Die Grenzbrigade 6 - Geschichte und Überblick
Aktualisiert am: 01. August 2011
In den Grenzbrigaden hatte jeder Truppenverband einen im Voraus bestimmten und vorbereiteten Einsatzraum. Man sprach deshalb von "ortsfesten Truppen". Stärke und Gliederung der Grenzbrigaden richteten sich nach der Grösse des Einsatzraumes und waren daher nicht einheitlich. Einsatzraum der Grenzbrigade 6 waren der Kanton Schaffhausen, Nordteil des Kantons Zürich und Nordwestteil des Thurgaus. Der letzte Auftrag der Grenzbrigade 6 lautete: "Stellt den Neutralitätsschutz sicher, widersetzt sich mit Schwergewicht am Rhein einem feindlichen Stoss durch ihren Raum, hält einen Brückenkopf Schaffhausen".
Um ihren Auftrag erfüllen zu können, war die Grenzbrigade 6 wie folgt gegliedert:
Ordre de bataille (OB) und Organisation  [ Friends only ]

Der Einsatzraum der Grenzbrigade 6, galt zusammen mit dem Raum der Grenzbrigade 5 als der am meisten bedrohte Raum. Dies sowohl im 2. Weltkrieg, als auch im Kalten Krieg. Während östlich der Grenzbrigade 6 der Bodensee (Gz Br 7) und der Alpstein (Gz Br 8) einen schnellen Panzervorstoss verunmöglichten, gab es im Einsatzraum der Sechser "nur" den Rhein. Dieser galt auf seiner ganzen Länge im Brigaderaum als respektables Geländehindernis, welches allerdings durch künstliche Mittel (Rheinabsenkung, lage- und zeitgerechte Sprengung von Rheinbrücken und Kraftwerkbauten) sowie durch massives Feuer der Rheinbunker, der Festungsminenwerfer, der mobilen Artillerie und der Flieger auf den Fluss und vor allem auf die gegnerischen Bereitstellungen und Feuerbasen verstärkt werden musste. Dies war umso nötiger, als es zwischen Eschenz und Kaiserstuhl verschiedene Übersetzstellen gab, wo Ein- und Ausstieg für gegnerische Angriffsverbände, die neben starken Geniemitteln auch über amphibische Kampffahrzeuge verfügten, möglich waren. Von diesen Übersetzstellen oder Brückenköpfen aus konnte der Vorstoss in die Räume Winterthur bzw. Kloten-Bülach fortgesetzt werden. Als besonders günstig für den Angreifer und damit gefährlich für die Grenzbrigade 6 galten die Übersetzmöglichkeiten bei Eschenz, Stein am Rhein, Rheinklingen, Diessenhofen, Dörflingen-Büsingen und Hohentengen. Dort und auf den anschliessenden Vorstossachsen befanden sich denn auch die meisten Permanenzen.

Als Schlüsselräume der Grenzbrigade 6 galten der Brückenkopf Schaffhausen sowie die Rheinlinie mit Eschenz, Stein am Rhein, Wagenhausen, Diessenhofen, Paradies, Eichhof (Uhwiesen), Rheinau, Rüdlingen-Ebersberg, Eglisau-Seglingen, Rheinsfelden und Kaiserstuhl. Südlich des Rheins waren Schlüsselräume im Abschnitt rechts (Inf Rgt 52) Herdern, Stammerberg, Schlattingen-Stammheim-Rodenberg, Dickihof-Wildensbuch-Trüllikon und Ossingen-Gisenhard; im mittleren Abschnitt (Inf Rgt 53) Andelfingen-Alten und das Dreieck Flaach - Hueb a.J. - Goldenberg sowie im linken Abschnitt (Inf Rgt 54) Rorbas-Freienstein, die Senke von Wölflishalden-Rinsberg, Wagenbrechi-Hard N Bülach, Glattfelden-Aarüti, Weiach-Raat, Fisibach-Hägele und die Stadlersenke.
Wichtige "rückwärtige" Sperren auf Strassen, an denen der durch Sprengobjekte, Panzerbarrikaden oder permanente Minensperren gestoppte Gegner nicht mit verbunkerten, sondern mobilen Waffen (Pak, PAL, Rak Rohr, Panzerfaust) bekämpft worden wäre, befanden sich in den Räumen Schiterberg, Bönler (im Wald zwischen Andelfingen und Ossingen), im Wald SE Desibach, Goldenberg (Chlätter), Forenbuck (NW Goldenberg), Bebikon (Irchel) und Lättenacker (zwischen Dorf und Hünikon).
Das letzte Kampf-Dispositiv der Gz Br 6 im Fall einer Teilmobilmachung der Armee [ Friends only ]

1994 gab es im Einsatzraum der Grenzbrigade 6 folgende Permanenzen: 66 Kommandoposten, 892 Unterstände inkl. Kugelbunker, 100 Bunker, davon 12 mit Pak 50, 24 Geländepanzerhindernisse, 151 Panzerbarrikaden, 85 Sprengobjekte "R" und "L" und 2 verbunkerte Sanitätshilfsstellen (Wildensbuch und Scharenwald). Zu den Permanenzen der Grenzbrigade 6 gehörte auch das Artilleriewerk Ebersberg bei Berg am Irchel. Per 31.12.1977 wurde das Artilleriewerk desarmiert und gleichzeitig die Fest Kp 96 aufgelöst. Für die neuen 12 cm Festungsminenwerfer war auf den 1.1.1968 die selbständige Fest Kp 106 aufgestellt worden. Die ersten Anlagen waren jedoch schon am 1.1.1966 einsatzbereit und gehörten anfänglich zur Fest Kp 96. Der letzte 12 cm Festungsminenwerfer der Grenzbrigade 6 wurde im Juli 1988 fertiggestellt und angeschossen. Das Projekt einer weiteren Anlage im Raum Trauf, südlich von Thayngen, liess man fallen.

Die ca. 9'000 AdA der Grenzbrigade 6 verfügten über eine Bewaffnung, welche 111 Mg 51, ca. 90 Fest Mg 51/80, 11 Fest Lmg 25, 16 Flammenwerfer, 424 Rak Rohre 8.3 cm, 48 Mw 8.1 cm, 5 Fest Mw 8.1 cm, 44 mob Pak 9 cm, 12 Fest Pak 9 cm, 120 Zielgeräte PAL BB 77 "Dragon", 12 Flab Kan 20 mm, 24 mob 10.5 cm Hb Mod. 46, einige 12 cm Fest Mw 59/83, sowie 590 Motorfahrzeuge und 523 Fahrräder umfasste.

Mit Einführung der Armee 95 wurde die Grenzbrigade 6 zusammen mit allen anderen Grenzbrigaden und den drei Reduitbrigaden aufgelöst. Geblieben sind aber die Permanenzen, welche man auch heute noch im ehemaligen Brigaderaum in grosser Zahl finden kann. Auch nach Auflösung der Grenzbrigade wurden in der Armee 95 zahlreiche Permanenzen durch das Festungspionier Batallion 41 weitergeführt, bis auch diese Formationen mit der Armee XXI aufgelöst wurde. Per 2012 werden nun auch die letzten Sperrstellen und Permanenzen aufgegeben und entklassifiziert. Der Bau von Befestigungen und Permanenzen wird ab dann endgültig der Vergangenheit angehören.
In diesem Kapitel stellen wir euch die Permanenzen im ehemaligen Brigaderaum vor. Wir dokumentieren auf diese Weise die grossen Anstrengungen und Leistungen der früheren Generationen, welche alles Mögliche taten, damit die "braunen" und später "roten" Horden nicht von Norden in die Schweiz einfallen konnten.

Wir danken an dieser Stelle herzlichst allen Organisationen und Personen, welche uns dabei geholfen haben, die umfangreiche Dokumentation in diesem Kapitel zu erstellen.
 
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