Raketenschnellboot-Bunker "Jastog"
Aktualisiert am: 14. November 2008
Auf Vis in der Bucht Parja (kroat. Uvala Parja) befindet sich eines der wohl bekanntesten Ziele für Segler rund um Vis. Dieses Ziel heisst: Militärischer unterirdischer Hafen - Bunker "Hummer" (kroat. - Vojna podzemna luka - Potkop "Jastog"). Um diesen Tunnel in der Bucht Parja ranken sich in den Seglerforen unzählige Mythen. Mit einigen dieser Mythen wollen wir hier aufräumen.

Die jugoslawische Kriegsmarine (JRM - Jugoslavenska Ratna Mornarica)
Die JRM verfügte über eine - von der Anzahl her gesehen - mittlere Flotte von ca. 80 Kriegsschiffen. Diese Zahl klingt imposant, täuscht aber über die Tatsache hinweg, dass es sich bis auf 4 Zerstörer ausschliesslich um kleine Schiffseinheiten handelte.
Rückgrat bildeten 16 Raketenschnellboote, 15 Torpedoboote, 7 kleinere U-Boote sowie als grösste Einheiten 4 Zerstörer. Die Zerstörer waren in Wirklichkeit aber zwei sowjetische Fregatten und zwei weitere jugoslawische Lizenzbauten. Diese Einheiten kamen aber erst Anfang der 80er Jahre zur JRM. Bis dahin waren die Raketenschnellboote die wichtigste Waffe der JRM.
Die Raketenschnellboote stammten aus sowjetischer (10 Osa-I Klasse) und jugoslawischer Produktion (6 Rade Koncar Klasse). Die Koncar Klasse war ein Derivat der schwedischen Spica Klasse. Die Hauptbewaffnung bestand aus vier bis acht sowjetischen See-See Lenkwaffen vom Typ SS-N-2. Reichweite dieser Lenkwaffe aus den späten 50er Jahren war ca. 80 km, und sie war primär zur Bekämpfung von NATO Grosskampfschiffen konzipiert. Es war geplant, ab 1990 die Marine einer Modernisierung zu unterziehen und eine neue Klasse von Raketenschnellbooten der Kobra Klasse in Betrieb zu nehmen. Diese Boote wurden in einer kroatischen Werft gebaut. Hauptbewaffnung sollte die schwedische See-See Lenkwaffe des Typs RBS-15 sein.
Der erste Prototyp der Klasse war 1991 kurz vor Ausbruch des Kriegs in Kroatien fertig gestellt und die Seeerprobungen hatten begonnen. Auch waren die 100 RBS-15 Lenkwaffen eingetroffen und in der Raketenbasis Split eingelagert. Pech für die JRM war, dass die Marine zu einem guten Teil von Kroaten dominiert war. So gelang es, sowohl das neue Kobra-Boot als auch die gesamten RBS-15 Lenkwaffen in kroatischen Besitz zu bekommen.
Diese beiden Waffen bildeten zusammen mit einem weiteren Raketenschnellboot, das ebenfalls erobert werden konnte, dann das Rückgrat der kroatischen Kriegsmarine während des Krieges. Die RBS-15 Lenkwaffen wurden so modifiziert, dass sie auch von mobilen Abschussrampen auf Lastwagen abgefeuert werden konnten. Bekannt wurde dieses Waffensystem in Kroatien als MOL. Diese hoch modernen Lenkwaffen waren für die JRM eine solche Bedrohung, dass sie dazu beitrugen, die kroatische Adria ab Mai 1992 von den serbischen Okupatoren frei zu halten.

Die "unterirdischen Häfen"
Zum Schutz der Raketenschnellboote wurden entlang der Adriaküste total 14 "unterirdische Häfen" errichtet. 12 dieser Häfen liegen auf kroatischen Inseln. Der Namen "unterirdischer Hafen" lässt Spektakuläres vermuten. Aber auch hier gilt, dass Namen Schall und Rauch sind. Bei diesen "unterirdischen Häfen" handelt es sich um einfache unterirdische Tunnels, welche direkt an der Küste in den Fels gehauen wurden. Diese Tunnels sind unterschiedlich lang und bieten Platz für maximal zwei Schnellboote. Bei den Tunnels wurde noch parallel ein kleiner Zugangsstollen von Land her erstellt. Ausser dem Tunnel und Zugangsstollen gibt es keinerlei weitere unterirdischen Anlagen, wie der Ausdruck Hafen vermuten lassen würde. Entgegen der Meinung in diversen Seglerforen sind diese Tunnels nicht für U-Boote konstruiert worden.
"Jastog" gestern
Jastog ist einer der letzten Schnellboot-Bunker der gebaut wurde. Bevor der Bunker ab 1981 aus dem Felsen gebrochen wurde, fanden die Monate zuvor zahlreiche Scheinangriffe aus der Luft auf die Bucht statt. Die Anwohner der Bucht haben erzählt, dass man so den genauen Standort ermitteln wollte, an welchem der Tunnel optimal Schutz vor Luftangriffen bieten würde. Als der Bunker dann gebaut wurde, errichtete man direkt neben dem Standort eine Betonfabrik. Das Ausbruchmaterial wurde dann hier direkt weiter verarbeitet. Jastog ist ca. 140 Meter tief in den Fels gehauen worden. Gleichzeitig wurde auch unter Wasser gearbeitet und der Fels ausgebrochen, damit der Tunnel dann auch von See her befahrbar war. Die Bauarbeiten dauerten bis 1982.
Einweihung mit Rums
Bei der feierlichen Einweihung und Eröffnung der Anlage passierte dann etwas Kurioses und Lustiges. In Anwesenheit des kommandierenden Admirals lief zum ersten Mal ein Raketenschnellboot in den Tunnel ein. Als das Boot dann aber am hinteren Ende des Tunnels ankam und anlegen wollte, krachte es mit dem Rumpf in den Boden und sass fest. Die Arbeiter hatten schlampig gearbeitet und der Ausbruch war zu wenig tief. Man vergass offenbar, bei Ebbe die Tiefe zu messen. Denn als die Flut kam, konnte das Boot mit beschädigtem Rumpf wieder ausfahren. Der verantwortliche Offizier für den Bau wurde noch an Ort und Stelle von der anwesenden Militärpolizei verhaftet und abgeführt. Diese Episode ist irgendwie bezeichnend für den Zustand, in welchem sich das ehemalige Jugoslawien damals befand.
Die Betonfabrik, welche zu Baubeginn errichtet wurde, wurde danach einfach wieder teilweise abgebrochen. Es sind aber noch viele Überreste zu sehen, welche immer noch Anlass zu Spekulation geben, um was für eine spektakuläre Anlage es sich hier wohl gehandelt hat. Die Antwort ist ganz und gar unspektakulär. Es war eine Betonfabrik - nicht mehr.
Beim Abzug der JRM von der kroatischen Küste 1991/1992 war die Bucht Parja und die angrenzende Bucht Rogacic gefüllt mit Booten. Zuletzt waren gemäss Anwohnern drei Mini-U-Boote und ein U-Boot Versorger im Tunnel untergebracht.
Panoramaansicht des Raketenschnellboot-Bunker "Jastog"

Jastog heute
Wie bereits erwähnt ist "Jastog" ein beliebtes Ziel von Seglern, die dort über Nacht ankern. Auch Besucher von Land sind viele zu sehen, ist die Anlage zusammen mit der BOT Nova Pošta beliebtes Ziel von Touristen. Während der Saison legen hier auch zahlreiche Ausflugsboote mit Horden von Touristen an. Dies ist auch der Grund, warum von diesem Tunnel soviel Fotos im Netz zu finden sind. Was uns aber am meisten entsetzt hat ist die Tatsache, dass es sich bei einigen Seglern und Touristen offenbar um Schweine handelt. Rund um "Jastog" und im Zugangsstollen liegen Berge von Abfall herum. Es ist offenbar bei einigen Seglern und Ausflugsbooten üblich, den Dreck gleich an Ort und Stelle zu entsorgen.
Heute ist Jastog - was vielen Seglern unbekannt ist - immer noch im Inventar der kroatischen Kriegsmarine (HRM). So wird der Tunnel dort immer noch als aktive Anlage geführt und soll auch ab und zu von einem der kroatischen Raketenschnellboote besucht werden.

Fotos: Quelle Internet, Jugoslawische Raketenschnellboote in unterirdischen Häfen
 
Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis


Jastog Aussen


Jastog Innen