Küstenartillerie Batterie "Rt Nova Pošta"
Aktualisiert am: 04. November 2008
Die Hafeneinfahrt zum Hafen der Ortschaft Vis wird nur durch eine Küstenartillerie-Batterie geschützt. Auf dem Rt Nova Pošta (Rt = kroatisch für "Kap") befindet sich eine der ersten Küstenartillerie-Batterien der Insel, welche Anfang der 50er Jahre erbaut wurde. Diese Batterie (BOT Rt Nova Pošta ) ist in vielerlei Hinsicht speziell und in ihrer Bauweise und Ausführung einzigartig.

Das Rätsel des "sinnlosen Stollens" und der verborgenen fünften Stellung
Wer die Anlage von aussen erkundet, wird auf 4 Feuerstellungen und einen Stollen mit grossem Zugang stossen, welcher bereits nach wenigen Metern aufhört. In der Wand dieses Stollens ist ein Ziegelstein heraus gebrochen und Licht scheint herein. Was war Zweck dieses kurzen und ansonsten leeren Stollens?
Daneben wird auffallen, dass zwei Typen Feuerstellungen existieren. Drei Stellungen verfügen über eine offene Feuerstellung und eine offene Kaverne, in welcher das Geschütz versorgt ist. Die Kaverne und Stellung ist jeweils mittels einer Schiene verbunden. Als Geschütze waren vier tschechische Fliegerabwehrkanonen (Beutegeschütz 2. Weltkrieg) im Kaliber 80mm vorhanden, welche auf Schienen verschiebbar waren. Die vierte Stellung entspricht dem üblichen Typ einer geschützten Stellung, wie er auch an drei anderen Batterien auf der Insel zu finden ist. Warum gab es zwei Typen Feuerstellungen aus zwei offensichtlich unterschiedlichen Bauperioden?
Wie wir erklärt haben, besteht eine Küstenartillerie-Batterie aus vier oder zwei Feuerstellungen. Als wir uns eines Abends mit unserem Gastgeber Dragan unterhalten haben, sprach er die ganze Zeit von fünf Stellungen. Irgendwie konnten wir uns keinen Reim darauf machen und sprachen ihn darauf an, da wir nur vier Stellungen gefunden hatten. Er beharrte weiterhin darauf, dass es dort fünf Stellungen hat. Also verabredeten wir uns mit ihm, mit seinem kleinen Boot raus zu fahren und die Anlage von Meer her zu fotografieren.
Und siehe da! Plötzlich sahen wir eine fünfte Stellung, welche zugemauert war. Beim genaueren Betrachten der Stellung durch das Teleobjektiv erkannte man einen heraus gebrochenen Ziegel in der Wand. Somit war das Rätsel des "leeren" Stollens und der fünften Stellung gelöst. Offenbar wurde das Werk in den 60er Jahren umgebaut und die äusserste vierte Stellung ersetzt durch eine neue Stellung zwischen Geschütz 1 und 2. Der Gang zwischen den Geschützen 3 und 4 wurde zugemauert. So entstand ein Stollen, der von Land betrachtet keinen Sinn ergibt, vom Meer her aber alles erklärt. Das Rätsel des Stollens wurde schon in einigen einschlägigen Foren diskutiert, aber die Lösung dazu noch nirgends gefunden. Wie auch, muss man doch dazu die Anlage von See und von Land her betrachten.

Panoramaansicht der BOT Rt Nova Pošta

Besonderheiten
Eine weitere Besonderheit dieses Werkes ist sein Beobachtungsturm auf der Klippe. Hier bietet sich eine sensationelle Aussicht über das Meer Richtung Osten (Insel Hvar, Split). Ein solcher Turm war bei keinem der anderen Werke zu finden. Auch eine unbekannte und spannende Geschichte verbirgt sich hinter der Panzerkuppel, die als Beobachtungsstand gedient hat. Eine solche Kuppel gibt es auch bei der Batterie "BOT Smokovo Polje". Die Geschichte findet ihr im entsprechenden Kapitel.
Auf der Rückseite der Landzunge, auf der sich die Batterie "Rt Nova Pošta" befindet, ist der einzige Raketenschnellboot-Bunker auf Vis - mit Codenamen "Jastog" - herausgebrochen worden. Obwohl die beiden Anlagen nicht weit voneinander entfernt liegen, sind diese nicht miteinander verbunden und auch organisatorisch getrennt gewesen. Mehr zum Bunker "Jastog" im entsprechenden Kapitel.

Besichtigung
Die Batterie "Rt Nova Pošta" bietet heute einen traurigen Zustand. Alles was nicht fest montiert oder betoniert war, wurde heraus gebrochen und gestohlen. Da dieses Werk als einziges Werk auf Vis relativ gut von Land zu erreichen ist, und "Jastog" ein bekanntes Ziel von Seglern ist, ist dieses Werk beliebtes Ziel von Touristen auf Vis. Im Sommer sind darum hier Horden von Touristen unterwegs. Die Anlage kann problemlos erkundet werden, und mit etwas Neugier kann auch viel Interessantes gefunden werden. Deshalb sind auch Fotos von dieser Anlage relativ oft im Netz zu sehen. Trotzdem ist das Rätsel um den "sinnlosen Stollen" lange nicht gelüftet worden.

Hinweis: Da über die Anlagen auf Vis keinerlei Dokumentation verfügbar ist, mussten wir vieles was wir hier beschreiben auf Grund unserer Beobachtungen und Gesprächen mit den Einheimischen zusammen kombinieren. Es kann daher sein, dass wir mit einigen unserer Schlüsse daneben liegen. Für Korrekturen und Hinweise zu den Anlagen sind wir jederzeit sehr dankbar.
 
Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis


BOT Ansicht


BOT Aussen


BOT Innen


BOT Aussenverteidigung