St. Gotthard - Das Hospizwerk und die Sperrstellen am St. Gotthardpass
Aktualisiert am: 22. Januar 2012
Der Gotthard mit seinem Pass und den Tunnels war - und ist heute noch - ein Mythos. Seine Geschichte beginnt bereits zu Zeiten der Römer, welche den Pass unter dem Namen Adula Mons bereits kannten, aber wenig benutzten. Die Geschichte des Gotthard-Passes ist lang und spannend und darüber hier berichten zu wollen, würde den Rahmen sprengen. Ein wichtiges Ereignis, welches für den späteren Befestigungsbau Bedeutung bekommen sollte, war die erste Gotthard Passtrasse, welche zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Bekanntestes Teilstück der alten Gotthard-Passtrasse ist die Tremola. Diese Strasse besteht aus Kopfsteinpflaster und zahlreichen gemauerten Serpentinen. Die Gotthard-Passstrasse hatte zur Folge, dass diese nun wichtige Transitachse geschützt werden musste.

Das Fort auf dem Hospiz
1886 dachte man zuerst an ein Blockhaus für 2 bis 3 Geschütze und 2 Maschinengewehre, sowie eine Besatzung von 50 Mann. Daneben sollte noch jeweils links und rechts der Gotthardstrasse eine Verteidigungslinie - Jägergraben genannt - für eine Kompanie und Maschinengewehre erstellt werden. Das Projekt erweiterte man um einen Panzerturm, was die Kosten auf 170'000 CHF trieb. Trotz Streichungen bis auf 110'000 CHF musste auf das Hospizwerk vorerst verzichtet werden. Gebaut wurden nur der Jägergraben. Man erkannte, dass dies ungenügend sei und führte Versuche mt transportierbaren 5.3 cm Kanonen und einer 12 cm Haubitze durch. Der gewünschte Erfolg blieb aus, so dass man sich entschloss, bei den Seen ein geschlossenes Erdwerk mit Flankiergallerien zu errichten. Aber die fehlenden Finanzmittel verhinderten auch dies.
So kam es zu einer Kompromisslösung und es wurde auf dem kleinen Absatz über den Hospizseen ab 1893 ein Werk erbaut. Dieses so genannte Redoute wurde im Zeichen grösst möglicher Sparsamkeit erbaut, welches den klassischen Grundsätzen der Befestigungskunst emtsprach. Bald schon sprach man vom "Fort Hospiz". Zu Unrecht, denn eine kleine selbstständige Festungsanlage, die sich selber verteidigen konnte, war das, was da gebaut wurde, nicht. Zur Nahabwehr entstand ein System von Gewehrgallerien verstärkt mit zwei 5.3 cm Fahrpanzern und - für den Feuerkampf auf Distanz - zwei 12 cm Panzerhaubitzen. An unterirdischen Räumen wurde nur ein Munitionsmagazin, ein Schiessbüro und einige wenige nach Norden gerichtete Wohnkasematten erstellt. Es entstand ein Zwitter aus permanentem und provisorischem Werk, welcher als Hauptmangel seine Lage hatte. Das Hospizwerk war vom Monte Prosa her überhöht, so dass die Verteidiger in den offenen Gräben einem Angreifer wehrlos ausgeliefert waren. Trotz aller Bemühungen wollte es nicht gelingen die unglückliche Schöpfung in einen kriegsgenügenden Zustand zu bringen. Den Lawinen ausgesetzt lag das Werk während sieben Monaten unter einer tiefen Schneedecke, es fehlte an Schussfeld und Überblick, die Feuerkraft der beiden Haubitzen konnten nicht ausgenutzt werden, und dazu kam noch, dass die Unterkunft unbewohnbar war, da es viel zu feucht war. Das Gotthardkommando behob an Fehlern, was möglich war. So verfügte es den Ausbau der oberen Unterkünfte, sicherte die Position mit zwei weiteren Fahrpanzern und errichtete noch ein Beobachtungspanzerturm. Trotzdem stellte das Festungsbüro Andermatt 1903 resigniert fest: "Aus den Protokollen der Befestigungskommission geht hervor, dass man so lange herumberaten hat, bis schliesslich die nach Baustelle, Bauart und Armierung unglücklichste und unzweckmässigste Baute zur Ausführung gelangte." In der letzten Bauetappe - kurz vor dem 1. Weltkrieg - wurden der obere und untere Werksteil mit einem Zwischentrakt verbunden, die Unterkunfts- und Versorgungsfrage besser gelöst und das Werk mit Infanteriestellungen ausserhalb der Anlage gesichert. Die Baukosten betrugen inzwischen mehr als 1 Mio Franken, was weit über dem ursprünglich veranschlagten Kredit lag. Die genauen Baukosten konnten aber nie eruiert werden, da viele Arbeiten durch die Truppe selber erfolgten.
Plan vom Hospizwerk und Bauphasen [ Friends only ]

Auch im Zweiten Weltkrieg spielte das Hospizwerk eine - wen auch kleinere Rolle. So wurde die Bewaffnung modernisiert, indem zwei Infanteriekanonen die Fahrpanzer ersetzten sowie zwei 10.5 cm Pressluftminenwerfer und 8 Lmg die Aussenverteidigung ergänzten. Auch der Bedrohung durch Flugzeuge wurde Rechnung getragen. So erhielt das Werk einen Zug 20 mm Flabkanonen Model 1937 und 10 Flab Doppel-MG.

Das Hospizwerk wird zum Museum
1947 musste das Hospizwerk als kriegsunbrauchbar abgeschrieben werden und diente fortan bis Mitte der 1980er Jahre als Truppenunterkunft. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Anlage in einem so schlechten Zustand, dass das EMD nach Verbesserungsmöglichkeiten suchte. Abklärungen ergaben, dass das Werk für die damaligen Anforderungen der Armee zu gross war. Der untere Teil genügte vollauf für die geforderte Unterbringung einer Infanteriekompanie. Man erkannte jedoch, dass man es mit einem ungewöhnlichen Bauwerk zu tun hatte und suchte den Kontakt zur 1972 gegründeten Stiftung Pro Gotthard. 1988 unterzeichnete EMD Chef Bundesrat Koller einen Vertrag mit der Stiftung, welcher den Umbau des Werks zu einem Museum und zur Truppenunterkunft regelte. Der entsprechende Kredit von 6 Mio CHF wurde von den eidgenössischen Räten im Jubiläumsjahr 1991 bewilligt und 1998 erfolgte die Eröffnung des neuen Museums im ehemaligen Hospizwerk.

Sperrstellen am Gotthard
Neben den bekannten grossen Werken auf dem Gotthard gab es auch noch einige kleinere Anlagen, welche zum direkten Schutz des Passes und der Umgebung der Artilleriewerke errichtet wurden. So ist die Tremola am Eingang und Ende durch kleinere Infanteriewerke und Sprengobjekte gesichert worden. Auf und um den Pass sind zahlreiche Unterstände und Gebirgsunterkünfte zu finden. Um die zahlreichen Stellungen mit indirektem Artilleriefeuer unterstützen zu können, wurde in den 1960er Jahren ein 8.1 cm Festungsminenwerfer errichtet.
Filmausschnitt: 8.1 cm Festungsminenwerfer im scharfen Schuss  [ Friends only ]

Das FWK Denkmal
Neben diesen kleinen Werken ist am Eingang zum Werk Sasso da Pigna noch ein weiteres wichtiges Denkmal zu finden. 2005 wurde hier das Denkmal für das ehemalige Festungswachtkorps errichtet. Ein wunderschöner in Stein gehauener FWK-Turm erinnert an jene Leute, welche von 1942 bis 2003 über die "vergessenen Igel der Festung Schweiz" gewacht haben. Mit diesem Denkmal an diesem Ort wurde den ehemaligen FWK-Angehörigen ein würdiges Denkmal errichtet, welches leider von den normalen Touristen auf dem Gotthardpass viel zu wenig Beachtung bekommt.
 
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FWK Denkmal
Impressionen Hospiz



Hospizwerk
Aussen



Hospizwerk
Innen



Festungsminenwerfer
A8389



St. Gotthard
Sperrstellen und Bunker



Sprengobjekt M1475

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