Mobile Küstenartillerie Batterie Stellung "Talež"
Aktualisiert am: 30. Dezember 2008

Neben fünf fest verbunkerten Küstenartillerie-Batterien gibt es auf Vis noch einige vorbereitete Stellungen für mobile, gezogene Artillerie. Dass auch solche Stellungen durchaus ihren Reiz haben können und immer gut für Überraschungen sind, konnten wir bei unserem Besuch einer solchen Stellung an der Südküste bei Talež erleben.

130mm Kanone M-46
Während bei den verbunkerten BOT hauptsächlich Beutegeschütze aus dem Zweiten Weltkrieg verbaut wurden, waren für die moderneren gezogenen Geschütze Stellungen vorbereitet worden. Im Einsatzfall wären hier grosse Kanonen vom Typ M-46 (sowjetische Bauart) im Kaliber 130 mm in Stellung gebracht worden. Diese Kanonen zeichnen sich durch ihre grosse Reichweite aus, die je nach Munition zwischen 27 und 38 km liegen kann. Eine solche Batterie bestand früher aus sechs solcher Kanonen. Eine Stellung für die mobile Küstenartillerie bestand nicht nur aus sechs Feuerstellungen - welche nur dadurch zu erkennen sind, dass eine dreiviertel-Kreis Steinmauer irgendwo errichtet ist - sondern auch wie die feste BOT aus einer Beobachtungsstelle für telemetrische Distanzmessung und einer verbunkerten Stellung für den Artillerieradar-Panzer SNAR-10. Soweit die uns bisher bekannte Theorie.
Eine solche Stellung haben wir zusammen mit unserem Führer Jurica bei Talež erkundet. Die Feuerstellungen wirkten eher unspektakulär, da ausser einer Steinmauer nichts zu sehen war. Einzig die Stellung der Artilleriebeobachtung und Feuerleitung sah etwas beeindruckender aus. Normalerweise hätte man auf diesem Hügel an der Südküste eine tolle Aussicht, leider war aber genau ,als wir dort waren, eine tiefhängende Wolkendecke auf dem Hügel. Die eigentlichen Überraschungen in Talež erlebten wir dann auf der Rückfahrt.
Als wir von der Feuerleitstellung wieder weiter wollten, entdeckten wir plötzlich abseits des Weges etwas Ungewöhnliches. Ich sprach Jurica drauf an und er sagte, dass er nichts gesehen hätte. Wir hielten an und siehe da. Unter dem Gebüsch versteckte sich eine alte Feuerstellung, welche vermutlich noch aus der österreichisch-ungarischen Zeit stammt. Die Feuerstellung bestand neben der Stellung aus zwei Unterständen für Munition und für die Unterkunft der Mannschaft. Als wir weiter fuhren entdeckten wir plötzlich noch eine weitere solche Feuerstellung. Unser Führer Jurica war schon unzählige Male an diesem Ort, aber ihm sind sie bisher immer entgangen. Die grösste Überraschung sollte aber noch kommen.

Geschütz in offener Stellung

M-46 auf Talež in Feuerstellung
Als wir gerade die letzte kleine Zufahrtsstrasse bei Talež verlassen wollte, entdeckten wir in einem verfallen Haus am Wegesrand etwas, dass wie ein Werkseingang aussah. Auch diese Anlage war unserem Führer unbekannt. Also angehalten und rein geschaut. Dabei entdeckten wir eine unterirdische Anlage, welche sich als Kaverne entpuppte, welche über zwei vertikale Stollen mit Wendeltreppen mit den Feuerstellungen verbunden war. Unser Erstaunen war gross, als wir plötzlich über einen kleinen Eingang mitten in den Stellungen standen. Neben der Kaverne für die Unterkunft entdeckten wir unter den Stellungen Munitionsnischen, Nischen für die Feuerleitung und weitere Einrichtungen. Die Tatsache, dass alle grossen Eisenteile und Teile der Einrichtung erhalten waren, hat uns gezeigt, dass diese Anlage erst wenigen Leuten auf der Insel bekannt ist.

Unsere Freude war gross, wieder etwas Neues und Unbekanntes auf Vis entdeckt zu haben. Es hat uns gezeigt, dass man trotz aller Informationen immer mit offenen Augen und einer Portion Neugier auf die Suche nach Bunkern gehen sollte. Man kann so immer wieder neues entdecken.
 
Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis


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