Impressionen von Vis
Die Geschichte des Otok Vis

Die Insel Vis blickt auf eine lange und sehr bewegte Geschichte zurück. In der ältesten Stadt von Dalmatien, der Stadt Issa (Vis) gründete Dionysos der Ältere 397 v. Chr. die erste griechische Kolonie an der Ostküste der Adria. Die Insel ist jedoch bereits seit dem Neolithikum besiedelt und die ersten bekannten Bewohner waren die Illyrer. Unter Dionysos dem Jüngeren erfolgte der Übergang von der griechischen zur römischen Vorherrschaft und Vis wurde selbständig. Im Bürgerkrieg zwischen Pompejus und Caesar stellte sich Vis aber auf die falsche Seite und verlor die Selbständigkeit wieder. Trotzdem blieb Vis vor allem wegen seines guten Weines bekannt. Im Wechsel der Zeit gehörte die Insel dann abwechselnd zu den Venezianern, zum kroatischen Königreich und zur Kommune Hvar und dann wieder den Venezianern. Nach dem Niedergang der Republik Venedig fiel Vis an die Österreicher und später an Frankreich.

Nach einer heftigen Seeschlacht verlor Frankreich im Jahr 1811 die Insel Vis an die Engländer. Diese hatten die strategische Wichtigkeit der Insel erkannt und trachteten nach ihrem Sieg danach, die Insel zu befestigen. In der westlichen Ausfahrt aus dem Hafen der Stadt Vis wurde die Festung King Georg III und im Osten die Burg Wellington errichtet. Zusammen mit der über der Bucht Svitjna erbauten Festung Robertson manifestieren die Engländer ihre Besatzung der Insel und wurde damit zu den wahren Herrschern in der Adria
 
Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Vis den Österreichern übergeben, die die strategisch ausserordentlich wichtige Lage der Insel erkannten und die Festung Batarija errichteten. Im Jahr 1866 sollte sich diese Befestigung bewähren, konnte die österreichische Kriegsmarine im österreichisch-italienischen Krieg in der bekannten Seeschlacht von Lissa (Vis) unter Admiral Tegetthoff doch den Angriff der italienischen Flotte erfolgreich abwehren. Interessantes Detail dabei ist, dass die Italiener dabei 643 Mann und zwei Panzerschiffe verloren, die Österreicher jedoch nur 38 Mann. Auch nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass zwei Drittel der Matrosen auf den österreichischen Schiffen Kroaten waren.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verblieb die Insel bis im Jahr 1915 unter österreichischer Herrschaft. Nachdem Italien die Seiten gewechselt und auf Seiten der Alliierten in den Krieg eintrat, besetzten die Italiener Vis. Italien hatte schon immer auf die Küste Kroatiens ein Auge geworfen und imperialistische Ansprüche gehabt. Die Italiener stiessen aber bei den Kroaten auf wenig Gegenliebe. Mit Ende des Ersten Weltkriegs versuchte Italien sich Istrien, Dalmatien und alle Adria Inseln einzuverleiben. Was ihr auf dem Schlachtfeld nicht gelang, sollte auf diplomatischem Parkett bewerkstelligt werden. Erst auf Intervention von US-Präsident Wilson, welcher nicht gewillt war, diese ungerechtfertigten Ansprüche abzusegnen, kam im November 1920 der von den Kroaten als ungerecht empfundene Vertrag von Rapallo zustande. Zwar verlor Kroatien einige dalmatinischen Gebiete an Italien, die Insel Vis aber kam zum Königreich Jugoslawien. Zum Vertrag von Rapallo und seine Auswirkungen auf Dalmatien werden wir euch in der Geschichte über die Bunker von Zadar berichten.

Batterie bei Sv. Juraj
2. Weltkrieg und Kalter Krieg
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam der Krieg auch wieder auf die beschauliche Insel Vis. Im April 1941 marschierten deutsche und italienische Truppen in Jugoslawien ein und zerschlugen das Königreich. Dalmatien und seine Inseln waren endlich in italienischer Hand. Zwar entstand nach der Besetzung ein faschistischer kroatischer Vasallenstaat, doch verschenkte der kroatische Faschistenführer Pavelic mit den Verträgen von Rom grosse Teile Dalmatiens an Italien.

Englische Spuren
Bis zur Kapitulation Italiens im Herbst 1943 blieb Vis durch italienische Truppen besetzt, welche bis dahin mit einer regen Partisanentätigkeit auf der Insel zu kämpfen hatten. Mit der Kapitulation Italiens begann dann auch das kommunistische Kapitel auf der Insel Vis. Die kommunistischen Partisanenverbände auf Vis übernahmen sofort die Waffen der bisherigen Besatzer und brachten so die Insel unter ihre Kontrolle. Vis wurde die einzige Adriainsel, welche niemals durch deutsche Truppen besetzt war. Dies liegt auch daran, dass die Alliierten sofort - in Absprache mit den Tito-Partisanen - die Insel als Basis nutzten. Sie diente als Hafen für Schnellboote und Zerstörer. Daneben wurden auch Kommandoeinheiten auf der Insel stationiert. Wichtigste Einrichtung wurde aber der Flugplatz, welcher auf Vis errichtet wurde. Hier operierten ab 1944 britische, später auch jugoslawische Spitfire-Jäger und kontrollierten den Luftraum über der Adria. Anfang 1944 verlegte Tito sein militärisches und politisches Hauptquartier auf die Insel Vis, nachdem ein deutsches Kommandounternehmen gegen ihn gescheitert war. Alle nicht wehrfähigen Einwohner der Insel (gegen 2000) wurden von der Insel in den Sinai nach Ägypten verlegt. Die Insel wurde befestigt und zur Festung Adria erklärt. Von hier aus führt Tito bis in den späten Herbst 1944 den Widerstand an. Zusammen mit den Engländern wurden zahlreiche Überfälle auf die Inseln der Umgebung geführt und den Deutschen massive Verluste beigefügt. Ab Herbst schwanden dann die deutschen Kräfte, und von Vis aus wurde die Befreiung Dalmatiens und der Adriaküste in die Wege geleitet. Gegen Kriegsende verliessen die Engländer die Insel, nachdem sowjetische Truppen angekommen waren. Auch wenn der Krieg 1945 endete, so kehrten die evakuierten Einwohner von Vis erst 1946 aus dem Sinai zurück. Zahlreiche von ihnen sind durch die Strapazen und Krankheiten gestorben.
Die Befreiung der Insel Vis
1990 begann der Zerfall Jugoslawiens. Die freien Wahlen in Slowenien und Kroatien brachten demokratische Kräfte an die Macht, welche sich vom titoistischen Sozialismus verabschieden wollten. Die grosserbischen Kräfte jedoch kontrollierten die ganze Armee, Luftwaffe und Teile der Kriegsmarine. Mit dieser geballten Macht wollten sie die friedliche Trennung der jugoslawischen Bundesstaaten verhindern und taten das, was nicht einmal mehr die sowjetischen Kommunisten am Ende taten. Sie richteten die Waffen gegen die anderen Volksgruppen und richteten das Blutbad an, welches als Jugoslawischer Bürgerkrieg in die Geschichte einging.
Ab Sommer 1991 war der Krieg in Kroatien im vollen Gange. Die schwach bewaffneten kroatischen Kräfte wehrten sich mit allen Mitteln und konnten so bis auf wenige Kilometer die gesamte Küste der Adria von den serbischen Besatzern frei halten. Mit Ausnahme der Inseln Vis und Lastovo gelang es den Kroaten, zahlreiche Küstenartillerie-Batterien in Besitz zu bringen und die Adria-Inseln unter ihre Kontrolle zu bringen. Auf Vis aber standen sich die schwach bewaffnete kroatische Polizei und die bis an die Zähne bewaffnete JNA gegenüber. Die JRM verlegte ihr Hauptquartier im Herbst 1991 von Split nach Vis, nachdem Split nicht mehr zu halten war. Den Kroaten gelang es dort jedoch, das gesamte unterirdische Lager der von der JRM eben neu beschafften schwedischen Lenkwaffen RBS-15 zu erobern. 100 dieser hoch modernen Waffen befanden sich in kroatischer Hand und waren so eine direkte Bedrohung für die veralteten jugoslawischen Raketenschnellboote. So geschah es, dass Vis immer mehr Soldaten und Schiffe aufnehmen musste. In der Bucht Rogacic und Parja - beim Raketenschnellboot Bunker "Jastog" liefen jeden Tag neue Boote ein. Die JNA igelte sich in ihren Anlagen ein und verstreute rund um ihre Anlagen abertausende von Minen. Es ist der Umsicht des kroatischen Polizeikommandanten von Vis zu verdanken, dass kein Schuss fiel und die Insel von Zerstörungen verschont blieb. Die beiden Parteien liefen bewaffnet auf der Insel umher, ohne das geschossen wurde.
Inzwischen verlor die JRM nicht nur Boote an die kroatische Armee, sondern musste auch bei Korcula und Split einige Niederlagen einstecken. Vis war die letzte Bastion, welche die JRM noch in Kroatien hatte. Im Januar 1992 wurde eine Waffenstillstand ausgerufen, Kroatien international anerkannt und UN-Blauhelm-Truppen stationiert. Die JNA und JRM hatten verloren - Vis aber blieb besetzt von tausenden Soldaten.

Hafen von Vis
Die Lage blieb trotzdem aussichtlos und so begann die JRM mit der Verlegung von Material, Booten und Mannschaft. Ende Mai 1992 war es soweit. Die JRM zog eines Morgens plötzlich ab, nicht aber ohne vorher noch einige Küstenartillerie-Batterien zu sprengen und ein paar Minenfallen zu legen. Vis war seine serbischen Besatzer los und war endlich frei. Die kroatische Fahne wehte nun auch über der Insel.

Minengefahr und Zukunft der Bunker auf Vis
Seit 1992 sind die Minen eine ständige Gefahr auf der Insel. Zwar wurden die Anlagen gesäubert, aber trotzdem sind Minen liegen geblieben. Statistisch kommen auf 1000 gefundene Minen mindestens 1 Mine, die liegen geblieben ist. Wenn man nun bedenkt, dass tausende gelegt wurden, so sind also immer noch einige versteckt und sind eine immer wärende Gefahr für Einwohner und Touristen. Solltet ihr einmal nach Vis gehen, um die Anlagen zu besichtigen, so tut das niemals ohne Führer. Ein holländischer Tourist hat bereits ein Bein verloren, weil er die Warnschilder ignoriert hat. Heute stehen zwar keine Warnschilder mehr ("schlecht für den Tourismus" und "wir haben ja gesäubert") trotzdem muss man wissen, das bis heute 5 Minenofper auf der Insel zu beklagen sind. Neben den Minen der JNA liegen auch noch Minen aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Insel rum.

Mit dem Abzug der JNA und JRM sind die Anlagen in den Besitz der kroatischen Arme (HV) und seiner Kriegsmarine (HRM) übergegangen. Mit Ausnahme der Radaranlage auf dem Berg Hum und der Küstenartillerie-Batterie bei Smokva blieben die Anlagen unbewacht und unbenutzt. So konnte jedermann in die Anlagen, und der Zerstörungswut und dem Diebstahl waren keine Grenzen gesetzt. Die Anlagen stehen heute praktisch leer geräumt und zerstört in der Landschaft. Besonders Eisendiebe kennen keine Grenzen. Sie klauen alle Eisenteile aus den Anlagen, zerstören dabei Wände und alles, was sie behindert und selbst schwere Kanonen und Türen sind kein Hindernis. So sind bis auf 3 Geschütze aus allen Anlagen die Waffen zerlegt und abtransportiert worden.
Erst die letzten Jahre steigt langsam das Bewusstsein bei den lokalen Behörden und Tourismusverbänden, welchen Schatz man auf der Insel hat. Inzwischen hat sogar ein Einwohner der Insel - Jurica Z - ein Auskommen darin gefunden, mit einem Pinzgauer die Touristen zu den schwer erreichbaren Anlagen zu fahren und sie dort herum zu führen. Gemäss seinen Erzählungen sind es von Jahr zu Jahr immer mehr Leute, die sich auch für diesen Teil der Geschichte von Vis interessieren. Jurica war auch während unseres Aufenthalts auf Vis unser Führer und wir können ihn jedem nur weiter empfehlen. Wer seine Kontaktdaten möchte, soll sich bitte bei uns melden.

Trotzdem zerfallen die Anlagen immer mehr. Es wäre zu wünschen, dass das, was heute noch vorhanden ist, erhalten werden kann und so zumindest noch ein Teil der Geschichte der Bunker von Vis erzählt werden kann.