Die Sperrstelle St. Antönien (1284) sperrt die Zugänge vom Montafon ins Prättigau und verhindert somit eine Umgehung der Festung Sargans im Süd-Osten. Schon 1799 marschierte ein
österreichisches Kontingent unter dem Kommando von General von Hotze während der Franzosenkriege aus dem Raum Schruns über die Pässe bei St. Antönien und fiel in das Prättigau ein.
Die Sperrstelle besteht aus einer Vorsperre in der Ortschaft St. Antönien und der Hauptsperre zwischen Fröschenei - Gadenstätt - Chrüz.
Baugeschichte
Die erste Rekognoszierung fand im Juni 1939 statt. Mit dem beschlossenen Bau der Festung Sargans erhielten die Prättigauer Pässe wieder eine höhere Bedeutung, da diese Umgehungsrouten
nun auch befestigt werden mussten. Eine erste Serie von Kavernen wude vom BBB im November 1939 bei privaten Bauunternehmen in Auftrag gegeben. Diese Anlagen wurden dann innert einem
Jahr gebaut und im Rohbau fertiggestellt. Die definitive Fertigstellung mit Innenausbau (Kollektivmaskenschutz, Inneneinrichtung, Wasser etc.) dauert aber noch bis in den Herbst 1942.
Im Mai 1940 rekognoszierte der Kommandant der Geb Br 12 die Sperrstelle und beschlosse eine massive Verstärkung. Nun war vorgesehen 12 Bunker und Unterstände zu bauen. Dazu erarbeitete
das Baubüro der Geb Br 12 die detailierten Pläne, während Internierte dazu eingesetzt wurden, die Fahrstrasse von Luzein via Pany nach Gadenstätt auszubauen. Anfang 1941 waren die
Bauaufträge an zivile Unternehmen vergeben und von August an konnten dann die ersten Stände als schussbereit gemeldet werden. Erst 1943 erteilte man dann Aufträge, um den Innenausbau fertig
zu erstellen, so dass die Werke erst 1943 komplett fertig erstellt waren.
Zuständigkeiten und Aufträge
Zu Beginn gehörte die Sperrstelle zur Geb Br 12. Diese hatte den Auftrag, einen feindlichen Vormarsch durch das Halten der Sperre St. Antönien Castels - Tschuggen, der Sperre Fröschenei -
Gadenstätt und durch Detachemente im Raum Kreuz - Stelserberg zu verhindern. Im Herbst 1943 wechselte dann die Zuständigkeit. Die erstarkte Armee wurde mit dem dem Operationsbefehl
Nr. 13 vom 12.7.1943 vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Sie sollte nun die Grenzzonen verteidigen, agressiven Widerstand im Vorfeld (!) leisten und die Zentralraumstellung halten. Am
25.10.1943 verschob der General die Abschnittsgrenze zwischen dem 3. und 4. Armeekorps. Die Folge davon war, dass die Sperrung der Zugänge vom Montafon ins Prättigau auch zwischen der Sulzfluh
und östlich des Schlappiner Jochs zu einer Aufgabe der Festung Sargans wurde.
Bis 1.1.1944 waren die neuen Befehle erteilt und die Truppen neu geordnet. Nun war es Aufgabe der Sargans-Südfront, die Anlagen bei St. Antönien zu besetzen und die Übergänge zu halten. Dazu
beschränkte man sich nicht nur auf eine passive Verteidigung. Ganz im Gegenteil - die neuen Befehle lauteten "klärt sofort nach Eintritt des Kriegszustandes ins Montafon auf und stört daselbst
die Bewegungen des Feindes". Die Armee traute sich nun offensichtlich mehr zu, als sich nur im Bunker zu verschanzen und auf den Feind zu warten. Bis Kriegsende änderte sich an der
Unterstellung nichts mehr.
Erst mit der Truppenordnung 51 wurde die Grenzbrigade 12 geschaffen und die Zuständigkeiten neu geregelt. Das Prättigau fiel nun an die neu geschaffene Grenzbrigade 12 und verblieb dort bis
zu ihrer Auflösung 1994. Gleichzetig wurden auch alle Anlagen der Sperrstelle St. Antönien aufgehoben und entklassifiziert.
Top 10 Sperrstelle
Was die Sperrstelle so besonders macht, ist ihre wunderbare - noch heute bestens erhaltene - Tarnung. Damit die Bunker in der Alp oder im Ort nicht auffallen, wurden sie meisterlich entweder
als Scheunen, Felsen oder Wasserreservoir getarnt. Die Tarnung war so vollkommen, dass das "Wasserreservoir" noch heute als ein solches in den Landeskarten eingetragen ist. Absicht oder ein
Versehen? So oder so zählt diese Sperrstelle in Sachen Tarnung - aus unserer Sicht - zu den Top 10 in der ganzen Schweiz. Sie sind für jeden "Igelsucher" ein unbedingtes Muss. Trotzdem
wurde diese Sperrstelle nicht als erhaltenswert eingestuft. Die Anlagen sind heute alle verkauft und gehören privaten Eigentümern.
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