Reuenthal/Full, Leibstadt - Bunker am Rhein und Sperrstellen - Militärmuseum Full
Aktualisiert am: 08. Januar 2010
Der Grenzschutz in den 1920er und 1930er Jahren
Schon früh erkannte man, dass man zum Schutz der Grenzen auch organisatorische Massnahmen ergreifen musste. Man unterschied beim Grenzschutz zwei Fälle. Im Fall A, bei nicht akut bedrohtem Grenzabschnitt, hätten die Grenzschutztruppen einzig aus der einheimischen Landsturm-Infanterie, den Grenzwächtern und den Mineur-Detachementen. Der wesentlich wahrscheinlichere Fall eines verstärkten Grenzschutzes (Fall B) hätte von der Truppe verlangt, die Grenze mehrere Tage zu halten. Dies wäre bei akuter Bedrohung oder einem Angriff notwendig geworden, denn man rechnete, dass "6 Tage verstreichen, bis die Armee vollständig mobilisiert hat". In diesem Zusammenhang fiel die bemerkenswerte Äusserung von Divisonär De Diesbach: "Der Grenzschutz hat sich auf dem Platz zu ofpern". Daraus ergab sich, dass der verstärkte Grenzschutz in der Lage sein musste, die Stellungen entsprechend lange zu halten. Darum wären die Grenzschutztruppen des Fall A im Fall B um sämtliche in der Grenzzone wohnhaften Wehrmänner verstärkt worden. Entscheidend für den Einsatz beim Grenzschutz war nicht mehr die militärische Einteilung, sondern nur der Wohnort.
Diese Organisation hatte den Charakter einer "militärisch organisierten Volkserhebung". Ausschlaggebend für diese Organisation - welche Ende 1935 in Kraft gestellt wurde - war die neue Bedrohungsform des "strategischen Überfalls", der die Armeeführung dazu zwang, schnell verfügbare Truppen an der Grenze zu haben und die Mobilmachung der Feldarmee zu ermöglichen.

Der organisierte "Volksaufstand" wird geübt
Aus heutiger Sicht kann man sich den Organisationsgrad und den Ausbildungsstand eines durch Alarm ausgelösten "Volksaufstands" gar nicht primitiv genug vorstellen. In den Jahren 1936 und 1937 fanden Grenzschutzalarm-Übungen statt. Bei diesen Übungen sollte mit den bunt zusammengewürfelten Männern der Grenzregion bis zum frühen Nachmittag die Stellungen bezogen werden, um die Kontrolle bis zur Mittagszeit des Folgetages zu beenden und die Übung abbrechen zu können.
Alarmiert wurden die Angehörigen des "Volksaufstandes" gemeindeweise. Dazu wurden die Kirchenglocken Sturm geläutet und die Feuerhörner geblasen. Die gesamten wehrpflichten Männer rückten in der Gemeinde ein und wurden von einem vorher bestimmten Unteroffizier zu bestimmten Sammelplätzen geführt. Die Männer wurden gemeinde- oder gebietsweise zusammengefasst und es wurden ihnen ad hoc Aufträge erteilt. Die entsprechenden Aufträge wurden vermutlich im vornherein von Kommandostellen (Rgt, Bat) formuliert und an die entsprechenden Kader erteilt. Das Ausführen der Aufträge hing dann aber hingegen wieder vom dem Vorhandensein des entsprechenden Kaders ab.
Die Verpflegung für die Übung wurde selber mitgebracht, Korpsmaterial gab es nicht, ebensowenig Sanitätsmaterial. Die Kollektivwaffen (Lmg, MG) waren nur sehr selten vorhanden, da diese in den Zeughäusern eingelagert waren und erst irgendwie herangeschafft werden mussten. Es wird berichtet, dass einzelne Werke und Abschnitte während ganzen solchen Übungen ohne MG waren. Die Berichte über die Alarmübungen waren unterschiedlich. Es gab Berichte über ernsthaftes Arbeiten, aber auch von "unorganisierten Haufen", "Freischärlerzügli" und vom "lustigen Grenzschutz". Die Übungen waren eine deprimierende Sache und von einem ernsthaften "Ausexerzieren der Stellungen" - wie sich dies die Generalstabsabteilung vorgestellt hatte - konnte keine Rede sein. Zwar verlief die Alarmübung 1937 um einiges besser, trotzdem waren viele Mängel noch nicht behoben.

Die Bevölkerung und die Wehrmänner des Grenzraumes beobachteten gespannt, was sich auf beiden Seite der Grenze tat. Es herrschte weder Furcht noch Angst. Es war damals selbstverständlich, dass man dem Alarm folgte. Ebenso war es selbstverständlich, dass man mit Pflichterfüllung die Aufträge ausführte, dort, wo eine geordnete Führung vorhanden war. Die Ergebnisse der Grenzschutzalarme blieben aber entäuschend und zeigten die desolate Organisation auf, in der sich der Grenzschutz befand. Man erkannte, dass es einer Neuordnung der Organisation mit militärisch geordneten Verbänden bedurfte.

Die Zeit war reif für die Schaffung der Grenzbrigaden, wie sie mit der Truppenordnung 38 (TO38) per 1.1.1938 eingeführt wurde. Fortsetzung folgt.....

Sperrstelle Reuenthal
Die Sperrstelle Reuenthal war zu Beginn der Mobilmachung noch nicht vorhanden. Es existierte nur die lose Bunkerkette am Rhein und das Artilleriewerk selber. Es wurde sofort erkannt, dass eine Tiefenstaffelung geschaffen werden musste, und so wurde ab 1940 überall hinter dem Rhein mit dem Bau zusätzlicher Sperren begonnen.
Im Raum Reuenthal enstanden so die Sperrstellen Felsenau, Bettlerküche und Kirchtannen - Kalttannen. Ursprünglich war die zweite Linie zwischen Klingau - Leuggern - Hettschwil geplant, jedoch bevor diese realisiert werden konnte, entstand die Zweite Linie rund um das AW Reuenthal.
Die Anlagen sind heute praktisch alle noch erhalten. Einzig die GPH wurden teilweise bereits rückgebaut. Die meisten der erhaltenen Anlagen wurden vom Verein Festungsmuseum Reuenthal übernommen und können in Gruppen besichtigt werden.
Kartenausschnitt der Anlagen der Sperrstellen rund um das Artilleriewerk Reuenthal (1:25'000)  [ Friends only ]

Panzernahbekämpfung beim Militärmusem Full
Im Fullfeld ist neben einigen Bunkern auch noch das Militärmuseum Full zu finden. Bei unserer Tour im Fullfeld übte Auf dem Gelände des Militärmuseums Full gerade eine "Reanactor-Truppe" die Panzernahbekämpfung auf einen Praga-Panzerkampfwagen 39, von dem die Schweizer Armee kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges noch 24 Stück bestellt hat. Diese Gelegenheit liessen wir uns natürlich nicht entgehen, um einige Fotos zu schiessen und die Video-Funktion der Kamera auch einmal zu verwenden - es entstanden dabei kurze Filmsequenzen von einem Praga-Panzerkampfwagen 39 in voller Fahrt in Full-HD Qualität.
Um die Filme im Quicktime-MOV Format betrachten zu können, benötigt ihr das Plug-in Quicktime-Player von Apple. Falls ihr diesen nicht auf euerem PC installiert habt, könnt ihr diesen kostenlos downloaden unter http://www.apple.com/quicktime/download/.

Praga Panzerkampfwagen 38 in Vorbeifahrt
[Quicktime-MOV Format, 00:40 min, 7.1 MB]

Panzernahbekämpfung anno 1940 an einem Praga Panzerkampfwagen 38
[Quicktime-MOV Format, 00:31 min, 5.4 MB]
 

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A4242 Gibralter
A4261 Felsenau-Fels
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Panzerwagen 39 Praga

A4262 Felsenau-Wald
 
Panzer Schweiz

Anlagen Abschnitt
Bettlerküche
 
Panzer Ost und West

A4265 Bettlerküche
Innen
 
Artillerie & Panzerabwehr

Anlagen Abschnitt
Kichtannen - Kalttannen
 
Fliegerabwehr

Anlagen Abschnitt
Rhein / Fullfeld
 
Fahrzeuge und Diverses

Anlagen Abschnitt
Leibstadt
 

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