Faulensee - Artilleriewerk A1954 Faulensee
Aktualisiert am: 06. Februar 2010
Die Kampfgruppe "Thunersee" entsteht
Die Schweiz ist nach dem Fall Frankreichs eingekreist und General Gusian erlässt am 17.07.1940 seinen Operationsbefehl Nr. 12 (Réduit Strategie). Die Truppen werden mit Ausnahme der Grenzbrigaden in den Alpenraum zurückgezogen. So auch die 3. Division welche am 24.07.1940 als "Kampfgruppe Thunsersee" den Auftrag erhält die Zugänge von Norden her gegen das Berner Oberland und Simmetal zu sperren, sowie einen gegnerischen Vorstoss gegen den Lötschberg und Interlaken zu verhindern. Am 14.05.1941 erteilt General Guisan den Operationsbefehl Nr. 13. Die in vorgeschobenen Stellungen verbliebenen Divisionen werden auch ins Reduit verschoben. Dies ist auch der Zeitpunkt ab dem ein intensiver Bau von Geländeverstärkungen, Infanterie- und Artilleriewerke rund um den Thunersee beginnt. Neben den klassischen Artilleriewerken mit eingebauten Geschützen werden auch Werke mit riesigen Kavernen für die mobilen Feldartillerie-Einheiten erstellt.

Das Artilleriewerk

[ Danke an H.R. Schneider für die Zuverfügungstellung des Plans ]
Der Befehl zum Bau des Artilleriewerks Faulensee wird am 24.03.1941 erteilt. Der Baukostenvoranschlag beträgt 1'000'000 CHF. Auftrag des Werkes ist es die artilleristische Sperrung ab dem Kandergraben bei Einigen sicherzustellen. Bereits am 09.06.01941 wird der Vertrag zum Bau der Festung abgeschlossen und die Bauarbeiten beginnen unverzüglich. Das ganze Artilleriewerk wird im Tagebau erstellt. Es besteht aus vier Artilleriebunkern, welche durch einen Laufgraben verbunden sind. Das Werk wird am Ortsrand von Faulensee erstellt, wo zum damaligen Zeitpunkt nur wenige Häuser stehen. Die Stände werden mit 4 10.5 cm Kan 35 L42 auf Hebellafetten ausgerüstet.
Jeder Bunker hat seinen eigenen Unterkunfts-, Filter- und Laborierraum, sowie ein eigenes Munitionsmagazin. Geschützbunker 4 enthält zusätzlich den Maschinenraum, die Bttr Feuerleitstelle sowie die Küche für das Werk. Obwohl das Werk bereits 1942 feuerbereit ist, erfolgt die definitive Übergabe erst im Juni 1943.
Wirkungskarte des AW A1954 Faulensee (1:100'000) [ Friends only ] [Neu!]

Geheimhaltung
Da das Werk direkt am Ortsrand von Faulensee liegt werden die vier Bunker gleich von Anbeginn als Scheunen getarnt. Der Bau erfolgt bei grösst möglicher Geheimhaltung und über die Jahre wussten immer weniger Bewohner des Ortes, was sich hinter diesen vier Scheunen verbirgt.



Die Geheimhaltung ging soweit, dass aus diesem Werk niemals ein Schuss abgefeuert wurde. Wäre es trotzdem dazu gekommen, wären mindestes zwei anliegende Häuser durch den Druck beschädigt worden. Darum gab es für einen möglichen Ernstfall auch entsprechende Evakuationspläne für diese Gebäude. Die Geschütze mussten darum auch vor dem Einbau in anderen Werken eingeschossen werden. Die Belegungsübungen der Truppe dauerten auch jeweils nur wenige Stunden oder Tage. Diese dienten primär der Einübung von Ortskenntnissen oder dem Ein- und Ausbau der Geschütze. Das eigentliche Festungs- und Artilleriehandwerk wurde in anderen Werken oder mit mobilen Kanonen geübt.
Plan Geschütz-Stand 1   Plan Geschütz-Stand 2   Plan Geschütz-Stand 3   Plan Geschütz-Stand 4 [ alle Members only ]

Vom Artilleriewerk zum Museum
Per 1.1.1994 wurde das Werk entklassifiziert. Da es sich beim Artilleriewerk Faulensee von seiner Konfiguration um ein einmaliges Werk in der Schweiz handelt, wurde es ins Inventar der schützenswerten Kampf- und Führungsbauten des Kantons Bern aufgenommen. Eine Stiftung hat das ganze Werk übernommen und ein sehenswertes kleines Festungsmuseum daraus erstellt. Die vier bestens getarnten Artilleriebunker - heute - mitten im Ort und neben der Schule zeigen mit welcher Perfektion hier über Jahrzehnte ein Geheimnis mitten in einem Ort gewahrt werden konnte. Das Museum besticht auch durch seine detailgetreue Einrichtung der Bunker sowie die Munitionssammlung die hier gezeigt wird. Wer sich auf Reisen am Thundersee befindet sollte hier unbedingt einmal rein schauen.

Wir danken an dieser Stelle der Stiftung Artilleriewerk Faulensee, dass wir die Möglichkeit hatten diese schöne Anlage zu besichtigen.
 
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Ausstellung Museum

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