Raketenbasis und Küstenartillerie Batterie "Stupišce"
Aktualisiert am: 24. Februar 2010

BOT Stupišce
Die Halbinsel Stupišce war die wichtigste Basis der JRM auf der Insel Vis. Hier war neben einer Raketenbasis für das Küstenraketensystem BROM auch eine Küstenartillerie-Batterie untergebracht.
Die BOT Stupišce ist eine Standard-Küstenartillerie-Batterie. Sie ist identisch und zeitgleich gebaut wie die BOT Smokovo Polje in den frühen 60er Jahren. Auch sie war bewaffnet mit italienischen D51 Fliegerabwehrkanonen (Originalbezeichnung Ansaldo 90/53) im Kaliber 90 mm. Anders als Smokovo Polje war dies keine eigentliche Ausbildungsanlage. Deshalb fehlen hier die Ausbildungstafeln an den Wänden. Wie diese Standard-Anlagen aufgebaut sind findet ihr im Kapitel über die jugoslawischen Küstenartillerie-Batterien.

D51 in Stellung
Das eigentliche besondere an der BOT Stupišce ist die Tatsache, dass hier noch drei Geschütze vor den Eisendieben (vorläufig) gerettet werden konnten. Die Geschütze sind - wie bei allen BOT auf der Insel - beim Abzug der JRM von diesen gesprengt worden. Bis im Juni 2008 waren hier noch alle vier zerstörten Geschütze vorhanden, bis plötzlich die Diebe überrascht wurden, wie sie das zweite Geschützt stehlen wollten. Eine Anzeige bei der Polizei stoppte dann den Raubzug dieser modernen "Aasgeier". So konnte eine wichtige Touristenattraktion zumindest im Moment gerettet werden. Da Stupišce relativ einfach zu erreichen ist, sind im Sommer hier auch immer zahlreiche Touristen unterwegs und es gibt im Internet auch relativ viele Fotos von dieser Anlage. Neben der BOT mit den nur noch drei Geschützen ist die nahe Raketenbasis zusätzlicher Magnet. Leider sind sich die Leute der latenten Minengefahr zu wenig bewusst.
Obwohl Stupišce relativ oft fotografiert ist, seht ihr hier zum ersten Mal im Internet eine umfassende Foto-Dokumentation dieser Anlage. Neben der Architektur ist auch die Vegetation ein zusätzlicher Reiz auf den Fotos, wie ihr euch selber überzeugen könnt. Die Bunker kombiniert mit den Aloe Vera Pflanzen geben spezielle Motive her wie sonst nirgends auf der ganzen Insel.

Raketenbasis Stupišce
Bis in die späten 70er Jahre hinein war die Verteidigung der Küsten ausschliesslich Sache der Küstenartillerie-Batterien. Diese eignen sich auf Grund ihrer beschränkten Reichweite und Treffergenauigkeit aber nur für die Nahbereichsverteidigung. Um die grossen Schiffe der NATO aber schon auf grosse Distanz von Land aus bekämpfen zu können, mussten Raketen her. Ein solches System, bestehend aus 10 Feuereinheiten, wurde 1979 beschafft und ist im ehemaligen Jugoslawien bekannt unter dem Systemnamen BROM (Baterija Raketa Obala More = Raketenbatterie Küste - See).

Abschuss einer P21/22 Rakete
Das jugoslawische BROM
Bei BROM handelte es sich um das sowjetische Küstenraketensystem 3P51M Rubezh (Nato-Code SSC-3 Styx). Dieses besteht aus einem schweren Lastwagen von Typ MAZ-543M, auf dem zwei Raketen vom Typ P-21/22 (Nato Code SS-N-2C) untergebracht sind. Des Weiteren befindet sich in einem Aufbau die Feuerleitstelle und auf einem ausfahrbaren Mast ein Radar zur Zielsuche und Zielbeleuchtung. Die Reichweite der P-21/22 Rakete beträgt 85 km. Sie fliegt im Unterschallbereich und ist primär zur Bekämpfung von "grossen Schiffen" (sprich Flugzeugträger) ausgelegt. Deshalb verfügt sie auch über einen relativ grossen Sprengkopf von 513 kg. Sie gilt nicht als besonders zuverlässig und ist wegen ihrer geringen Geschwindigkeit leicht abzufangen. Kein Wunder - wurde die Rakete doch Ende der 50er Jahre entwickelt und in Betrieb genommen. Trotzdem darf man dieses Waffensystem nicht unterschätzen, kann die Rakete doch auf einige erfolgreiche Einsätze (z.B. im 6-Tage Krieg) zurück blicken.

Mit dem Abzug der JRM und JNA von Vis wurden auch die BROM von der Insel abgezogen. Bis zur Auflösung der letzten Reste Jugoslawiens im Jahre 2006 war das System dort noch im Einsatz. Die verbliebenen BROM wurden anschliessend nach Ägypten verkauft.
Das kroatische MOL
Der kroatischen Marine gelang es im Jahre 1991 die Raketenbasis in Split unter ihre Kontrolle zu bringen. Dort waren alle eben frisch gelieferten schwedischen See - See Lenkwaffen des Typs RBS-15 gelagert (siehe Kapitel Geschichte). Für diese Raketen gab es nur ein Raketenschnellboot, das man hätte bewaffnen können. Das war zu wenig, um die 5'800 km lange kroatische Küste zu verteidigen. Die RBS-15 ist ein hochmodernes Anti-Schiff System, welches eine Reichweite von 85 km besitzt und sein Ziel mit Mach 2+ anfliegen kann. Bedingt durch das Waffenembargo der UNO musste eine Lösung gefunden werden, wie man die Küste mit den bestehenden Mitteln sichern konnte. Die Lösung war schnell gefunden. Man nahm einen Lastwagen (Tatra), montierte eine Feuerleitstelle in einer Kabine auf den Lastwagen und auf einer Hebebühne wurden vier RBS-15 Lenkwaffen montiert. Entstanden ist ein Küstenverteidigungssystem, welches schwer zu orten ist und welches in der Lage ist, eine permanente Bedrohung auf die Jugoslawische Marine aufrecht zu erhalten.

Da das System in seinen Abmessungen wesentlich kleiner als ein BROM und deswegen hochmobil ist, war es auch nicht notwendig, eine feste Infrastruktur irgendwo aufzubauen. Die drei MOL Feuereinheiten sind heute das Rückgrat der kroatischen landgestützten Küstenverteidigung. Die RBS-15 Lenkwaffen werden zur Zeit in Schweden auf den Stadard Mark III aufgerüstet und die Reichweite so auf 200km gesteigert.

Laden!


In Feuerstellung - Zielen!


Feuer!
Die Raketenbasis
Zum Schutz der BROM und zur Lagerung der Raketen, wurde auf Vis ein eigener unterirdischer Komplex errichtet. Dieser befindet sich auf der süd-westlichen Halbinsel der Insel bei Stupišce. Auch um diese Anlage rankten sich viele sagenumwobene Geschichten. Ein Grund mehr für uns, diese Anlage genauer unter die Lupe zu nehmen. Beim Besuch zeigte sich, dass es sich bei der Raketenbasis "nur" um eine unterirdische Garage für die Lastwagen und Lagerplatz für 24 Raketen P-21/22 handelt.
Imposant ist die Anlage trotzdem. Sie besteht aus einem hohen Tunnel, in welchen die Lastwagen einfahren konnten. Die Eingänge waren von oben bestens getarnt. Dazu wurden "Steine" aus Styropor in Netze über die Einfahrt gehängt. So waren die Eingänge zur Anlage aus der Luft nicht zu erkennen. In der Anlage selber befinden sich zwei grosse Kammern, welche durch dicke Betontüren gesichert sind. In jeder dieser Kammer waren 12 Raketen auf Wägelchen untergebracht. Über eine Kran an der Decke konnten die Lastwagen be- und entladen werden. Um bei einer Explosion in einer der Kammer die Druckwelle nach aussen zu leiten, wurden vertikale Stollen errichtet und die Ausgänge an der Oberfläche als Steinhäuser getarnt.
Neben den Lagerräumen für die Raketen sind noch einige weitere kleinere Räume für die Wache und das Technikpersonal enthalten. Eine unterirdische Unterkunft für die Besatzung ist nicht vorhanden. Diese war in normalen Kasernen ausserhalb der Anlage untergebracht. Auf Stupišce sind mehrere Plätze vorhanden, von denen die Raketen in Einsatz gebracht worden wäre. Obwohl das System mobil ist, ist es wegen seiner Grösse alles andere als leicht verlegbar. Die engen Strassen auf der Insel haben eine Verlegung der BROM ausserhalb von Stupišce sicher zu einer logistischen Herausforderung gemacht. Die kroatische Marine verzichtete darauf, die Raketenbasis weiter zu betreiben, da es für das MOL System überdimensioniert und veraltet war.
Stupišce ist heute auf der West-Seite von Vis ein beliebtes Ziel von Touristen und Eisendieben. Dies gilt sowohl für die Raketenbasis als auch die BOT, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Wer die Anlage besuchen will, muss sich auch hier sich der immer vorhandenen Gefahr vor Minen bewusst sein.
 
Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis


BOT Aussen


BOT Innen


Kavernen Raketenbasis


Diverse Anlagen