Unterstammheim, Schlattingen - Sperrstellen (0614, 0617, 0618) mit Centurion Bunker
Aktualisiert am: 27. Oktober 2011
Quer durch die Senke bei den Gemeinden Unterstammheim (ZH) und Schlattingen (TG) zieht sich eine der letzten modernisierten Sperranlagen der Schweiz. In einem letzten Ausbauschritt wurden hier 1994/95 noch die drei letzten Centurion Bunker der Schweiz errichtet.

Der Rhein galt im Einsatzraum der Grenzbrigade 6 auf seiner ganzen Länge als respektables Geländehindernis. Dieses musste allerdings durch künstliche Mittel sowie durch massives Feuer der Rheinbunker, der Festungsminenwerfer, der mobilen Artillerie und der Flieger auf den Fluss verstärkt werden. Als besonders günstig für den Angreifer und damit gefährlich für die Grenzbrigade 6 galten unter anderem die Übersetzmöglichkeiten bei Stein am Rhein und Diessen- hofen. Von diesen Übersetzstellen oder Brückenköpfen aus konnte der Vorstoss in die Räume Winterthur und Frauenfeld fortgesetzt werden. Die Achse für diese Vorstösse führte durch die Senke bei Unterstammheim und Schlattingen, welche ca. 3 km von der Landesgrenze entfernt ist.

Die Sperrstellen in der Stammheimer Senke
Während des Zweiten Weltkrieges wurde hier keine Zweite Verteidigungslinie errichtet. Erst im Kalten Krieg stufte man hier die Gefahr so gross ein, dass man eine der stärksten Sperrstellen im gesamten Brigaderaum erstellt hat. Um diese Achse nachhaltig zu sperren, errichtete man drei
Sperrstellen. Die östliche Sperrstelle (0614) war eine Vorsperre, welche die Strasse von Stein am Rhein her kommend zwischen Rodebärg und Stammerberg sperrte. Wichtigste Permanenzen waren hier zwei Pak-Garagen für mobile Panzerabwehrkanonen.

Sperrstelle 0618 sperrte die westliche Einfallachse bei Schlattingen zwischen Rodebärg und Joosebuck. Wichtigste Permanenzen hier waren 4 Pak-Garagen und ein 8.1 cm Festungsminenwerfer (Monoblock, Typ 50), welcher mit seinem Feuer direkt auf den Brückenkopf bei Diessenhofen und die Sperrstelle selber wirken konnte.

Hauptsperre war Sperrstelle 0617, welche mit einer Breite von ca. 2 km die Stammheimersenke sperrte. Diese Sperrstelle wurde ab Mitte der 70er Jahre sukzessive ausgebaut und hatte am Ende als wichtigste Permanenzen 3 Centurion Panzerabwehr Bunker, einen 8.1 cm Festungsminenwerfer (Monoblock, Typ 50) und eine Pak-Garage. Alle Sperrstellen verfügten über eine stattliche Zahl von Unterständen (U4, U12, ASU). Ebenso befinden sich die Sperrstellen im Feuerbereich von mehreren 12 cm Festungsminen- werfern. Der hier aufgelaufene Gegner wäre mit moderner Kanistermunition und intelligenten Panzerabwehr-Geschossen (Stryx) nachhaltig bekämpft worden. Anzahl und Standorte dieser Anlagen sind 2011 noch geheim.

Kartenausschnitt Sperrestellen im Raum Schlattingen - Unterstammheim (1:25'000) [ Friends only ]

Im Rahmen des Modernisierungsprogrammes der 90er Jahre fand die letzte Mordernisierung an der Sperrstelle 0617 statt. Die Panzersperren wurden verstärkt und erneuert sowie die drei Centurion Bunker errichtet. Ursprünglich waren für die gesamte Sperre neun (!) solcher Bunker geplant. Nach dem Bau der drei ersten Centi-Bunker wurde das gesamte Centi-Bunker Projekt aber beendet. Die bei Unterstammheim gebauten Centurion Panzerabwehr-Bunker sind die letzten Bunker dieser Art, welche noch realisiert wurden. Ausführliche Informationen zum Panzerabwehrsystem Centurion in Bunker findet ihr in unserem Igel-Lexikon.
A5577 Übersichtsplan     A5578 Übersichtsplan     A5579 Ausführungsplan [ Friends only ]

Das Geheimnis der verkehrten Panzergräben

Neben den drei Centi-Bunkern weist die Sperrstelle eine weitere Besonderheit auf. Der aufmerksame Beobachter wird bemerken, dass einige GPH66 Panzersperren "verkehrt" herum gebaut worden sind. Das GPH66 hat zwei Gräben. Einen grösseren vor der Sperre und einen kleineren dahinter. Zumindest ist es so in den Typenplänen definiert worden. In dieser Sperrstelle weisen einige GPH66 die richtige Konfiguration auf, andere wiederum haben die Gräben verkehrt herum angelegt. Die Sperre funktioniert zwar auch, wenn die Gräben verkehrt herum gebaut sind, allerdings geht die Wirkung, den Panzer vorher abzubremsen verloren. Offenbar gab es beim Bau dieser Sperrstelle keine einheitliche Meinung, wo der grosse Graben zu sein hat. Auf unseren Reisen haben wir noch andere Sperrstellen gefunden, bei denen die Gräben verkehrt herum angelegt wurden. Allerdings waren dort die ganzen Sperrstellen einheitlich "falsch". Nur in Unterstammheim kann man in einer Sperrstelle beide Konfigurationen entdecken.
Für uns stellt sich hier die Frage: Wo hat der Graben nun wirklich zu liegen? Vorne? Hinten? Egal wen man fragt, man erhält immer eine andere Antwort. Ein Rätsel im Schweizer Festungsbau, das vielleicht nie geklärt wird, weil dann zumindest einige Leute einen peinlichen, aber doch irgendwie lustigen Fehler zugeben müssten.
 
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Centurion Bunker
A5577



Centurion Bunker
A5578 - Aussen



Centurion Bunker
A5578 - Turm



Centurion Bunker
A5578 - Innen



Centurion Bunker
A5579



Anlagen Sperrstelle 0614


Anlagen Sperrstelle 0617


Anlagen Sperrstelle 0618


Das Panzerabwehrsystem
Centurion in Bunker



Centurion Bunker
A5578 - Baufotos

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