Eine VPU war - nach Definition der Jugoslawischen Kriegsmarine (JRM) - eine militärsch befestigte Insel. Diese sollten einem Angriff der NATO von Italien her - in ihren jeweiligen Abschnitten
- entschieden Widerstand leisten. Ihre Aufgabe war es, auch der Flotte der JRM einen gesicherten, vorgeschobenen Ankerplatz zu bieten und die Boote mit Munition und Treibstoff zu versorgen.
Armee und Marine bildeten zusammen die Besatzung des VPU Lastovo. Ein VPU bestand in der Regel aus folgenden Einheiten:
Armee:
- - zwei oder drei Infanteriekompanien
- - eine gemischte Artillerie-Abteilung
- - eine leichte Fliegerabwehr-Abteilung
- - eine Pionier-Kompanie
- - eine Übermittlungskompanie
- - eine Stabskompanie (Logistik, Sanität, MP, etc.)
Marine:
- - eine Küstenartillerie-Abteilung
- - eine Küstenraketen-Batterie
- - eine Übermittlungs- und Radarkompanie
- - eine Stabskompanie (Logistik, Sanität, MP, etc)
- - eine Marinebasis
An befestigten Anlagen für die Truppen der VPU gab es
- - einfache Bunker und Schützenlöcher verteilt an strategischen Orten
- - Fliegerabwehrstellungen
- - zwei Küstenartillerie-Batterien
- - eine Raketenbasis
- - zwei Kommandoposten
Kampfanlagen
Die Bunker auf Lastovo waren in der Regel betonierte, gedeckte Waffenstellungen einfachster Ausführung. Neben diesen Bunkern gab es noch zahlreiche ausbetonierte Schützenlöcher. Neben Ein-Mann
Löchern gab es auch grössere für MG-Trupps mit angegliedertem gedeckten Unterstand.
Kommandoposten
Auf einem Hügel oberhalb der Ortschaft Ubli befinden sich versteckt zwei Kommandoposten. Über die genaue Funktion konnten wir keinerlei Infromationen finden. Bei der kleineren Anlage handelt es sich
vermutlich um die Übermittlungszentrale der Insel. Darauf deuten die zahlreichen Antennenhalterungen auf der Bergspitze hin.
Die grössere Anlage dürfte der Kommandobunker der Insel und des Abschnitts gewesen sein. Neben einem grossen Führungsraum finden sich hier auch einige kleinere Räume, ein grosser Generatorraum und
eine integrierte Beobachtungskanzel. Dabei handelt es sich um eine betonüberzogene Eisenkuppel, wie wir sie von den Bunkern bei Zadar kennen. Vermutlich wurde sie dort ausgegraben und hier wieder
eingebaut. Eine weitere Besonderheit sind die riesigen, doppelten Panzertüren beim Generatorraum. Die Anlage selber wurde im Tagebau erstellt und danach mit Erde überdeckt. Daher dürfte der Schutzwert
der Anlage nicht all zu hoch gewesen sein.
Heute sind beide Anlagen nur schwer zu finden, da sie abgelegen liegen und nur über eine unscheinbare Schotterstrasse erschlossen sind. Dank den Hinweisen unserer Gastgeber konnten wir aber die Anlage
finden. Da die Eisendiebe hier weniger aktiv waren als auf Vis, ist die Kommanoanlage um einiges besser erhalten als auf der Inselfestung Vis.
Panoramafoto Beobachtungsposten KP Lastovo
Kaserne
Gleich hinter der Ort Ubli befand sich die Hauptkaserne für die Truppen auf Lastovo. Sie trug den "klingenden" Namen Kasarna Maršal Tito. Während die Bodentruppen der Marine bei Velje More untergebracht
waren, waren hier waren die Truppen der Armee stationiert. Die Kaserne ist ein relativ grosser Komplex mit zahlreichen Gebäuden. Was bei dieser kommunistischen Kaserne sofort auffällt, sind die
zahlreichen Parolen, die überall aufgemalt waren. Am Appellplatz ist ein Podium zu finden, an dem der Kommandant seine tägliche Ansprache an die Truppe halten konnte. Zur Erholung war eine eigene
Bibliothek mit angebautem Schachraum errichtet worden. Für die Warmwasseraufbereitung für das Waschen und Kochen verfügte die Kaserne über eine eigene grosse Heizzentrale. Gleich daneben lag eine
grosse Wäscherei. Kurz vor Ausbruch des Krieges wurde eine neue, modern eingerichtete Ambulanz errichtet. Für Offiziere und Unteroffiziere, welche temporär oder langfristig abkommandiert waren, gab
es in Ubli eine eigene Siedlung und ein Soldatenheim. Auch diese waren mit den obligaten Parolen "verziert". Gleich neben der Kaserne befand sich ein Helikopterlandeplatz mit eigenem Tower.
Alles in allem scheint es, als wäre für die Unterbringung der Soldaten gut gesorgt gewesen. Wir kennen Kasernen in der Schweiz, die einen wesentlich tieferen Standard hatten als diese hier.
Panoramafoto Kaserne und Ortschaft Ubli
Beim Abzug der JNA im Mai 1992 haben diese grosse Teile der Ausrüstung mitgenommen. Was zurück blieb, wurde von der Bevölkerung in blinder Wut zerstört. Dies ist umso tragischer, wenn man bedenkt,
dass die Kaserne der Bevökerung noch hätte viel nützen können. So ist nach Aussagen unserer Gastgeber die Ambulanz beim Abzug noch komplett eingerichtet gewesen. In der Wut hat man auch diese
geplündert und zerstört. Damit hat man sich am Ende selber aber einen Bärendienst erwiesen, den manche heute sicher bereuen.
Die Kaserne liegt heute brach und ist sich selber überlassen. Ab und an verirren sich Touristen mit Kameras und ehemalige Soldaten, die hier gedient haben, auf dem Areal und beäugen sich dann
misstrauisch, wenn sie sich auf dem ehemals verbotenen Gelände begegnen. So zerfallen die Kaserne auch war, so viele Fotomotive hat sie hergegeben. So hatte sie zumindest für uns noch einen Wert.
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Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Lastovo
Kommandoposten Aussen
Kommandoposten Innen
Übermittlungsanlage Aussen
Übermittlungsanlage Innen
Bunker Berg Hum
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Kaserne Maršal Tito Teil 1
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Kaserne Maršal Tito Teil 2
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Kaserne Maršal Tito Details
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