St.Margrethen - Artilleriewerk A5850 Heldsberg
Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2012
In einem Hügel zwischen St. Margrethen und Au liegt gut versteckt zwischen Bäumen und tief im Fels eingegraben das Artillerie-Kasemattenwerk Heldsberg. Diese Festung war der Anker der Verteidigung in der Region Rheineck und sicherte mit ihren Kanonen und Maschinengewehren die Mündung des Rheines in den Bodensee. Der Auftrag lautete, den Übergang über den Rhein zwischen Montlingen und dem Bodensee zu verhindern und einen Angriff über den See aus dem Raum Lindau zu vereiteln, um damit die Mobilmachung im Landesinnern zu ermöglichen.
Kartenausschnitt St. Margrethen, Au, Berneck (1:25'000) [ Friends only ]

Spätestens seit der Rheinkorrektur Anfang des 20. Jahrhunderts war das Bruggerhorn beim Heldsberg zum Einfallstor im Osten der Schweiz geworden. Eine Eisenbahnbrücke und drei Strassenbrücken führten vom benachbarten Lustenau in diesem Abschnitt über den Rhein an die Schweizer Grenze. Zwei weitere Brücken bei Fussach lagen auf österreichischem Gebiet, so dass sie nicht durch die Schweizer Armee gesprengt werden konnten. Somit war die Wehrmacht mit einem Fuss schon über dem schützenden Rhein. Diesem bedrohlichen Umstand muste man unbedingt begegnen und dies tat man mit dem Bau des Artilleriewerks Heldsberg.
Dazu wurden ca. 1000 m Stollen in den Fels gesprengt und gegraben, 160 m Höhendifferenz überwunden, sieben Maschinengewehre und vier 7,5 cm Bunkerkanonen 39 eingebaut. Die Reichweite dieser halbautomatischen - in der Schweiz entwickelten - Kanonen betrug 10.5 km und reichte somit bis zum Bahnhof Bregenz oder zur Hafeneinfahrt von Lindau. Aufgeteilt in je eine Batterie Nord und Süd war das Werk so angelegt, dass sämtliche Brücken über die Bregenzerache und den Rhein von Bregenz bis Kriessern unter Beschuss genommen werden konnten. Damit war sichergestellt, dass der Wehrmacht der Rheinübergang - auch in der "Ostmark" - verwehrt war. Sekundär konnten die Bunkerkanonen auch zur direkten Panzerabwehr am Bruggerhorn eingesetzt werden. Dazu verfügten sie über Zielfernrohre. 21 Maschinengewehre in Aussenbunkern deckten den Zugang zur Festung, zu den Geschützscharten und die umfangreichen Panzer- und Infanteriehindernisse der Sperrstellen rund um das Bruggerhorn. Die Besatzung der Festung betrug 200 Mann, und dazu kamen noch einmal 400 Mann für die Aussenverteidigung mit Minenwerfern und Panzerabwehrwaffen.
Wirkungskarte des AW A5850 Heldsberg (1:100'000) [ Friends only ]
Panoramaansicht Artilleriewerk A5850 Heldsberg - Bttr Süd

Die Planung für die Festung erfolgte 1938, nachdem das Nachbarland Österreich am 12. März 1938 über Nacht von deutschen Truppen annektiert worden war. Gleich darauf wurde von lokalen Baufirmen in nur 2 Jahren die Festung gebaut und bis 1941 fertig gestellt. Innerhalb des Berges befanden sich eine Zentrale zur Erzeugung von Elektrizität, eine Küche, eine Kantine, ein Trinkwasserreservoir mit 110.000 Liter Trinkwasser, Wohnräume von Mannschaften, Unteroffizieren und Offizieren. Dazu kamen ein umfangreiches Munitionslager, Waffenwerkstätten, Feuerleitzentralen, eine kleinen Krankenstation und auch zwei Leichenkammern für im Kampf getötete Soldaten.
Fotos der Anlagen um den Heldsberg am Bruggerhorn im Fotoblog
Flugaufnahmen vom Bruggerhorn und Heldsberg [ Friends only ]

Die Festung Heldsberg blieb weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus aktiv. Erst mit der Errichtung von mehreren modernen 12 cm Festungsminenwerfer ab den 1970er Jahren im Hinterland von St. Margrethen verlor die Festung ihre Bedeutung. Sie blieb aber im Inventar der Armee, wenn auch nicht als Artilleriewerk. 1992 mit dem Ende des kalten Krieges wurde die Anlage aus dem Militärdienst entlassen und ging in das Eigentum der Gemeinde St. Margrethen über. Der Verein Festungsmuseum Heldsberg betreibt heute in der Anlage ein weitherum bekanntes und absolut sehenswertes Festungsmuseum. Wer in der Region St. Margrethen vorbei fährt, sollte hier unbedingt einen Besuch einplanen.

An dieser Stelle möchten wir dem Verein Festungsmuseum Heldsberg recht herzlich für die bisher gewährte Hilfe bei unserem Projekt danken. Zahlreiche Mitglieder des Vereins gehören zu den tatkräftigen Helfern, welche uns erst die vielen Fotos ermöglicht haben.
 

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[ Heldsberg Aussen ]

Übersicht
  [ A5850 Innen ]

Eingang und Maschinenraum
Aussenanlagen Ost   Stollen und Stand MG2+3
Aussenanlagen West, Teil 1   Stand BK2
Aussenanlagen West, Teil 2   Stand BK1
Aussenbunker   Stand Beob1 + MG1
Unterstände   Stollen und Stand BK4
Uem ASU F8210   Stand BK3 + MG4

Vergleich 1941 - 2009
[Historisches Exklusivmaterial]
  Unterkunft Untergeschoss

Schiesspanorama 1942/66/73
[ Friends only ]
  Unterkunft Obergeschoss
  Museum
Interaktive Karte A5847 A5848 A5849 A5851 A5852 A5853 A5854 A5855 A5856 A5850_E A5850_MG1 A5850_G1 A5850_G2 A5850_MG2 A5850_G4 A5850_G3 A5850_MG5 A5850_MG6 A5850_MG7 A5850_NA T3125.02 T3125 T3126_01 T3126_02 T3126.01 T3126.02 M0808 T3128 T3128