Weinfelden, Ottoberg - Br KP A5745, Rgt KP F7650 und Fk/Not-Ristl ASU F7714
Aktualisiert am: 22. Januar 2010
Nicht nur für die kämpfende Truppe wurden Anlagen tief in den Berg gegraben, sondern auch für die zahlreichen Kommandostäbe gab es überall geschützte Kommandoposten.

Anlässlich einer privaten Führung konnten wir im Februar 2008 den Kommandoposten A5745 Erichstollen der Grenzbrigade 7 in Weinfelden besuchen. In dieser 1940 erbauten und 1962 erweiterten Anlage wurde die Verteidigung des Festungsgürtels Kreuzlingen befehligt. Oberhalb von Weinfelden gelegen besteht dieses Werk aus drei Stollen. Ein Stollen dient für die Infrastruktur für Strom, Wasser und Luft. Drei grosse Saurer Dieselmotoren sollten im Notfall für eine Stromversorgung sorgen. Besonders eindrücklich sind die in den 60er Jahren eingebauten Grobstaubfilter als Schutz vor einem Atomangriff.
In den zwei anderen Stollen sind zahlreiche Büros für die Arbeit des Stabes untergebracht. Dazu kamen Unterkünfte für die rund 100 Mann starke Mannschaft der Anlage. Auch an Kommunikationseinrichtungen fehlte es nicht. Ein grosser Funkraum sowie eine grosse Telefonzentrale sorgten für die Verbindungen nach aussen. Ein modernes EDV-Netzwerk wurde offenbar nie installiert.
Plan KP A5745 Erichstollen - Typ Felskaverne  [ Friends only ]

Auch wenn die Anlage seit 1940 laufend den Gegebenheiten der Zeit angepasst wurde, so mutet die Küche sehr rustikal an. Eine grosse Kochstelle aus den 60er Jahren ist noch bis zur Entklassifizierung der Anlage 2007 im Einsatz gewesen. Das lokale Elektrizitätswerk wird sich besonders über diesen "Grossverbraucher" gefreut haben.
Von aussen ist von der Anlage nicht sehr viel zu sehen. Ein getarnter Eingang, dazu die Bauten für die Be- und Entlüftung sind schon fast alles was zu sehen ist. Zur Aussenverteidigung wurde ein kleiner "Bunker" errichtet sowie einige Kleinunterstände (KUBU) in der Umgebung gebaut. Zur Kommunikation wurden in der weiteren Umgebung des KP drei Übermittlungs-ASU (Atomschutz Unterstände) erstellt. Diese waren als Sendestationen für die Funk- und Richtstrahlanlagen des KP gedacht.

Die ganze Anlage wurde 2005 entklassifiziert und im Frühöing 2008 vom Verein Festungsgürtel Kreuzlingen gekauft.

Funk / Not-Rist ASU F7714
Oberhalb des KP der Grenzbrigade 7 gibt es noch eine ganz besondere Anlage zu sehen. Hier wurde ein Doppel-ASU (F7714) errichtet, welcher die Funksendestation des Brigade KP beherbergte. Daneben war hier auch der Not-Richtstrahlstandort des Kommandoposten. Der Standort wurde nicht zufällig hier gewählt. Von hier aus hat man eine sensationelle Sicht - und somit auch Funkverbindung - auf Alpstein und Säntis. Da die Anlage von hinten durch einen Hügel gedeckt war, war der Standort auch geschützt vor feindlicher elektronischer Aufklärung. Was diesen Funk-ASU besonders macht, ist sein NEMP-Schutz. Während der danebenliegende ASU nicht geschützt ist, wurde dieser innen mit Metall ausgekleidet und geerdet. Einen solchen kombinierten Funk- und Notfall-Richtstrahl-ASU hatten wir bisher noch nie gesehen. Darum war die Freude umso grösser, diese seltene Anlage auch einmal sehen zu können.
Diese Anlage ist schon länger entklassifiziert und wurde Ende 2009 durch den Verein militärhistorische Schutzanlagen Ottoberg (VMSO) übernommen. In Ergänzung zum Verein Festungsgürtel Kreuzlingen will dieser neue Verein sich primär um die neueren Anlagen aus der Zeit des Kalten Krieges im Kanton Thurgau kümmern. So will der Verein auch den ehemaligen Regiments-Kommandoposten F7650 in Ottoberg übernehmen.

Rgt KP F7650 Ottoberg (Typ 76 - Beton-Monoblock)
Mitte der 70er Jahre wurde eine neue Monoblock-Normbauweise (Typ 76) für Regiments-Kommanoposten eingeführt. Diese unterscheidet sich von der ersten Generation (Typ 50) darin, dass sie etwas geräumiger ist, Platz für Stauraum hat und nur noch über ein Stockwerk verfügt. Ansonsten hat sie die selben Einrichtungen wie die Anlagen der ersten Monoblock-Generation, wirkt aber geräumiger und grösser. Einen solchen Regiments-Kommanoposten Typ 76 (F7650) konnten wir in Ottoberg besichtigen. Dieser wurde 1986 errichtet und diente als Kommanoüosten für das Inf Rgt 32. Der KP bot Platz für 60 AdA und wurde 1999 nochmals modernisiert. Rund um die KP-Anlage sind zahlreiche ASU zu finden, welche speziell für Funk- und Richtstrahltrupps ausgerüstet waren.
Schutzzonen-Plan KP F7650 Ottoberg [ Friends only ]

Erstaunt hat uns bei dieser Anlage die Nummerierung. Obwohl es sich um einen Beton-Monoblock handelt, wurde er wie die Anlagen der Leichtbauweise mit einer F-Nummer versehen Ein Rätsel, welches sich kaum lösen lassen wird.
 
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[ KP A5475 Erichstollen ]


Aussenansicht


Räume und Stollen


Technik


Kommunikation


Details
[ KP F7650 Ottoberg ]


Rgt KP F7650 Ottoberg
Teil 1



Rgt KP F7650 Ottoberg
Teil 2



Funk/Not-Ristl ASU F7714
Interaktive Karte F7650 F7651 F7652 F7713 F7714 F7716 A5745