Schaarenwald, Paradies - Bunker und Sperrstelle am Rhein
Aktualisiert am: 09. Februar 2010
Seit es Menschen und Staaten gibt bilden Berge, Gewässer oder andere natürliche Hindernisse Grenzen. So auch der Rhein. Über seine gesamte Länge vom Bündnerland bis an die Nordsee trennt er Völker, Länder oder Imperien. Immer wieder wurden Kämpfe geführt, um eine Grenze bis an den Rhein zu schieben oder einen Übergang über den Rhein zu schaffen oder zu sichern. Besonders gefährdet waren daher alle möglichen Übersetzstellen.

Geschichte
Ein dieser Übersetzstellen befindet sich im Flussknie des Schaarenwaldes bei Diessenhofen - zwischen den Klöstern St. Katharinental und Paradies. Archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen haben gezeigt, dass bereits im 4. Jahrhundert die Römer im Bereich des Schaarenwaldes Türme zur Überwachung des Rheines errichtet haben. In der Zeit des frühen Mittelalters verlor der Rhein im Gebiet des heutigen Schaffhausen und Thurgau seine Bedeutung als Grenze, da die Habsburger und Kyburger Ländereien auch im Süden Deutschlands besassen.
Erst zu Zeiten Napoleons wurde der strategische Wert des Schaarenwaldes wieder bedeutend. Im Verlauf des 2. Koalitionskrieges gegen die französischen Truppen wählte der österreichische Erzherzog Karl die Flussbiegung 1799 als Übersetzstelle für seinen Feldzug gegen Zürich. Den Brückenkopf musste die einheimische Bevölkerung - auf Anordnung Karls - mit einer 1.5 km langen Schanze und Gräben sichern. Nachdem im September des selben Jahres die von den Franzosen bedrängten Russen sich wieder über den Brückenkopf im Schaarenwald nordwärts flüchteten, musste Bevölkerung wieder auf Befehl der Franzosen die Werke wieder einebnen.

Der Zweite Weltkrieg
Befestigungsbauten sind immer Zeugen unruhiger Zeiten. So entstanden im Laufe der Grenzbefestigungen des Rheins auch wieder Bunker und Unterstände im Bereich des Schaarenwaldes und Altparadies. Im Jahre 1938 wurde mit dem Bau begonnen. Diese wurden zunächst vom BBB (Büro für Befestigungsbauten) geplant und von lokalen Bauunternehmen erstellt. Ab der Mobilmachung 1939 / 40 wurden die Werke von den Truppen der Grenzbrigade 6 übernommen und weiter ausgebaut. Wegen der zunehmenden Bedrohung wurde 1941 die Sperrstelle durch weitere Bunker und Unterstände ergänzt.

Der Kalte Krieg
Auch nach Ende des Weltkrieges wurde die Stelle als besonders gefährdet eingestuft und durch weitere bauliche Massnahmen ergänzt und aktuell gehalten. So wurde Anfang der 60er Jahre eine massive Verstärkung der Sperrstellen vorgenommen durch zusätzliche Strassenbarrikaden, einem neuen GPH in Form eines Schienenhindernisses und mit zusätzlichen Permanenten Minen-Sperren (PMS) in der Hauptstrasse. Für die Truppe wurden zahlreiche neue Unterstände, Kleinunterstände (KUBU) und Kommandoposten unter dem Boden vergraben. Zur Verstärkung der Panzerabwehr vor den neuen Sperren wurden auch zwei Pak-Garagen errichtet für die mobilen 9cm Panzerabwehrkanonen der Grenztruppen. Erstmals wurde auch eine eigene Artillerie für das hier eingesetzte Battalion in Form der zwei 8.1cm Festungsminenwerfer F6525 Kyburgerstein und F6597 Türni in Schlatt errstellt. All diese Baumassnahmen zeigen, welches Gewicht man diesem Abschnitt beigemessen hat. Entstanden ist so eine der stärksten Sperrstellen im Bereich der Grenzbrigade 6.
Kartenausschnitt Sperrestelle Schaaren und Paradies (1:25'000)  [ Friends only ]

Schaarenwald heute
Teile der Anlagen gehören seit ihrer Stilllegung 1994 dem Trägerverein Rheinkastell. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die noch vorhanden Zeitzeugen der Befestigungs-Anlagen aus verschiedenen Zeitepochen der Nachwelt zu erhalten und der Öffentlichkeit die Geschichte des Rheins als Grenze näher bringen. Es wurde ein öffentlicher Lehrpfad errichtet, welcher mittels aufgestellten Hinweistafeln die Besucher des Naturschutzgebietes Schaarenwald über die Geschichte der vergangenen Zeit orientiert.
Ein Spaziergang durch dieses wunderschöne Naturschutzgebiet lohnt sich nicht nur für Geschichtsinteressierte. Die Natur hat viel zu bieten und dem aufmerksamen Beobachter zeigt sich eine eindrückliche Pflanzen- und Tierwelt. Die Picknick-Plätze am Rhein laden auch zum längeren verweilen an.
 
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Bunker am Rhein


Anlagen im Schaarenwald


Anlagen in Altparadies


Kalter Krieg
Sperren und Anlagen



Schiesspanorama 1942
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