Sihlsee - Sperrstelle, Infanteriewerke A7008 Ruestel  und A7010 Steinbach
Aktualisiert am: 07. Juli 2009
Mit dem Bezug des Reduits ab 1940 begannen die Truppen erneut mit dem Bau von Festungsanlagen, Sperren und Bunkern. Diese sollten den Truppen den notwendigen Rückhalt geben, um ihre Stellungen verteidigen zu können. Somit wurde das Schwergewicht des Festungsbaus vom Grenzgebiet in den Zentralraum verlegt.
In erster Priorität sollte der Übergang vom Zürichseegebiet über die Sihl in die Innerschweiz verhindert werden. Dazu wurden zwischen 1941 und 1942 die Übergänge am Etzelpass, bei der Schindellegi und bei Ragenau-Büel gesichert. Zweite Priorität hatten 1942/43 die Sperren Schlagberg, Staumauer und Horgenberg und in dritter Priorität die Sihlsee-Sperren sowie die Sperre Alpthal-Schnüerlismatt.


Dritte Verteidigungslinie Sperre Sihlsee
Um einen bei Schlagberg oder Horgenberg durchgebrochenen Gegner aufzuhalten und den Vorstoss entlang dem Sihlsee in Richtung Ibergeregg und Schwyz zu verhindern, wurde beschlossen ,am Sihlsee eine dritte Verteidigungsline zu errichten. Die Sperre bestand auf jeder Seeseite aus jeweils einem Infanteriewerk im Fels und einem Panzerabwehr-Aussenbunker. Während die Infanteriewerke mit ihrem Feuer jeweils auf die andere Seeseite wirken sollten, oblag es den Aussenbunkern, die Eingänge und Strassen vor den Kavernenanlagen zu sichern.
Kartenausschnitt der Anlagen und Sperrestellen am Shilsee (1:25'000)  [ Friends only ]

Entstanden ist so die Sihlseesperre mit den Werken Ruestel (A7008) und Ruestel See (A7007) auf der Ostseite und den Werken Steinbach A7009 und A7010 auf der Westseite. Die Werke wurden 1942 geplant und bis 1943 fertiggestellt. Die ursprüngliche Bewaffnung der Infanteriewerke bestand aus MG, Beo / Lmg Stand und Ik. Die Aussenbunker wurden mit einer Tankbüchse 41 und Beo / Lmg Stand ausgerüstet. Zusätzlich wurden auf der Abdeckungen der IW betonierte Stellungen mit Laufgraben und Unterständen erstellt.
Plan des Infanteriewerks A7008 Ruestel  [ Friends only ]

Das Infanteriewerk A7010 Steinbach wurde mit zwei zusätzlichen Kavernen ausgerüstet. Eine beherbergte den KP und Stab der 7. Division, die andere diente als Unterkunft für eine Schwere-Motor-Kanonen- Batterie. Wie überall wurden auch diese Werke in den 1960er Jahren umfangreich modernisiert und die Bewaffnung auf MG 51 und 9 cm Pak 50/57 umgerüstet. Die Aussenbunker hatten schon vorher die Tankbüchsen verloren und wurden mit MG ausgerüstet. Auch diese Anlagen dienten nach dem Krieg weiter und waren Bestandteil des Dispositivs der Reduit Brigade 24, bis sie 1995 entklassifiziert wurde.

Festungsmuseum A7007 und A7008
Im Jahre 2001 erwarb die Stiftung Schwyzer Festungswerke die Anlagen Ruestel und Ruestel See. Das Infanteriewerk A7008 Ruestel wurde wieder in den Zustand aus der Zeit des kalten Kriegs versetzt. Die Waffen samt der excellenten Aussentarnung, sowie anderen Installationen und Anlagenteile wurden durch die Mitglieder der Werkgruppe Ruestel und Mitglieder des Gewerbevereins Einsiedeln restauriert und wieder eingebaut. Der Bunker A7008 dagegen konnte wieder seine Ursprungsbewaffnung in Empfang nehmen und so ist dort heute wieder eine Tankbüchste 41 zu sehen.
Diese mit sehr viel Liebe zum Detail wieder hergerichteten Werke zeigen auf kleinstem Raum eine grosse Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen. In kurzer Zeit kann man sich hier ein Überblick verschaffen über den Schweizerischen Festungsbaus und das Leben in diesen Werken. Interessierte Kreise, welche nicht viel Zeit haben, aber bei einer Gelegenheit einmal sehen wollen, wie solche Werke innen ausgesehen haben, sind bei den Anlagen am Ruestel genau richtig. Besichtigungstermine können mit Werkchef Marcel Zehnder per Email (sihlsee@schwyzer-festungswerke.ch) oder Handy (079 737 15 62) direkt ausgemacht werden. Auch erfahrene Festungsfreunde werden bei den Anlagen am Sihlsee auf ihre Kosten kommen.

Wir hatten Ende 2008 das Vergnügen, auf Einladung der Werkgruppe Shilsee, diese speziellen und wunderschön restaurierten Anlagen von innen zu fotografieren. An dieser Stelle danken wir der Stiftung Schwyzer Festungswerke und unserem Führer Marcel Zehnder herzlichst für die Möglichkeit, dieses spannende Werk besuchen und fotografieren zu dürfen. Danke auch an Didi, welcher diesen Tag für uns organisiert hatte.
 
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A7007 Ruestel See
Innen und Aussen



A7008 IW Ruestel
Aussen



A7008 IW Ruestel
Innen



Sperre und IW Steinbach