Dorf - Brigade-Kommandoposten Grenzbrigade 6, A5310 Dorf
Aktualisiert am: 15. März 2013
Bis Ende der 50er Jahre hatten die meisten Kommandostäbe der Grenzbrigaden keine eigenen, oder nur sehr kleine und ungenügende, geschützte Kommandoposten. Dem trug das Armeekommando ab 1960 Rechnung und plante ein umfangreiches Bauprogramm für Kommandoposten. Erstellt wurden schweizweit fast baugleiche Anlagen, welche dann ab 1961 als Felswerk realisiert und bis 1964 fertiggestellt wurden.

Die Anlagen bestanden aus einem Zugangsstollen, Stollen für Lüftung und Notausgang sowie drei unterschiedlich grossen Felskavernen. Eine Kaverne enthielt die Notstromgeneratoren (zwei Saurer Dieselmotoren) und Filteranlagen. Eine kleinere Kaverne war Unterkunft für Werkschutz und Wachmannschaften. Die grösste Kaverne bot Platz für einen doppelstöckigen Büro- und Unterkunftstrakt. Die Anlage war zwar gross genug, dass der gesamte Brigadestab untergebracht werden konnte, jedoch war Platz immer Mangelware.
Plan Brigade-KP A5310, Felswerk [ Friends only ]

Getarnt wurden die Eingänge mit Tarngebäuden in Form von landwirtschaftlichen Ökonomiegebäuden. Als Besonderheit wiesen diese "Scheunen" Scharten für MG11 auf. Für die infanteristische Aussenverteidigung erstellte man ASU und Kugelbunker. Die Funkverbindungen liefen über mehrere Übermittlungs-ASU.

Kommandiert wurde die Grenzbrigade 6 aus dem Kommandoposten A5310 Dorf. Brigade-intern hatte die Anlage den Spitznamen "Villa Arbenz". Dies in Anlehnung an den bekannten Brigadekommandanten und späteren Flüchtlingsdelegierten des Bundes, Peter Arbenz.

A5310 wurde Mitte 2011 entklassifiziert. Die militärhistorischen Stiftung des Kantons Zürich möchte die ANlage übernehmen und hat beim Kanton eine Umnutzungsbewilligung gestellt.

Geheimhaltung wurde immer gross geschrieben. Davon zeugt der Erlebnisbericht von Hauptmann H.G., Kommandant einer PAL Kompanie in der Gz Br 6:

Die Geheimhaltung der Anlagenstandorte wurde sehr G R O S S geschrieben in der Gz Br 6. Man bekam von Ihnen eigentlich nichts mit, ausser dass es sie geben sollte und man hin und wieder in Manövern oder Übungen in den einen oder anderen KP bestellt wurde. Das funktionierte dann meistens so:
Man wurde auf eine bestimmte Zeit an einen Treffpunkt in einem Dorf bestellt und fand sich pünktlich dort ein. Anstatt dann aber in den meist verregneten kalten Nächten gleich in einen warmen trockenen Raum zu gelangen und mit heissem Kaffee, Bouillon oder Kuchen bewirtet zu werden, musste man erstmals sein eigenes Fahrzeug stehen lassen und in eine Deckung schicken. Dann bekam man einen Zettel mit einer Wegbeschreibung ab irgendeinem Punkt an irgendeinem Waldrand zum lesen und auswendig lernen (Landkarten mussten beim eigenen Fahrzeug zurückbleiben). z.B. hätte darauf stehen können: dritte Waldstrasse rechts, dann bei der nächsten Kreuzug geradeaus, dann nächste links, wieder links, zwei Kreuzungen geradeaus, dann rechts, dann nach ca. 200 m steht der Einweisposten, Passwort: xxx. Manchmal musste man den Weg dann auswendig wiederholen bis man ihn fehlerfrei intus hatte, was durchaus sinnvoll war. Anschliessend wurde man in einen Pinz verfrachtet (hinten natürlich und mit geschlossener Plache) und an den Start der Odyssee gebracht. Die grosse Devise war: kein Fahrzeugverkehr in der näheren Umgebung von KPs (Rgt und Br mindestens). Ein kameradschaftliches Lebewohl und schon stand man allein oder mit zwei, drei Kameraden, die gleiches vor hatten, einsam und verloren irgendwo im Schwarz-Grünen. Dann gings los, zu Fuss, ohne Licht, in feuchtkalter stockdunkler Nacht, möglichst noch bei Nebel, Nieselregen und mit innen und aussen nassen Schuhen... und doch klappte das eigentlich recht gut, erstaunllicherweise haben wir uns nie wirklich verlaufen.
Zurück gings dann ähnlich, wieder zu Fuss bis zu einem Treffpunkt, wo dann der Pinz wieder auf uns wartete. Allerdings war es nachher schon etwas frustrierend, wenn man später den Weg nochmals vor dem geistigen Auge ablief, jetzt wieder mit der Landkarte in der Hand, und dann feststellte, dass der KP, der so mühsam und umständlich erreicht wurde, eigentlich fast direkt an der Strasse liegen musste, auf der man vorher selber zum ersten Treffpunkt gefahren war.
Immerhin haben wir mit solchen Übungen gelernt, dass man sich auch ohne technische Hilfsmittel zielstrebig in der Natur bewegen kann, eine Erfahrung unter vielen im Militär, die ich letztlich nicht missen möchte.
 

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A5310 Aussen
 

Eingangsstollen
 
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Obergeschoss
Unterkunft Br Stab
Interaktive Karte A5398 A5565 A5574 A5310