dann in Stein (AG) an der Brücke nach Bad Säckingen eingetroffen. Hier entdeckt der geübte Beobachter noch die Reste der ehemaligen Grenzpolizei-Sperre und auch die Schächte der Sprengobjekte in den historischen Brückenpfeilern. Das Zollhaus war früher auch in die Verteidigung eingeschlossen und in seinem Keller befinden sich noch einige Wandmalereien. Im schmalen Gässchen hinter dem Zollhaus verbirgt sich ein kleiner Unterstand, welcher die ehemalige Zündstelle des Sprengobjektes war. Dieser Unterstand mit der Nummer A4330 ist dann auch die letzte - oder eben auch erste - Anlage der Grenz-Brigade 5 am Rhein. 1,5 Jahre nachdem wir mit der Dokumentation der Rheinlinie der Gz Br 5 bei Kaiserstuhl begonnen haben, sind wir nun am Ende angelangt. Ab hier wird dann das neue Kapitel zur Grenz-Brigade 4 beginnen, aber dass wird noch ein Weilchen dauern.
Zuerst mussten wir noch zurück nach Sisseln / Stelli. Hier waren noch zwei MG Bunker am Rhein und zwei Beobachter an der Hangkuppe zu fotografieren. Während die Bunker einfach zu erreichen waren, gestaltete sich das bei den beiden Beonachterständen schon schwerer. Von unten zwar eingermassen sichtbar, war A4322 von oben her nicht zu erreichen. Ein absolut dichtes und undurchdringliches Brombeerhindernis hinderte uns an den Bunker ran zu kommen. Mit unserer Gartenschere war da nix auszurichten. Total verkratzt haben wir dann hier aufgegeben und beschlossen, diesen Bunker zusammen mit A4321 und A4355 im Herbst nochmals zu besuchen. Sie werden sicher geduldig auf uns warten (hoffentlich).

Somit haben wir gestern zumindest die Rheinline der Grenz-Brigade 5 abgeschlossen. Noch warten zahlreiche Sperrstellen im Hinterland auf uns, und so werden wir dann vermutlich im Herbst die Sperren bei Kaisten, Eiken, im Fricktal und noch diversen anderen Orten dokumentieren. Das Aargau wird uns also noch eine Weile haben, bevor wird uns dann aufmachen zu unserer letzten Etappe am Rhein in Richtung Basel. Vielleicht sind wir nächstes Jahr um diese Zeit dann dort und haben zumindest das Teilprojekt "Wacht am Rhein" abgeschlossen. Mal schauen, was die Zeit bringt....

Rückblick










18. April 2010: Dem Rhein entlang von Schwaderloch nach Laufenburg
Eigentlich wollten wir gestern wieder in die Zentralschweiz gehen. Der Wetterbericht versprach jedoch für den Rhein wesentlich besseres Wetter, so dass wir uns kurzfristig doch für das Aargau entschieden. Es ist schon einige Monate her, dass wir am Rhein waren. Also höchste Zeit, weiter zu machen, wo wir aufgehört hatten.

Bereits kurz nach neun sind wir an unserem ersten Fotopunkt angekommen. Der Unterstand in Rümikon mit dem klingenden Namen "Zur Wildsau" wurde bisher immer von uns ignoriert, weil er etwas abseits lag. Dank dem Foto eines unserer Besucher haben wir beschlossen, doch noch hier vorbei zu schauen. Nachdem die ersten Bilder für den heutigen Tag gemacht waren, sind wir weiter nach Schwaderloch. Hier haben wir dann zuerst die ersten beiden Bunker (A4304 und A4303) angefahren, welche einfach zu erreichen waren. Obwohl die Vegetation nach dem langen Winter langsam zu wachsen beginnt, war es hier noch gut möglich, brauchbare Fotos zu machen. Bei den kommenden Anlagen sollte das nicht mehr überall der Fall sein. Die beiden nächsten Anlagen in Schwaderloch mussten angelaufen werden. Also hiess es Ausrüstung gepackt und losmarschiert. Während A4301 leicht zu finden war, wurde es bei A4300 schon etwas schwerer. Der Bunker liegt im Augebiet mitten im Wald und ist fast komplett verwachen. Zum Glück hatten wir gute "ungefähr"-Koordinaten, so dass wir den Bunker dann doch finden konnten. Dass der Bunker ein schon lange vergessener Igel ist, zeigt die Tatsache, dass er komplett in grün gehüllt ist und zahlreiche Bäume auf und um ihn liegen. Dank unserer Gehilfin - der Gartenschere - konnten wir ihn doch ein wenig sichtbar machen für die Fotos. Auf dem Rückweg zum Auto kam uns dann eine kleine "tierische" Prozession entgegen. Eine Spaziergängerin führte ihren Hund an der Leine "Gassi" und hinterher trotteten zwei Katzen. Natürlich mussten wir fragen, ob das ihre Katzen wäre, worauf sie erklärte, dass dem so sei und diese ihr immer überall hin folgen - auch zum Spazieren.
Nachdem Schwaderloch fertig war, ging es weiter rheinabwärts in Richtung Etzgen. Die beiden Bunker (A4305 + 06) am alten Fährzoll lagen unterhalb eines verwachsenen Hangs. Wieder dank unserer Gartenschere konnten wir uns einen Weg durch die Brombeeren bahnen und auch diese beiden Bunker auf unseren Chip bannen. Nun fehlte noch A4307 und auch dieser Abschnitt war komplett. Punkt 12 sind wir bei A4308 angekommen, welchen wir früher schon abgelichtet hatten. Zeit also für ein gemütliches Picknick am Rhein bei strahlendem Sonnenschein. Während wir unsere Sandwiches assen, flog plötzlich einer der seltenen Eisvögel direkt auf das Geländer am Schiffsteg und schaute uns zu. Leider war die Kamera ausgeschaltet und nicht bereit, so dass wie wieder einmal kein Foto dieses wunderschönen Vogels machen konnten. Das war nun schon das dritte Mal, dass uns ein solcher Vogel begegnet, ohne das wir ein Foto von ihm machen konnten. Die Freude aber, dieses Tier aus der Nähe betrachten zu können, überwog den Frust, kein Foto gemacht zu haben.
Nach der Stärkung sind wir weiter in Richtung Laufenburg. Die ersten Bunker waren leicht zu erreichen und Parkplätze hatte es auch immer in der Nähe, so dass wir schneller voran kamen als erwartet. Es blieb uns so Zeit, auch noch die Sperrstelle bei Leidikon abzulichten. Hier war an der Strasse, die von Rheinsulz in Richtung Mönthal führt, eine zweite Verteidigungslinie hinter dem Rhein erstellt worden. Auch hier sind die beiden Bunker zwar leicht zu finden, jedoch bereits total verwachsen. Wieder einmal machte sich hier die Kombination aus Vollformat-Kamera und Weitwinkelobjektiv bezahlt. So konnten wir trotz der vielen Bäume und Büsche aus kurzer Entfernung jeweils die ganzen Bunker auf Chip bannen. Zum Schluss haben wir noch ein paar Unterstände aus der Zeit des Kalten Krieges gefunden und auch noch "mitgenommen". Und weil es gerade so gut lief, war es noch keine zwei Uhr und wir standen an den Toren Laufenburgs. Eigentlich haben wir nicht erwartet, noch am selben Tag so weit zu kommen, aber wenn wir schon mal hier sind, warum also nicht gleich weiter machen.
Das malerische Städchen Laufenburg kann neben seiner schönen historischen Altstadt auch mit einigen besonderen Bunkern aufwarten. Zwei davon (A4312 + 13) wurden direkt in die Rhein-Mauern der Altstadt integriert. Um gute Bilder zu bekommen haben wir "Indianer" dann auch den Weg über den Rhein auf "feindliches" Territorum nicht gescheut. Von hier aus war dann A4312 bestens zu sehen und ohne von der "Kavallerie" verfolgt zu werden, konnten wir sicher wieder heimischen Boden betreten. Nachdem auch noch A4313 im Kasten war, sind wir weiter Richtung Kraftwerk Laufenburg. Anders als bei den beiden Rheinkraftwerken von Rekingen und Eglisau wurden hier keine Bunkeranlagen in den Kraftwerken selber erstellt. Dafür wurde auf dem Hang oberhalb des KW eine relativ starke Anlage erstellt, welche mit seinem MG und Pak den Übergang sichern sollte. Der Zugang zu diesem Werk - über einen Tunnel unter der Hauptstrasse - lag auf der anderen Seite des Hangs direkt an der Bahnlinie. Beim Ablaufen sind wir dann auch noch auf die Reste der ehemaligen Sprengobjekte des Karftwerks gestossen. Damit war der erste Teil von Laufenburg für dieses Mal abgeschlossen. Es warten noch einige Anlagen oberhalb von Laufenburg auf uns, aber auch diese werden wir demnächst noch besuchen.

So ging ein sehr "produktiver" und sonniger Tag am Rhein zu Ende und wir sind wieder mit vielen Fotos von Anlagen der "Wacht am Rhein" zurück gekehrt. 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Zeiten am Rhein ruhig geworden. Menschen überqueren fast ohne Grenzen den Rhein und wären nicht die Grenzposten, wüsste man heute nicht mehr sofort, in welchem Land man sich befindet. Dass es so friedlich geworden ist, ist zu einem gewissen kleinen Teil auch den vergessenen Igeln zu verdanken, die lange nachdem ihre Erbauer gestorben sind, immer noch ein Mahnmal sind für die unruhigen Zeit in denen sie errichtet worden sind. Hoffen wir, dass der Rhein noch viele viele solcher ruhigen Jahre erleben wird und ein Ort der Verbindung und nicht der Trennung sein kann.

Rückblick




















10./11. April 2010: Spannende Entdeckungen am Etzelpass und beim Kraftwerk Eglisau
Auch wenn es in letzter Zeit relativ ruhig war - aus kommunizierten Gründen - auf unserer Hompage, so heisst das nicht, dass wir nicht aktiv waren. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns um Themen gekümmert, die wir sonst eher nicht bearbeitet haben und waren auf Touren, wo wir sonst nicht hingegangen wären. Dieses Wochenende haben wir jedoch wieder einmal Touren unternommen, über die wir euch ausführlicher berichten wollen.

Am Samstag sind wir endlich einmal zum Etzelpass hinauf gefahren. Die Tour dort war mit unserem Führer schon länger abgesprochen, aber 2009 ist es sich irgendwie nicht ausgegangen. Gestern hat es nun geklappt. Bereits kurz vor 9 Uhr haben wir uns beim Bunker A7104 getroffen. Obwohl wir hier schon einmal waren, gab es doch inzwischen etwas Neues zu sehen. Als Unikat ist hier wieder die Originalbewaffnung in Form der Pz BK 38 eingebaut worden. Diese Waffe in dieser Ausführung konnten wir bisher noch in keinem anderen Bunker bewundern. Diese Waffe wurde erst kürzlich hier eingebaut und stammt ursprünglich aus dem Werk A7812 Viamala links im Kanton Graubünden. Von hier aus ging es dann mit dem Auto hinauf nach Enznau. Hier wartete die noch komplett erhaltene östliche Bunkerkette auf uns. Der Bunker A7113 wurde inzwischen wieder fast fertig ausgerüstet. So konnten wir hier eine wieder eingebaute IK bewundern. Auch der Unterkunftsraum ist noch mit den Original-Holzpritschen und Gestellen erhalten. Der Nachbarbunker A7111 befindet sich noch in Restauration. Hier soll dann wieder eine 9cm Pak eingebaut werden. Die Bunkerkette befindet sich in einer wunderschönen Natur, so dass als ein weiteres Highlight die noch zum Teil bestens erhaltenen Panzerhindernisse genannt werden müssen. Wer den Weg hinauf zum Etzel-Kulm hinaufwandert, der wird westlich des Bunkers A7109 eine Besonderheit finden. Hier erstreckt sich über ca. 300 Meter ein grosser Graben, welcher aus einer 3 Meter hohen Tankmauer und einem davor liegenden BBB-Höcker Hindernis besteht. Eine solche Kombination in der Grösse und Ausführung hatten wir bisher noch nie gesehen. Dieses Fotomotiv galt es daher umso mehr festzuhalten. Oben am Etzel-Kulm angekommen, war es auch schon Mittag und somit Zeit für ein feines Mittagessen bei bester Aussicht.
Nachdem wir uns gestärkt hatten, war es Zeit, in Richtung Artillerie-Beobachterwerk A7107 zu gehen. Dieses ausgeräumte Werk wurde durch die Militärhistorische Stiftung des Kanton Schwyz übernommen und soll wieder - soweit als möglich - in Stand gestellt werden. Das Werk besteht aus zwei grossen Kavernen und drei Beobachterständen. Von hier aus wurde das Artilleriefeuer der 7. Division beobachtet und geleitet. Auch wenn das Werk (fast) leer war, so gab es doch noch einiges zu sehen und zu fotografieren. Beschriftungen auf den Gasschleusen zeigen, dass es einmal Versuche gegeben haben muss, das Werk zum Fledermausrefugium umzufunktionieren. Das scheint aber nicht geklappt zu haben. Eine weitere Inschrift auf einer Holztafel hat uns gezeigt, dass am 27. März 1980 hier der letzte Dienst einer Truppe stattgefunden haben muss. Nachdem wir uns von unserem Führer verabschiedet haben, wollten wir noch einigen Anlagen im Zürcher Oberland einen Besuch abstatten. Der dichte Verkehr am Seedamm bei Rapperswil zwang uns dann aber, spontan das Programm umzustellen. Also sind wir wieder einmal zum Werk Grynau bei Tuggen gefahren. Hier wurde der Hang bei der Strasse vom Wald befreit und somit waren alle drei Stände nun bestens sichtbar. Natürlich musste auch das neu dokumentiert werden. Letzter Halt war denn auf dem Heimweg noch kurz in der Festung Sargans, wo das gute Licht uns dazu verleitet hat, ein paar bekannte Anlagen noch einmal zu fotografieren. So ging dann ein langer und spannender Reisetag zu Ende.
Wir danken herzlichst unserem Führer von der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Schwyz, dass er sich Zeit genommen hat, uns die Befestigungen am Etzelpass zu zeigen. Die vielen Fotos zeugen von einer Tour mit vielen wunderschönen Motiven und vielen sehenswerten Anlagen. Eine Tour hier hinauf können wir euch nur empfehlen.

Der Sonntag wartete dann mit einer weiteren spannenden Tour auf uns. Wir hatten schon vor einiger Zeit das Kraftwerk Eglisau von aussen besucht und verzweifelt den MG-Stand gesucht, welcher einmal in diesem Werk integriert war. Leider war uns der genaue Standort unbekannt und so konnten wir nur raten, wo er sein könnte. Dies verleitet uns aber zu einer falschen Annahme, was wir entsprechend auch falsch in unserer Page dokumentiert hatten. Ein Mitarbeiter des Kraftwerks entdeckte den Fehler auf unserer Page und nahm die Mühe auf sich, uns einen Besuch im Werk zu ermöglichen, damit der Fehler richtig gestellt werden konnte. Inzwischen haben auch wir über unsere Kontakte versucht, mehr über die Anlage zu erfahren, jedoch erfolglos. Niemand wusste mehr etwas darüber. Also hiess es abwarten, bis wir einmal hinein konnten.
Am Sonntag war es dann soweit. Endlich konnten wir sehen, was sich in diesem Kraftwerk alles verbarg. Zur Besichtigung haben wir dann einen unserer befreundeten "Bunkerologen" mitnehmen dürfen. Nach einem Begrüssungskaffee und kurzen Einleitung hiess es dann die Geheimnisse zu entlüften. Der von uns gesuchte MG-Stand befand sich nicht irgendwo unten im Gebäude, sondern hoch oben im Dach der Maschinenhalle - nur erreichbar über einen schmalen Steg in der Dachkonstruktion. Dieser einfache Stand war ursprünglich mit zwei MG auf Feldlafetten ausgerüstet und hatte daneben 5 Beobachterscharten. Später wurden die MG-Scharten auf Lmg umgerüstet. Von hier oben hatte man einen prächtigen Blick über den Rhein. Kein Wunder wurde diese exponierte Stelle als Stellung gewählt. Von aussen sind die Scharten jedoch nicht mehr zu erkennen, da sie zugemauert und verputzt worden sind. Nur der unterschiedliche Farbton zeigt noch von aussen, wo sich die Scharten früher befanden. Eine Beobachterscharte befand sich hinter Jalousinen. Jetzt, da uns die Lage bekannt war, haben wir von aussen auch ein kleines Detail entdeckt, welches uns bisher immer entgangen ist. Zwei Lamellen der Jalousinen sind so konstruiert worden, dass sie von innen weggeschoben werden können, um den Blick auf den Rhein freizugeben.
Zusammen mit dem Bunker, welcher 1993 entklassifiziert worden ist, wurden auch die zwei Sprengobjekte M0682 (Wehrpfeiler) und M1907 (Wehrbrücke) entklassifiziert und vom Kraftwerk übernommen. Auch diese Überreste haben wir dann aufgesucht. Die Zugänge zu den Sprengschächten befanden sich in einem Gang unter dem Wehr. Diese Gang ist durchgängig bis hinüber zur deutschen Seite. Deshalb wurde im Krieg der Gang unten durch die Truppen immer bewacht, um einen Überraschungsangiff zu verhindern. Hier unten fanden wir dann in der Wachzelle (als "Todeszelle" durch die Truppe beschriftet) und in den Gängen zahlreiche Graffitis und Inschriften. Auch ein in Lebensgrösse in die Wand eingearbeiteter Soldat war auf der Wand zu finden. Die Inschriften gaben allerlei Aufschluss darüber, worüber sich die Soldaten während der Wache Gedanken machten. Es wurden die eigenen Vorgesetzten beschimpft, lustige Sprüche hinterlassen, oder auch der "Führer" verulkt. Alleine die Wände hier unten wären eine Fundgruppe für jeden Historiker. Nachdem dann auch die Überreste der Sprengobjekte dokumentiert waren, haben wir uns zum Schluss noch die Umgebung des Kraftwerks angesehen. Dabei haben wir auch eine weitere spannende Entdeckung gemacht: Ein kleiner verwachsener Bunker in Form eines Zuckerstockbunkers (Schindler-Bunker). Dieser Bunker ist in keinen Unterlagen als Armee-Objekt verzeichnet und legt den Schluss nahe, dass es sich wohl um ein Objekt des damaligen Werkschutzes gehandelt haben muss.
Das Kraftwerk Eglisau wurde am 9. November 1944 durch alliierte Bomber - angeblich aus Versehen - bombardiert. Zum Glück wurde das damals mit einer grossen Schweizer Fahne markierte Kraftwerk nicht getroffen. Nur das neben dem Werk gelegene Eisenbahnviadukt wurde getroffen und musste repariert werden. Heute erinnert an diese fast nicht mehr bekannte Tatsache noch ein leider versteckter Gedenkstein östlich des Kraftwerks. Nachdem auch dieser fotografiert war, ist auch diese spannende Tour zu Ende gegangen.
Ein grosses Danke an dieser Stelle an die Kraftwerkseigentümerin Axpo und unserern Führer, welcher sich all die Mühe gemacht hat, uns die Tour zu ermöglichen und sich an seinem freien Sonntag Zeit nahm, uns alles zu zeigen. Er hat es uns so ermöglicht, einen weiteren bereits vergessenen Igel der Nachwelt zu dokumentieren. Nur dank solchen engagierter Menschen ist es uns überhaupt möglich, unserem Hobby nachzugehen und euch anschliessend davon zu berichten.

Rückblick





21. Februar 2010: Auf Fototour in Zeihen und Densbüren
Endlich wieder ein Wochenende mit Sonnenschein! Also hiess es: Sachen gepackt und in aller Frühe Richtung Aargau losgedüst. Nachdem wir die nördlichen Anlagen beim Bözberg schon fotografiert hatten, wollten wir endlich die Gegend abschliessen und auch die südlichen Sperren besuchen. Also war das Ziel unserer gestrigen Tour die Region Zeihen - Desbüren.

Während die meisten sich in ihrer warmen Bettdecke nochmals eingekuschelt haben, sind wir mit den ersten Sonnenstrahlen bei Zeihen eingetroffen. Hier erwartete uns eine bestens erhaltene Sperrstelle mit den unterschiedlichsten Typen von Sperren, Bunkern und jeder Menge IK / FK - Schildern. Dies liegt vermutlich an der Tatsache, dass die Armee hier oben noch einen Schiessplatz betreibt und darum die Abbrucharbeiten sich bisher in Grenzen hielten. So arbeiteten wir uns von Nord nach Süd vor und genossen es, wieder einmal mit der Kamera unterwegs sein zu können. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt der Abgeschiedenheit hier oben war, dass wir praktisch die einzigen Menschen waren, welche die Wälder unsicher gemacht haben. Bei all dem Trubel, dem wir in unseren Jobs ausgesetzt sind, sind solche ruhige Momente eine willkommene Erholung für uns. Nachdem alle Anlagen und Sperren abgelichtet waren, war es auch Zeit für unser obligates Picknick bei Sonnenschein. Während andere sich also in den Verpflegungsstationen der Ski-Regionen dicht gedrängt auf den Sonnenterassen auf den Füssen rum trampelten, genossen wir die Ruhe und den Sonnenschein. Ein weiterer Vorteil beim Bunkern.

Nach dem Mittag haben wir noch zwei kleinere Sperrstellen zwischen Zeihen und dem Homberg abfotografiert, bevor wir dann weiter nach Densbüren gefahren sind. Diese Sperrstelle soll gemäss ADAB-Broschüre besonders erhaltenswert sein. Also haben wir uns diese genauer angesehen und mit Ausnahme einer Anlage von nah oder fern auf den Speicherchip gebrannt. Auch einige modernere Anlagen haben wir dank der Hinweise einiger Anwohner noch gefunden.

Alles in allem sind wir aber am Ende zum Schluss gekommen, dass von der Vielfältigkeit der Anlagen und Sperren es eher Zeihen verdient hätte, in der ADAB Broschüre dokumentiert zu werden. Nichts gegen die Sperrstelle Densbüren, aber in Zeihen war einiges mehr zu finden als in Densbüren. Zum Glück haben aber einige von euch uns auf diese Sperrstelle aufmerksam gemacht, denn sonst wäre dieses kleine - komplett erhaltene Juwel - vor uns verborgen geblieben. Und so ging ein erster "Frühlingstag" im Aargau für uns zu Ende und wir können euch demnächst wieder neue Fotos einer für die meisten unbekannten Sperrstelle zeigen. Die nächste Aargau-Tour wird uns dann wieder an den Rhein führen.

Rückblick


20. Februar 2010: Teil 2 der Brückentour im Rheintal
Nachdem die letzten Wochenenden vom Wetter her für Fototouren zu schlecht waren, konnten wir derweil unseren Fotoberg etwas abbauen und unsere IT Infrastruktur mit neuen Geräten aktualisieren. Besonders die immer grösser werdende Fotosammlung zwang uns, unsere Archivierung zu überdenken und eine neue Lösung zu implementieren. Auch unser neuer Notebook ist inzwischen eingetroffen, so dass wir die Wochenenden auch genutzt haben, dies alles zu installieren.

Gestern aber hat uns am Nachmittag die Sonne wieder raus gezogen. Wir wollten die Brückentour im Rheintal fortsetzten, welche wir vor ein paar Wochen begonnen haben. So sind wir von Oberriet über Lienz, Sennwald bis Haag gefahren und haben uns Brücken und Anlagen nochmals genauer angeschaut. Leider sind in diesem Abschnitt alle Brücken in der sechziger Jahren erneuert worden, so dass nur noch neuere Sprengobjekte zu finden waren. Auch von den Brückenwachen war nicht mehr alles zu finden, wurden diese doch teilweise beim Bau der A13 abgebrochen. Zum Schluss haben wir dann noch die Brücke bei Au genauer angeschaut und die letzten fehlenden Kleinunterstände im Bereich des Zollamts aufgesucht. Langsam, aber sicher ist das Bruggerhorn zu 100% abgelichtet.

Für Sonntag verspricht das Wetter gut zu bleiben und so wollen wir wieder einmal ins Aargau.

Rückblick









23. Januar 2010: Sonnige Brückentour im Rheintal
Der Wetterbericht hatte für Samstag zähen Hochnebel im Mittelland vorher gesagt und im Rheintal Sonne versprochen. Damit war für uns klar, wohin es gehen sollte am Samstag, hatten wir doch den Nebel langsam satt. Also konnten wir am Samstag ausschlafen, bevor wir uns dann ins Rheintal begaben. Kaum bei St. Margrethen angekommen, erwartete uns auch schon die Sonne und begleitete uns den ganzen Tag.

Wir hatten die Lmg Leichtstände (Schindlerbunker) bei den Brücken im Rheintal schon vor einiger Zeit einmal im Sommer abgelichtet. Entsprechend viel störendes Laub war dabei immer im Bild. Die Brücken selber - und somit auch die Sprengobjekte - haben wir leider zu sehr ignoriert. Angespornt durch den Gast-Artikel von Peter Burgmaier über die Sprengobjekte, haben wir also gestern die Brücken im Rheintal samt ihren Schindlerbunkern einen Besuch abgestattet. Angefangen in Montlingen, über Kriessern, Diepoldsau und Widnau haben wir dabei allerlei Interessantes entdeckt. Besonders geschichtsträchtig waren dabei die die drei alten Brücken aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hier ist noch heute an Hand der Mauern gut zu erkennen, wie nachträglich die Minenkammern in die Pfeiler der Brücke eingebaut wurden. Bei fast jeder Brücke war auch gut zu sehen, wie die Zündstellen aus den Schindlerbunkern in neu angelegte Zünd-Mineur Schächte verlegt wurden. Ein solcher ZMS erregte dann auch unsere besondere Aufmerksamkeit in Diepoldsau. Hier hat jemand sehr viel Zeit und Energie investiert und einen solchen ZMS aufgebrochen. Das Schloss wurde abgebrochen, der Beton beim Deckel aufgespitzt und ein Loch herausgeschlagen, bis sich der Deckel öffnen liess. So erwartete uns hier ein offener ZMS direkt an einem Fussweg, der rege von Spaziergängern benutzt wird. Wir haben dann den offenen Deckel zugeschoben und soweit gesichert, wie wir konnten, um eventuelle Unfälle zu vermeiden. Nicht auszudenken, wenn jemand im Dunkeln in den Schacht stürzt. Natürlich haben wir den Fund auch jemandem gemeldet, der dass den entsprechenden Personen weiter leiten wird. Sollte jemand von der Armee vorher diesen Text lesen, so wäre es von Vorteil, wenn sie jemanden nach Diepoldsau schicken und den Deckel zu schweissen, bevor sich jemand verletzt. Der Deckel muss jedenfalls schon länger so beschädigt sein, ohne dass es jemand gemerkt hat. So ändern sich die Zeiten......
Der Nachmittag hatte ein ganz besonderes Highlight für uns bereit. Wie wir euch schon früher berichtet haben, gab es in Au noch einen Bunker, welchen wir bisher nicht aus der Nähe gesehen haben. A5859 steht bestens getarnt in einem Garten eines Einfamilienhauses. Auf unsere Anfrage hin waren die Besitzer so freundlich, uns die Erlaubnis zum Fotografieren zu erteilen. Gestern war es dann soweit, dass wir auch noch diese letzte fehlende Anlage fotografieren konnten. Und auch dieser Bunker hatte eine Überraschung für uns bereit. Der MG Schartentopf wurde offenbar nachträglich in die alte Scharte rein geschraubt. Vorher hatten wir bisher jedenfalls noch nie eine geschraubte MG Scharte gesehen. Wir danken an dieser Stelle der Familie F., dass wir den Bunker besuchen und fotografieren durften.
Da wir noch etwas an der Sonne bleiben wollten, sind wir noch nach Berneck rüber und haben zwei der Bunker dort nochmals besucht und neue Fotos geschossen. A5864 war dieses Mal auch zugänglich. Offenbar hatte diese verlassene Anlage lange einem Obdachlosen als Unterkunft gedient. Entsprechend sah es drinnen aus. Auch wieder ein Zeichen der geänderten Zeiten.
Die fortgeschrittene Zeit zwang uns dann langsam in Richtung Goldach zu fahren, wo wir auch noch einige Brücken näher betrachten wollten. Auf der Fahrt haben wir einen Stopp in Rorschach gemacht. Hier wird die alte Brücke hinter dem Bahnhof abgerissen, weil sie einer neuen weichen muss. Das alte Sprengobjekt hatten wir erst letzthin fotogragiert. Weil die Erde über dem alten Sprengobjekt abgetragen war, konnten wir einen Blick erhaschen, was sich normalerweise unter der Erde verbirgt. Zum Glück sind wir hier nochmals angehalten. Durch Zufall entdeckten wir dann noch an einem anderen Brückenpfeiler die Haltevorrichtungen für Sprengladungen (V-Ladungen), die hier eingeschoben wurden. Solche Halterungen hatten wir bisher noch nie gesehen - und das obwohl wir schon 1000 Mal hier vorbei gefahren sind. Buchstäblich im letzten Moment konnten wir davon noch Fotos machen. Rätsel haben uns dann aber Halterungen für die Leitplanken an der Hauptstrasse beim Bahnhof aufgegeben. Hier wurden entlang der ganzen Strasse Schienenelemente einbetoniert - wie man sie von den GPH her kennt - und darauf die Leitplanken montiert. Handelt es sich eventuell um ein getarntes GPH?? Das nächste Rätsel erwartete uns dann in Goldach bei der Brücke über die Goldach nach Horn. Hier sind oben die üblichen Sprengschächte zu sehen - also nix besonders. Jedoch sind neben und unter der Brücke im Fundament der alten Brücke drei schräge runde Schächte eingelassen. Da es sich um kein Wasserschächte handelt und sonst keine logische Funktion zu erkennen ist, stellt sich uns die Frage, ob auch dies Reste des alten Sprengobjektes aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sein könnten. Wir werden diesen zwei merkwürdigen Funden jedenfalls weiter nachgehen. Solche Rätsel wollen gelöst werden, auch wenn am Ende eine banale Erklärung gefunden wird. Nachdem wir noch zwei weitere Brücken in Goldach erkundet hatten, war auch dieser Tag zu Ende.

So sind wir dieses Mal der Sonne gefolgt und haben in einer Gegend, die wir eigentlich glaubten, schon gut zu kennen, viel Neues gefunden. Wir sind schon gespannt, was wir das nächste Mal Neues finden. Das wird kaum schon alles gewesen sein.

Rückblick [Neu!]










16. Januar 2010: Überraschendes in Schaffhausen und Kreuzlingen
Zwar hat uns unsere letzte Tour schon nach Schaffhausen und ins Thurgau geführt und trotzdem mussten wir nochmals in die selben Gegenden. Grund dafür waren einige Besichtigungstermine, die wir kurzfristig organisieren konnten und einfach wahrnehmen mussten. Dabei konnten wir so manche Überraschung erleben. Doch der Reihe nach.

Start war früh am Morgen der ehemalige Regiments-KP A5565 Steinenberg oberhalb von Uhwiesen. Im Wald verbirgt sich unter einem leicht bewaldeten Hügel der KP, welcher vom Bautyp gleich ist wie die Anlage A5574 Riet in Truttikon, welche wir schon früher einmal besucht haben. Trotzdem kein Grund, nicht auch hier rein zu schauen, wenn man schon die Möglichkeit dazu hat. In der Tat sind hier einmal - von einer Ausnahme abgesehen - die Anlagen identisch. Auf engstem Raum hätte hier das Kommando des Inf Rgt 53 die Verteidigung von Schaffhausen und des ganzen Abschnitts organisiert. Einziger Unterschied dieser Anlage zum KP Riet ist der Eingang. Während in Riet ein Holzhaus über dem Eingang errichtet wurde, fehlt dieser hier. Warum? Nun, alles was über die Norm der Anlage hinaus geht, muss von der Truppe bezahlt werden. Offenbar war dem Rgt Kommandanten ein trockener Eingang wichtig, weswegen der Kommandant des Inf Rgt 52 über seinem KP Riet ein Holzhaus errichten liess - und "selber" bezahlt hat. Zum Schluss haben wir dann noch den dazu gehörenden und teilausgeräumten Funk-ASU oberhalb der Anlage besucht.
Nächster Termin war dann des EW Schaffhausen. Christiane hatte diese Woche angerufen und nach einer Besichtung des Bunkers im Karftwerk gefragt. Unkompliziert wurde uns sofort ein Termin gegeben. Punkt 10 Uhr wurden wir auch in Empfang genommen und so konnten wir den Bunker A5552 im Kraftwerksgebäude auch von innen besichtigen. Hier gab es auch gleich einige Überraschunugen zu sehen. Obwohl von aussen die Anordnung der Fenster den Verdacht nahe legt, dass die Anlage vier Scharten besitzt, sind in Wahrheit nur deren drei vorhanden. Das vierte Fenster ist ein Blindfenster. Die Scharten sind einfache Öffnungen ohne Panzerplatten oder dergleichen. Als Besonderheit war der Bunker an die Zentralheizung des Gebäudes gehängt und hatte einen eigenen Radiator. Welch ein Luxus! Als Notausgang war eine Türe im Boden eingelassen, über welche man in die darunter liegende Kraftwerkshalle - mit Seil oder Strickleiter (?) - hätte gelangen können. Heute trennt eine einfache unscheinbare Türe den alten Bunker - welcher heute als Archiv benutzt wird - von den Büros. Eigentlich dachten wir, die Führung wäre nun zu Ende. Doch der überraschende Teil kam erst noch. Wusstet ihr, dass das Stauwehr des Kraftwerks eine kleine Festung war? Nicht? Wir auch nicht! Das Wort Wehrgang erhielt so eine völlig neue Bedeutung. Im Stauwehr führt ein Gang zum anderen Ende. Dieser Gang wird als erstes abgeschottet durch eine Panzertüre mit eingelassenen Schiessscharten, so wie man sie aus den grossen Festungswerken kennt. In der Mitte ist eine weitere Panzertüre und eine Lmg Stellung zur Nahverteidigung enthalten. Gelangt man am Ende an und geht auf den Wehr hinaus, findet man dort Schiessscharten. Ein Stollen führt dann aus dem Wehr hinaus. Die ganze Anordnung zeigt nun, dass das Wehr Teil der Verteidigung war. Die beiden Bunker (A5551 und A5552) im und beim Kraftwerk sollten offenbar das Stauwehr und die dort eingesetzten Truppen flankierend schützen. Somit erhält die Anordnung dieser Anlagen eine völlig neue Bedeutung. Welche Überrschung, wusste doch keiner von uns über das Geheimnis Bescheid, welches dieses Wehr besitzt. Zum Schluss zeigte uns unser Führer vom Kraftwerk noch das Feuerwehrdepot. Dieses war früher das Barrikadendepot von drei Sperrstellen der Stadt Schaffhausen. Davon zeugen noch heute die Beschriftungen an den Türen. So haben wir am Ende der Führung mehr gesehen und erfahren, als wir jemals erwartet hätten.
Von hier fuhren wir dann zurück in Richtung Kreuzlingen. Unterwegs haben wir noch einen Stop beim Schaarenwald gemacht. Ein vermeintlich für abgebrochen gehaltener Unterstand steht in Wahrheit noch, und so haben wir diesen noch schnell besucht und von aussen und innen abgelichtet. Erster Stop in Kreuzlingen war in der Umgebung des ehemaligen Rgt KP in Wäldi. Hier am Waldrand stehen noch ein entklassifizierter Funk-Richtstrahl ASU und ein normaler ASU. Diese beiden ausgerüsteten Anlagen konnten wir noch voll ausgerüstet fotografieren, bevor sie dann demnächst offiziel in den Besitz des Festungsgürtels Kreuzlingen übergehen. Gerade der Funk-Richtstrahl ASU war für uns besonders interessant, konnten wir doch eine solche Anlage bisher noch nicht ausgerüstet ablichten. Unser Führer hatte aber noch ein weiteres Highlight für uns auf Lager. In der als Trafo-Station getarnten Pak-Garage F7260 wartete noch die dazu gehörende Pak auf uns. Eine seltene Gelegenheit, Fotos zu machen von einer ausgerüsteten Pak-Garage, lässt sich kein Igel-Sucher entgehen. So auch wir nicht. Zum Schluss schickte uns dann noch unser Führer zu zwei weiteren Werken, weil es dort noch etwas zu sehen gäbe. Und es gab etwas zu sehen! Beim Infanteriewerk A5694 Hohgasse werden zur Zeit vier neue Wohnblöcke errichtet. Darum wurde der Hang, auf dem der Bunker steht, abgegraben. Erstmals ist so zu sehen, wie tief hinunter die Bunker betoniert sind. Was oben zu sehen ist, ist in Tat und Wahrheit nur weniger als die Hälfte des ganzen Betonblocks. Die Fotos davon werden euch sicher auch erstaunen. Letzter Halt war dann der MG Bunker A5703. Dieser wurde diese Woche ausgeholzt und ist erstmals wieder ohne störende Bäume und Gestrüpp zu sehen.
Eine Info an alle Igel-Sucher: Wenn ihr ein Foto dieser beiden Bunker machen wollt, so beeilt euch. A5694 wird bald hinter den Blocks verschwinden und zugeschüttet. Auf dem Dach sollen Parkplätze entstehen. A5703, sowie A5700 sollen auch abgerissen werden und Wohnblocks weichen.

So ging ein Tag voller Überraschungen in bekannten Gegenden zu Ende. Für uns wieder einmal ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, seine eigene Gegend immer wieder zu besuchen, denn es gibt immer wieder Neues zu sehen. Wir danken an dieser Stelle recht herzlich allen unseren Führern, welche uns Tür und Tor geöffnet haben. Einen ganz besonderen Dank aber richten wir an die beiden Herren vom Kraftwerk Schaffhausen, welche uns völlig unkompliziert diesen spannenden Besuch ermöglicht haben. Wir sind sicher, dass die Besucher unserer Page auch gespannt auf die Fotos sein werden.









03. Januar 2010: Start ins neue Jahr mit einem Refresher
Schon seit einiger Zeit hatten wir mit Markus Meier eine Diskussion über die Lage des MG Bunkers A5552 im EW Schaffhausen. Die ADAB Broschüre mit dem Inventar des Kantons Schaffhausen schreibt dazu zu einer Bildüberschrift "In der oberen Fensterreihe des Kraftwerksgebäudes verbergen sich die Scharten eines Bunkers". Die unkorrekte französische Übersetzung dazu lautet " la rangée de fenêtres supérieure de l’usine électrique cache les embrasures d’un fortin. - was frei übersetzt soviel heisst wie "die Fensterreihe über dem Maschinenraum verbirgt die Scharten des Bunkers". Wir nahmen das für bare Münze und glaubten diesen beiden Beschreibungen. So waren bis heute die Fotos zum Bunker A5552 im Kraftwerk Schaffhausen mit der obersten Fensterreihe über der Kraftswerkhalle als Bunker markiert. Ein Studium der erhaltenen Innenfotos aber zeigte, dass dies nicht stimmen kann und wohl die von Markus Meier vermutete Lage die richtige sein könnte. Also hiess es gestern ab nach Schaffhausen und diese Sache entgültig geklärt. Diese Gelegenheit wollten wir nutzen, einiges am Rhein nachzuholen und zu verbessern.

Bereits kurz nach halb acht sind wir darum losgefahren. Wir wollten den Sonnenaufgang nutzen, um die Fotos der Kraftwerksfenster bei allen Lichtbedingungen machen zu können. Man weiss ja nie, wie man die Scharten am besten sieht. Pünktlich am Kraftwerksgebäude angekommen sahen wir dann auch gleich, dass die Scharten in keiner der obersten oder oberen Reihe sind. Wie Markus Meier bereits richtig erkannt hatte, liegt der Bunker und seine Scharten mitten im Gebäude und die Scharten sind in der mittleren Fensterreihe - trotz dreckiger Fenster - zu erkennen. Gut haben wir auf Markus gehört und nicht länger der Bildüberschrift in der ADAB Broschüre geglaubt. Mit den neuen Fotos können wir diesen Fehler in unserer Dokumentation beheben. Danke an Markus Meier für seine Hartnäckigkeit und seine hervorragende Beobachtungsgabe.
Wenn wir schon in Schaffhausen sind, warum dann nicht noch einiges neu ablichten und die bekannten Anlagen schnell abklappern, ob sich inzwischen etwas verändert hat. Und siehe da, es hat sich was verändert. Das Infanteriewerk A5477 Güetli ist inzwischen neu bemalt worden. Also haben wir auch davon einige neue Fotos gemacht. Nachdem Schaffhausen nun aktualisiert war, sind wir in Richtung Schaaren gefahren. Hier haben wir noch einige Unterstände und Kubu's im Schaarenwald abgelichtet. An der Strasse zwischen Paradies und Diessenhofen findet man heute noch eine weitere Seltenheit in Form einer Permanenten Minensperre. Diese rechteckigen Schächte in der Strasse - Achtung: sie werden leicht mit Strassenbarrikaden verwechselt - verschwinden immer mehr aus dem Strassenbild und so ist es heute ein Glücksfall, wenn man noch eine solche findet. Also haben wir dies PMS gleich auch noch mit abgelichtet. Nachdem in Rheinklingen und Eschenz die letzten "Reste" eingesammelt waren, war der Teil bei der Gz Br 6 für heute abgeschlossen.

Kurz bevor wir am Samstag unsere PC abstellen wollten und die Planung für Sonntag abgeschlossen hatten, kam noch ein Mail rein. Beat meldete noch zwei uns unbekannte Pak-Garagen im Raum des Golfplatzes Lamperswil. Nun, wenn wir schon nicht ganz unweit davon vorbei fahren wollten, warum dann nicht hier einmal rein geschaut. Also haben wir die Tour nochmals kurz umgeplant und sind auf dem Rückweg nach Lamperswil. Hier fanden wir dann auch mitten im Golfplatz die beiden Pak-Garagen. Zu unserer Überraschung war auch noch die Permanente Minensperre in der davor liegenden Hauptstrasse erhalten. Gleich zwei an einem Tag - soviel Glück hat man selten. Zum Schluss haben wir auch noch einge der umliegenden Unterstände abgelichtet, um auch diese Sperrstelle ausreichend dokumentiert zu haben. Durchgefroren und müde hiess es dann auch den Heimweg antreten.

An dieser Stelle ein Danke an Markus Meier und an Beat für ihre Informationen. Das neue Igeljahr hat für uns somit gleich sehr gut begonnen und wir hoffen, dass es so weiter geht. Die neuen Fotos von dieser Tour werden wir in den kommenden Tagen in die bestehenden Dokumentationen überführen.
Anfang 2010: Zurück zu den Wurzeln und ein Ausblick auf ein neues Igel-Jahr
Viele Menschen überlegen sich zum Jahreswechsel, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. So auch wir. Seit längerem schon mussten wir feststellen, dass man nicht auf zwei Hochzeiten tanzen kann. Unsere Freizeit ist begrenzt und den Beruf aufgeben können wir aus finanziellen Gründen nicht. So mussten wir eine Entscheidung treffen, welchem Projekt wir in Zukunft unsere Zeit widmen wollen. Einerseits ist da unser Fotoprojekt mit der Homepage, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Andererseits ist da auch das verlockende Projekt, das aus der ehemaligen Festung Furggels ein Museum machen möchte. Aber auch das würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Leider mussten wir uns für etwas davon entscheiden, da wir beides nicht in unserer Freizeit unterbringen können. Ganz leicht ist uns die Entscheidung nicht gefallen. Aber nun ist sie gefallen, und wir haben uns auf unsere Wurzeln besonnen. Wir werden 2010 weiterhin unser Fotoprojekt mit der Homepage betreiben. Nicht zuletzt den Ausschlag gegeben hat die viele positive Resonanz, die wir auf unser Fotoprojekt haben. Und wir sehen es auch als eine kleine Verpflichtung an, die vielen, stetig mehr werdenden Besucher weiterhin mit Informationen und Fotos zu zu versorgen. Es tut uns zwar sehr leid, dass wir das andere Projekt "Festung Furggels" nicht weiter machen können, aber wir sind überzeugt, dass das Projekt auf sehr gutem Weg ist. Darum sind wir sicher, dass 2010 die Eröffnung des neuen Museums dank eines engagierten Teams auch ohne uns stattfinden wird. Dem Team wünschen wir weiterhin alles Gute bei diesem interessanten Projekt, und wir freuen uns, wenn wir zur Eröffnung auch eingeladen werden.

Jetzt, da der Entscheid bei uns gefallen ist und wir uns 2010 zu 100% unserer Igelsuche widmen wollen und können, hier ein kleiner Ausblick, was wir auf unserer Agenda stehen haben. Primär werden wir weiterhin das Aargau unsicher machen und uns weiter dem Rhein entlang in Richtung Basel bewegen. Irgendwann wollen wir ja das Projekt "Wacht am Rhein" auch abschliessen. Eigentlich wollten wir auch 2009 schon Richtung Zentralschweiz gehen und die Anlagen der Reduit Brigade 24 weiter ablichten, aber es mangelte an der Zeit. Darum probieren wir es 2010 nun nochmals. Wir planen auch einige Mehrtagesausflüge in die Gotthardregion - primär Tessin - und auch wieder einen Abstecher ins Berner Oberland. Des weiteren wollen wir auch ein erstes Mal in der Festung St. Maurice vorbei schauen. Während unserer Reise mit der APSF wurden wir eingeladen auch im Fort Schoenenbourg an der Maginot Linie vorbei zu schauen. Also wollen wir im Frühling eine Reise ins Elsass machen. Die Ferien planen wir wieder in Kroatien zu verbringen. Es hat dort noch so einige Orte, die verbunkert sind und wo wir vorbei schauen wollen. Und zu guter Letzt wollen wir auch weiterhin immer wieder unsere Gegend im Auge behalten und Lücken schliessen oder einfach spannende Orte wieder besuchen.

Aber das alles sind nur Planungen und Wunschvorstellungen. Was wir davon realisieren können, sehen wir dann am Ende des neuen Jahres. Also, schauen wir mal was kommt.