Altstätten - Infanteriewerke und Sperrstellen am Stoss
Aktualisiert am: 29. September 2010
Am 17. Juni 1405 besiegte ein Heer von 400 Appenzeller Bergleuten das 1200 Ritter umfassende habsburgische Heer bei der Letzi (Sperrmauer) am Stoss. Sie liessen den Gegner bis zur Letzi vordringen und überraschten den bereits durch den langen Aufstieg ermüdeten Gegner oberhalb ihrer Grenzschanze. Zuerst liessen sie Felsblöcke den Hang hinunterrollen und warfen sich dann mit ihren Hellebarden auf die Gegner. Nach längerem Kampf kam es zu wilder Flucht der Habsburger den Berg hinunter. Obwohl die Österreicher den Appenzellern zahlenmässig um das Dreifache überlegen waren, liessen sie 330 Tote auf dem Schlachtfeld zurück, darunter allein aus der Stadt Winterthur 95, aus Feldkirch 80 Bürger. Die Appenzeller verloren rund 20 Männer, erbeuteten aber 170 Panzerrüstungen und die Banner der Städte Winterthur, Feldkirch und Schlandersberg. Genau an derselben Stelle, an der 534 Jahre zuvor schon die Sperrmauer stand, wurde 1939 mit dem Bau einer neuen Letzi begonnen.

Sperrung des Rheintals - Studie und Konzept zur Verteidigung
Im Februar 1936 fanden erste Rekognoszierungen im St. Galler Rheintal statt. Dabei wurde der Grundsatz definiert, dass dem Gegner das Überschreiten des Rheins möglichst lange verwehrt werden solle, die Hauptverteidigungslinie aber an den Hängen und Taleingängen westlich des Rheins liegen soll.
Eine Rekognoszierung im Juli 1938 im Hinterland von Rorschach bis Wildhaus ergab, dass eine durchgehende zweite Verteidigungslinie wegen des ausserordentlich coupierten Geländes eine viel grössere Zahl Werke erfordern würde als ursprünglich vorgesehen. Die Grenztruppen waren zu schwach, um neben der Hauptverteidigungslinie am Rhein auch noch diese zweite Linie zu besetzten. Man kam zur Überzeugung, dass das Schwergewicht auf Befestigungswerke in Grenznähe zu legen sei. Aber auch hier verzichtete man auf eine durchgehende Feuerlinie aus Werken und beschränkte sich auf die Befestigung der wichtigsten Punkte. Dies mit dem Ziel, den Grenztruppen feste Stützpunkte zu bieten und die Haupteinmarschstrassen längere Zeit zu sperren. Auf Grund der Ergebnisse dieser Rekognoszierungen wurden die Befestigungsbauten im St. Galler Rheintal in Angriff genommen.

Die Sperrstelle am Stoss
Auch der strategisch wichtige Übergang vom Rheintal ins Appenzellerland über den Stoss wurde zur Befestigung vorgesehen. Im September 1938 rekognoszierten Oberst Peter und Hauptmann Pfiffner vom BBB den Stoss und bestimmten die genauen Standorte für das Infanteriewerk Stoss Süd - als Hauptwerk bewaffnet mit IK und MG - sowie den MG-Bunker Stoss Nord als Gegenwerk. Dazu kamen noch ein 1.5 km langes Höckerhindernis und Strassensperren.
Kartenausschnitt der Anlagen am Stoss (1:25'000)  [ Friends only ]

Im Januar 1939 intervenierte die St. Galler Regierung durch eine Eingabe beim Bundesrat und verlangte eine beschleunigte Inangriffnahme der Arbeiten im St. Galler Rheintal. Oberst Peter vermerkt in einer Aktennotiz, dass Div. Huber wünsche, dass Panzerplatten, die für Werke im Jura vorgesehen waren, im Rheintal verwendet werden und so die Bauarbeiten einen Monat vorgeschoben werden. Weitere Rekognoszierungen im Februar 1939 ergaben keine Änderungen am Stoss und so konnten die Bauarbeiten Ende April 1939 beginnen, und die Werke waren gerade noch rechtzeitig mit Kriegsausbruch fertig gestellt.
Plan IW A5885 Rain   Plan A5886 Stoss Nord   Plan IW A5888 Warmesberg [ Friends only ]

Schnell stellte sich heraus, dass das Frontalwerk am Stoss zu schwach war. Eine Bewertung im Januar 1941 führte zu einem Erweiterungsprojekt, welches in den beiden zusätzlichen Werken Rain (1 IK + 3 MG) und Warmesberg (2 IK + 2 MG) mündete. Diese wurden ab April 1941 bis September 1941 errichtet. Zum Einsatz kamen hier keine Panzerplatten mehr, sondern nur noch Schartentöpfe, welche wesentlich leichter in der Schweiz produziert werden konnten. Für die Truppe wurden in der Umgebung Unterkünfte in den Bauernhäusern errichtet und ein eigenes Waschhäuschen gebaut. Auch wurden in den Kellern der Bauernhäuser zahlreiche MG Stellungen errichtet, welche aber nach dem Krieg wieder abgebaut wurden.
Im Sommer 1944 wurde im Vorfeld des Stoss rund um Altstätten eine rege Bautätigkeit ausgelöst. Die Truppe errichtete hier zahlreiche MG-Bunker und IK-Schilde, welche den Angriff verzögern sollten. Auch wenn im Vorfeld vom Stoss noch zahlreiche Verteidigungsstellungen und Sprengobjekte errichtet wurden, so blieb der Stoss die Hauptverteidigungslinie.
Kartenausschnitt der Anlagen um Altstätten (1:25'000)  [ Friends only ]
Plan IK Stellung A5872   Plan MG Stand A5873   Plan IK Stellung A5882 [ Friends only ]

Wesentlicher Schwachpunkt des Konzepts war seine Vorderhangstellung - was einen Artilleriebeschuss erleichterte - sowie die fehlende Verteidigung in die Tiefe. Es wurden keine Unterstände für die Truppen der Aussenverteidigung errichtet und auch die Hochebene bei Schachen, welche zu einer Luftlandeoperation zur Umgehung des Stoss geradezu einlud, wurde nicht befestigt. Auch nach dem Krieg wurde die Umgebung des Stoss nur noch etwas verstärkt. Man erkannte die Gefahr von Luftlandeoperationen und errichtete Unterstände und ASU in den entsprechenden Gebieten im Hinterland. Ebenso wurden noch moderne Festungsminenwerfer errichtet, welche eine erhebliche Verstärkung für die ganze Sperrstelle bedeuteten. Trotzdem passierte am Stoss selber relativ wenig. Dies vermutlich darum, weil es Panzerverbände relativ schwer gehabt hätten, bis hier herauf zu kommen.

Scharfschiessübungen am Stoss
Eine Besonderheit am Stoss ist der angebaute Übungsbunker am Werk A5885 Rain. Hier wurde ein kleiner Betonstand mit Wellblechdach errichtet, wo es möglich war, mit MG und Lmg auf den gegenüberliegenden Hang im scharfen Schuss zu üben. Auch waren Schiesspanoramas vorhanden. Der Übungsbunker war nicht mit dem eigentlichen Werk verbunden, ausser mit dem Kollektivmaskenschutz. Scharfschiessübungen mit der Pak wurden am Stoss auch durchgeführt. Diese fanden im Werk A5888 statt. Dazu wurde die Stossstrasse gesperrt und mit der Pak auf den Hügel unterhalb von A5885 geschossen.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Entklassifizierung der Sperre am Stoss gelang es dem Festungsmuseum Heldsberg die komplette Sperrstelle komplett ausgerüstet zu übernehmen. Die Anlagen werden heute liebevoll vom Verein unterhalten und im Dach des Tarngebäudes des Bunkers Stoss Süd wurde auch ein kleines Museum errichtet. Wir danken an dieser Stelle herzlichst dem Verein Festungsmuseum Heldsberg und im Besonderen Herr Bernhard Rempfler für die Möglichkeit, die Sperrstelle zu besuchen und auch von innen zu fotografieren. Auch danken wir für die zur Zurverfügungstellung der Luftaufnahme vom Stoss aus dem Jahr 1942.
Fotos vom Stoss im Fotoblog
 

Kapitel Hauptseite
 

Sperrstellen im
Vorfeld Stoss
 

Sperranlagen und GPH
 
MG Bunker A5886

Infanteriewerk A5885
Aussen
 
Infanteriewerk A5885
Innen

Infanteriewerk A5887
Aussen
 
Infanteriewerk A5887
Innen

Infanteriewerk A5888
Aussen
 
Infanteriewerk A5888
Innen

Schiesspanorama 42/67
[ Friends only ]
 
Museum Stoss