Reute und Oberegg - Infanteriewerk und Sperrstelle Knollhausen und Sonderegg
Aktualisiert am: 06. Oktober 2010
Die Ortschaften Reute (AR) und Oberegg (AI) liegt an einer strategischen Stelle, wenn es um den Übergang vom Rheintal ins hügelige Appenzellerland geht. Nur so ist es zu erklären, dass diese malerischen kleinen Ort zwei markante Sperrstellen verstecken. Die kleinere Sperre Sonderegg (AI) mit einem grossen Infanteriebunker, und die Sperrstelle Knollhausen (AR) mit drei in Fels gehauenen Infanteriewerken. Beide Sperrstellen sind im Zeitraum 1941 bis 1942 erbaut worden.
Kartenausschnitt Anlagen Reute - Berneck (1:25'000) [ Friends only ]

Oberegg (AI): Sperrstelle Sonderegg
Das Infanteiewerk A5865 Sonderegg liegt direkt an der Hauptstrasse Reute - Berneck auf dem Gebiet der Gemeinde Oberegg und ist nicht zu übersehen. Nicht nur die Grösse des Bunkers ist speziell, sondern auch das noch teilweise erhaltene "Graffiti" aus der Aktivdienstzeit im Eingangsbereich. Es ist ein Zitat aus Schillers Wilhelm Tell: "Wir wollen frei sein. Ein einzig Volk von Brüdern. In keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein wie die Väter waren. Eher den Tod als in Knechtschaft leben." Das Foto dieser Wandmalerei findet ihr in der Fotogalerie des Bunkers Sonderegg
Das IW war für einen klassichen Bunker sehr stark bewaffnet. Er verfügte über zwei IK/Pak und 3 MG Stände. Neben einem Zugang in den Kampfraum verfügte das Werk auch über einen Zugangstunnel im Untergeschoss.
Plan A5865 IW Sonderegg- Typ Bunker  [ Friends only ]

Reute (AR): Sperrstelle und Infanteriewerke Knollhausen
Nordöstlich von Sonderegg liegen gut versteckt in den Wäldern rund um den Pass die drei Infanteriewerke "Föhre", "Fels" und "Tobel". Aufgabe der Sperrstellen bei Knollhausen war es, eine südliche Umgehung der Sperren am Bruggerhorn via Berneck - Reute zu verhindern. Ebenso schützten diese Werke die Zufahrtsstrasse aus dem Rheintal - von Rebstein und Altstätten-Mohren - ins Appenzellerland.

Das Werk "Fels" mit der Nummer A5868 war das Hauptwerk der Sperre. Das Werk besass zwei Kampfstände in Felskavernen, welche mit zwei Panzerabwehrkanonen als Hauptbewaffnung und 3 MG ausgerüstet waren. Dazu besass das Werk noch einen als Scheune getarnten MG-Bunker, welcher auch den Notausgang beinhaltete. Als Hauptwerk besass es die grösste Infrastruktur in Form von zwei grösseren Kavernen für Unterkunft und Infrastruktur. Trotzdem dürften diese sehr spartanisch eingerichtet gewesen sein.
Pläne A5868 IW Fels - Typ Felskaverne und Bunker  [ Friends only ]

Das Werk "Föhre" (A5866) war das Gegenwerk zum Werk "Fels" und "Tobel". Es besteht aus vier Bunkern, wovon zwei direkt in den Fels gehauen wurden. Der Eingang befindet sich in einem als Scheune getarnten Bunker. Das Werk war ursprünglich mit 2 Tankbüchsen, 1 MG und 1 Lmg ausgerüstet. Später wurden die Tankbüchsen nur mit MG ersetzt. Eine Umrüstung auf 9 cm Pak erfolgte - im Gegensatz zum Werk "Fels" - nicht.
Pläne A5866 IW Föhre - Typ Felskaverne und Bunker  [ Friends only ]

Das dritte Werk mit Namen "Tobel" (A5870) befindet sich direkt über dem Strassenengnis. Es besass zwei Kampfstände und war bewaffnet mit einer Pak, sowie drei MG Stellungen und einem Beo. Das Werk "Tobel" fungierte als Gegenwerk zum Werk "Föhre". "Föhre" und "Tobel" besassen nur eine kleine Unterkunftskaverne.
Pläne A5870 IW Tobel - Typ Felskaverne  [ Friends only ]

Es erstaunt, dass für die Sperrng der südlichen Umgehung vom Bruggerhorn eine solche Konfiguration mit drei Werken vorgenommen wurde. Ein Sperre mit weniger Aufwand hätte sich leicht weiter nördlich vor Oberegg realisieren lassen. Ein Sprengobjekt an der Brücke und ein Werk davor hätten ausgereicht. Warum diese Konfiguration gewählt wurde ist uns unbekannt. Vielleicht weiss jemand von euch mehr darüber? So aber erscheint die Wiese bei Knollhausen die am besten bewachte Wiese in der Schweiz zu sein.

Knollhausen heute
Alle drei Werke sind in den frühen 90er Jahren entklassifiziert worden sein. Das der Sperrstelle vorgelagerte Geländepanzerhindernis (GPH) in Form von BBB-Höckern ist 1993 durch die Truppe abgebaut worden. Das Werk "Föhre" ist als einziges 1997 nicht zugemauert worden und die Scharten sind noch sichtbar. Bei unserer Erkundung im Januar 2008 haben wir festgestellt, dass das Werk "Fels" am Hintereingang aufgebrochen wurde. Die Backsteinmauern der Zugänge - mit welchen die Zugänge zugemauert waren - sind abgebrochen worden und die ganze Anlage wurde offenbar als "Partybunker" benutzt. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir die Anlage "Fels" auch noch von innen fotografieren konnten, obwohl sie offiziell gar nicht mehr zugänglich ist. Ein seltenes Glück.
Eine weitere Besonderheit an allen drei Werken ist ihre ausgezeichnete Tarnung. Selbst wenn man wenige Meter davor steht, ist es schwer die Bunker zu finden. Überzeugt euch selbst davon, mit welchen Massnahmen die Bunker der Entdeckung durch all zu Neugierige entzogen wurden.

Die Werke bei Knollhausen wurden im Jahr 2009 von der Gemeinde Reute übernommen. Was mit den Werken in Zukunft geschehen soll ist zur Zeit noch unbekannt.
 
Kapitel Hauptseite


Knollhausen Übersicht


IW A5866 Föhre
Unterstand A5867



IW A5868 Fels
Aussen



IW A5868 Fels
Innen



IW A5870 Tobel


IW A5865 Sonderegg


Umgebung
Interaktive Karte A5865 F8132 A5866 A5868 A5870 A5867 A5869