Glattfelden, Weiach - Sperrstellen und Bunker am Rhein
Aktualisiert am: 02. Oktober 2010
Im Abschnitt zwischen Weiach und Rheinsfelden (Gemeinde Glattfelden) sind zahlreiche Anlagen der ersten und zweiten Verteidigungslinie zu finden. Anders als bei Eglisau ist jedoch diese zweite Verteidigungslinie nur noch teilweise erhalten.
Kartenausschnitt Anlagen Glattfelden und Sperre Weiach (1:25'000)  [ Friends only ]

Bunker an der Rheinlinie und im Kraftwerk Eglisau
Auch in diesem Abschnitt sind entlang des Rheins zahlreiche MG Bunker und Unterstände errichtet worden. Diese sind alle noch (Stand 2010) vorhanden. Eine eigentliche Besonderheit bildet dabei das Kraftwerk Rheinsfelden / Eglisau. Da die Kraftwerke wie Brücken gelten, mussten hier besondere Verteidigungsmassnahmen getroffen werden. Erste Massnahme war die Vorbereitung zur Sprengung von Stauwehr und der Stauwehrbrücke. Um einen Handstreich zu verhindern, wurde die Stauwehrbrücke in der Mitte zusätzlich mit Stacheldraht und Tor gesichert. Der überdachte Übergang wurde erst nach dem Krieg erbaut. Im Dach der Kraftwerksgebäudes errichtete man einen MG Stand, welcher in den beiden Ecken je mit einem MG auf Feldlafette ausgerüstet war. Dazu kamen kleinere Schiessscharten für Karabiner. Nach dem Krieg rüstete man die Bewaffnung auf Lmg, resp. Stgw 57 um. Auch im Stollen des Stauwehrs wurde eine Waffenstellung errichtet, um einen Handstreich zu vereiteln. Wie eintönig und latent gefährlich der Dienst hier unten, an vordersten Front für die Mannschaft war, bezeugen noch heute zahlreiche Inschriften und Graffitis aus der Zeit des Aktivdienstes an den Wänden. Neben den Waffenstellungen oben und unten gab es, gemäss den Erzählungen von alten Festungswächtern, auch noch zwei Schiessscharten im Treppenhaus von Stauwehr zu Wehrbrücke. In der Umgebung wurden dann noch zwei Sprengobjekte in Strasse und Eisenbahnbrücke errichtet. Im Kalten Krieg verstärkte man die Sperrstelle noch mit einigen zusätzlichen Unterständen.
Plan MG Stand A5412 Kraftwerk Rheinsfelden und SprO M0682  [ Friends only ]

Heiss war der Krieg nur einmal beim Kraftwerk. Dafür umso heftiger. Am 9. November 1944 bombardierten amerikanische Flugzeuge "irrtümlich" das Kraftwerk Rheinsfelden. Beim Angriff wurde zwar das Kraftwerk selber nicht getroffen, jedoch das angrenzende Bahnviadukt stark beschädigt. Schwerer als diese materiellen Schäden wog der Verlust von 3 Menschenleben. Zwar wurde ausserhalb des Kraftwerks ein ziviler Luftschutzbunker errichtet - welcher in seiner Form stark an einen Schindelbunker erinnert - trotzdem schaffte es der Betriebselektriker Eberle nicht bis dorthin. Er kam beim zweiten Angriff ums Leben. Tragisch auch das Schicksal des SBB-Gehilfen Adolf Schenkel und seiner Frau. Dieser rannte von Zweidlen Station nach dem ersten Angriff zurück zum Bahnwärterhäuschen, wo seine Frau das Mittagessen kochte. Auch er starb zusammen mit seiner Frau beim zweiten Angriff. Noch heute erinnert am Spazierweg entlang des Rheins ein Denkmal an jenen schicksalhaften Tag.
Plan der Schäden der Bombardierung von Rheinsfelden  [ Friends only ]

Von all diesen Anlagen ist heute kaum mehr noch etwas zu sehen. Alle Anlagenteile wurden früh entklassifiziert und bereits Ende der 80er Jahre durch die Kraftwerksbetreiberin NOK übernommen. Mit dem Beginn der Renovation des Kraftwerksgebäudes ab 2008 sind auch von aussen die Scharten nicht mehr zu sehen. So wussten wir lange nicht, was noch wirklich vorhanden war. Dank der freundlichen Einladung durch einen technischen Mitarbeiter des Kraftswerks konnten wir im März 2010 hinter die Mauern blicken und dabei die Reste der Anlagen besuchen. Wir danken an dieser Stelle der NOK und im besonderen Herr B. Neuweiler, welcher uns die Besichtigung ermöglicht hat. Als kleines Dankeschön für die viele Hilfe, die wir erfahren durften, haben wir Markus Meier zu dieser besonderen Besichtigung mitgenommen.

Sperrstellen Zweidlen - Weiach - Fisibach
Hinter dem Rhein erstreckten sich von Fisibach (AG) über Weiach bis Letten (Gemeinde Glattfelden) die Tankmauer und Bunker der zweiten Verteidigungslinie. Von dieser Linie sind heute noch alle grösseren MG Bunker erhalten. Die Tankmauer, welche sich früher über die gesamte Länge erstreckte, ist heute zum grossen Teil rückgebaut oder musste dem Autobahnabschnitt zwischen Bülach und Glattfelden weichen. Einzelne Teilstücke der Tankmauer sind aber noch gut erhalten.
Auch diese zweite Verteidigungsline wurde in den 1960er Jahren durch VOBAG Unterstände, KUBU und Pak-Garagen verstärkt. So sind in diesem Abschnitt noch heute vier Pak-Garagen für die mobile Panzerabwehr zu finden. Bei Weiach und Glattfelden bilden diese Anlagen eine dritte Verteidigungslinie hinter dem Rhein. Die Tatsache, dass die Tankmauer heute nicht mehr erhalten ist, dürfte dafür gesorgt haben, dass dieser Abschnitt nicht als schützenswert eingestuft wurde.

Mit der Dokumentation dieses Abschnitts haben wir die Gesamtdokumentation der Rheinlinie im Kanton Zürich abgeschlossen. Mit wenigen Ausnahmen haben wir alle heute noch stehenden wichtigen Anlagen fotografisch dokumentiert und so ein Gesamtbild über die Verteidigungsanstrengungen am Rhein erstellt. Wir hoffen, so einen Beitrag geleistet zu haben über die architektonische Wehrgeschichte der "vergessenen Igel" am Rhein im Kanton Zürich.
 
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[ Kraftwerk Rheinsfelden ]


Anlagen im Kraftwerk
Rheinsfelden/Eglisau



Anlagen in der Umgebung
Rheinsfelden/Eglisau


Rheinsfelden, Zweidlen Station
Bunker am Rhein



Sperrstelle Zweidlen
Abschnitt Ost



Sperrstelle Zweidlen
Abschnitt West



Sperrstelle Zweidlen
2. Verteidigungslinie



Weiach
Bunker am Rhein



Sperrstelle Weiach


Schiesspanorama 41/42
[Historisches Exklusivmaterial]
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Interaktive Karte A5404 A5405 F6010 A5406 A5407 A5408 A5409 A5410 A5411 F6115 A5412 A5371 A5372 A5373 A5374 F6101 A5375 A5376 A5378 F6022 F6025 F6024 F6027 F6028 F6103 F6104 F6082 F6083 F6085 F6086 M1907 M0687 T2708-01 T2708-02 T2708-03 T2708-04 T2721/19 T2674 T2734/35