Ellikon a.R., Andelfingen, Marthalen - Bunker und Sperrstelle am Rhein, Sprengobjekt Thurbrücke
Aktualisiert am: 18. April 2011
Auch im Abschnitt zwischen Ellikon am Rhein und der Mündung der Thur in den Rhein sind einige architektonisch besonders interessante Anlagen zu finden. Und auch geschichtlich kann dieser Abschnitt mit einigen interessanten Details aufwarten, zum Beispiel einer Brücke die 1940 in die Luft gefolgen ist, einem Bunker der beschossen wurde und einer Fähre die für 5 Franken verkauft wurde.

Kurioses und explosives
Neben den vom BBB standardisiert errichteten MG-Bunkern, wurden durch die Truppe während des Aktivdienstes einige spezielle Anlagen erstellt. Dazu gehört zum Bespiel der Beobachtungs-Bunker A5451 Ellikon-Fähre. Dieser befindet sich direkt in einem Haus integriert an der Fähranlagestelle in Ellikon. Dazu gibt es folgende Geschichte zu berichten:
1905 wurde eine Seilfähre mit dem gegenüberliegenden deutschen Ufer eingerichtet. Mit dem Kriegsausbruch 1939 musste der Fährbetrieb aber auf Grund eines Befehls "von oben" eingestellt werden. Das Fährschiff wurde an Land gezogen und in einen Schuppen gestellt. Im folgenden Jahr verfügte das Militär, dass das Schiff ins Landesinnere transportiert wird. Seit der Stilllegung hatte das Schiff aber derart gelitten, dass es nur noch zerstört werden konnte. Das dabei angefallene Holz wurde der in Ellikon stationierten Truppe der Gz Füs Kp II/267 für den Betrag von 5 Franken verkauft. 1946 wurde der Fährbetrieb wieder mit einem neuen Schiff aufgenommen. Der Bunker an der Fährstelle wurde in den 50er Jahren wieder aus dem Inventar gestrichen und die Nummer A5451 an einen weiteren Bunker "vererbt". Heute nutzen unzählige Spaziergänger am Rhein diese Fähre - ohne von der Geschichte und dem speziellen Beobachtungsbunker in Ellikon zu ahnen.
Die Anlagen und Objekte im Thurdelta hatten im Laufe des Aktivdienstes einige "Explosionen" zu verdauen. So wurde der MG-Bunker A5449 einmal aus "Versehen" aus dem AW Ebersberg mit einer 7.5 cm Granate beschossen. Der "Kratzer", den der Bunker davon getragen hat, ist noch heute zu sehen. Das Graffiti gleich daneben entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Aber urteilt selber darüber. Einen weitaus grösseren Knall erlebte die Thurbrücke. Sie dürfte eines der wenigen Sprengobjekte sein, welches im zweiten Weltkrieg auch wirklich "gesprengt" wurde. 1935 wurde die Brücke zwischen Ellikon und Flaach über die Thur errichtet. Ihr Leben war aber nur von kurzer Dauer. Wie alle Brücken im Grenzgebiet wurde auch sie für die Sprengung vorbereitet und mit Sprengstoff geladen. Am 16. Mai 1940 um 15:30 schlug aber ein Blitz in die Ladung und sprengte die Brücke unversehens in die Luft. Der Kanton entschied bald darauf die Brücke wieder zu errichten, welche heute noch steht.
Ein weiteres Kuriosum in Ellikon ist der unmittelbar beim Bunker A5453 stehende kleine, verwachsene Beobachtungsbunker. Dass dieser so lange unbekannt blieb, liegt an der Tatsache, dass dieser kleine Bunker von der Truppe erstellt wurde und nie offiziell seinen Weg ins Inventar der Armee gefunden hat. Deshalb erhielt er auch nie eine A-Nummer und wurde im Prinzip auch nie unterhalten. Trotzdem haben die Festungswächter dieser Region immer ein Auge auf ihn geworfen und ihn soweit als möglich und notwendig unterhalten. Mit der Aufgabe der Rheinbunker durch die Armee und der Auflösung des FWK ging auch dieser Bunker vergessen und so gibt es heute nur noch zwei oder drei Leute, die wissen, dass es den Bunker gibt und wo er steht. Dank Hinweisen von diesen Leuten konnten wir aber auch diesen vergessenen Igel für euch dokumentieren.
All diese geschichtsträchtigen Anlagen sind heute alle aus dem Inventar gestrichen und können bei einem angenehmen Spaziergang in schöner Natur problemlos erkundet werden. Besonders auffällig sind dabei aber die vielen Biberspuren, die man sehen kann.

Ausbau im Kalten Krieg
Während dem Krieg wurde die Gegend rund um Andelfingen hinter Ellikon praktisch nicht befestigt. Wie an vielen Sperrstellen entlang dem Rhein, fehlte es auch hier der Verteidigung an der Staffelung in die Tiefe.
Kartenausschnitt Sperrstellen Ellikon a.R. und Andelfingen Umgebung (1:25'000) [ Friends only ]

Dies änderte sich dann in den 1960er Jahren. Der Ausbau der Strasse zwischen Schaffhausen und Winterthur führte dazu, dass die Region Andelfingen und seinen Übergängen über die Thur zu starken Stützpunkten ausgebaut wurden. Die Region wurde entlang den Verkehrsachsen - wie in dieser Zeitperiode üblich - mit unzähligen VOBAG Unterständen, Kugelbunkern und Pak-Garagen befestigt. So zeigt die Gegend noch heute ein sehr homogenes Bild an Befestigungsbauten, die praktisch ausschliesslich aus dieser Bauperiode stammen.
Einige der Pak-Garagen stehen heute an kuriosen Stellen. Sei es in einem Golfplatz, in der Strasse eines Wohnquartiers, als Schaffstall in einer Wiese oder als private Garage direkt in einem Bauernhof.
Die meisten Unterstände sind heute geleert und zugeschweisst und in wenigen Jahren wird keiner mehr wissen, wohin die Türe im Grashang oder der Deckel im Wald führt. Nachfolgende Generationen an Archäologen werden viel Freude an den vielen Löchern rund um Andelfingen haben.
 
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Anlagen Ellikon a.R.


Anlagen Thurau


Sprengobjekt Thurbrücke


Sperrstellen Andelfingen
und Marthalen



Schiesspanorama 1941
[Historisches Exklusivmaterial]
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Interaktive Karte A5448 A5447 A5449 A5450 A5451 A5452 A5453 A5453_Beob A5454 F6972 F6365 F6367 T2908/09 M0722 F6297 T2784 F6352 F6351 F6350 F6347 F6345 F6371 T2796 T2790 T2888 M0723 F6379 F6380 F6387 F6388 T2889 F6890 F6847 F6891 F6871 F6850 F6851 F6874 F6876 F6877 F6881 F6864 F6865 F6831 F6806 F6807 F6811 F6812 T2901/02 T2899/T2900 T2895/96 T2906 T2791 M0724 M0729 M0735