Airolo - Artilleriewerk A8350 Stuei und Fort Motto Bartola
Aktualisiert am: 03. Februar 2012
Mehr als zwei Jahrzehnte - 1860 bis 1882 - war nichts geschehen in Sachen Befestigungsbau in der Schweiz - ausser jede Menge Planungen. Erst im Jahr 1885 nach der Eröffnung des Gotthardeisenbahn-Tunnels beendete der Bundesrat diese Phase und löste die erste Bauetappe in Sachen Gotthardbefestigung aus. Eines der ersten Werke, welches ab 1886 errichtet wurden, war das Fort Airolo. Die verschärfte politische Lage in Europa des Jahres 1886 führten aber dazu, dass, noch bevor das Fort Airolo fertig gebaut war, schnell erstellbare Lösungen gefunden werden mussten.

Motto Bartola
Oberstdivisionär Pfyffer hielt in einer Lagebeurteilung im Dezember 1886 einen Kriegsausbruch im kommenden Frühjahr durchaus für möglich. Da das Fort Airolo allerdings erst im Herbst 1889 bezugsbreit sein würde, beantragte die Befestigungskommision den Bau eines innert 4 bis 8 Wochen zu erstellenden provisorischen Werkes auf Motto Bartola. Es sollte die Strasse von Airolo hinauf zum Gotthard decken, den Bau des Forts Airolo schützen und nach seiner Vollendung dieses ergänzen.
Der Kostenrahmen von 120'000 CHF liess sich aber nicht halten und ein Bau quasi aus dem Stand heraus war ebenso unrealistisch. Also konnte auch hier nach einer langen Planungsphase erst 1888 mit dem Bau einer offenen Batterie für vier 12 cm Kanonen und einiger Stellungen für Feldgeschütze begonnen werden. Um im Kostenrahmen zu bleiben, musste man sich - mit Ausnahme der Geschützstellungen - mit einem schusssicheren Munitionsmagazin, ein paar betonierten Unterständen und den Schützengräben begnügen. Es mag erstaunen, dass man zu dieser Zeit - trotz fortschreitender Waffentechnik - noch offene Anlagen baute. Pfyffer wies aber darauf hin, dass ein durch die Leventina vorstossender Gegner in der ersten Staffel nur leichte Artillerie mit begrenzter Reichweite mit sich führen kann. Von Motto Bartola aus könne man diesen Gegner mit 12 cm Kanonen erfassen und bekämpfen, noch bevor dieser in der Lage sein, die Stellungen selber unter Feuer zu nehmen.
Bis zum 1. Weltkrieg erfolgten verschiedene weitere Um- und Ausbauten, so dass die ersten Anlagen heute nicht mehr als solche zu erkennen sind. Der projektierte Bau eines Panzerforts auf Motto Bartolla wurde nicht mehr realisiert. Dafür ergänzte man während des 1. Weltkriegs das Dispositiv mit offenen Stellungen für Feldgeschütze beim daneben liegenden Cassina. Zur Verbesserung der Sturmfreiheit der Terrasse von Motto Bartola entstanden östlich und westlich je eine mit Maschinengewehren ausgerüstete Flankieranlage in permanenter Bauart. Ebenso errichtet man bei Cassina, Stuei und im Fortareal von Gaspei Stellungen und Unterstände für 90cm Scheinwerfer.
Plan von Motto Bartola aus der Zeit des 1. Weltkriegs [ Friends only ]

Die Kaserne von Motto Bartola wird heute noch genutzt und dient Schulen und Kursen als Unterkunft. Wie gut die Wahl der Stellung bei Motto Bartola ist, bezeugen Kampfanlagen, die bis in die Neuzeit hinein in der Umgebung errichtet wurden.

Artilleriewerk A8350 Stuei
Das Fort Airolo hatte zahlreiche schusstote Winkel. Um in diese zu wirken, wurde 1891 ein Vorprojekt für eine Flankiergalerie bei Stuei durchgeführt. Ab 1893/94 wurde die Anlage als vollständiges in Fels gehauenes Werk erstellt, welches nicht nur die toten Winkel von Airolo abdeckte, sondern auch die linke Flanke von Motto Bartola schützte. Es bestand aus einer Geschützkasematte mit zwei 8.4 cm Kanonen und einer Unterkunftskaverne. Zusätzlich war das Werk noch mit einem 60 cm Scheinwerfer ausgerüstet. Obwohl es beim Bau Probleme mit der Geologie gab, galt das Werk mit seinen dem Feind abgewandten Scharten als eines der besten Forts am Gotthard.
Pläne des Artilleriewerks A8350 Stuei [ Friends only ]

Da die Kaverne zu klein war, wurde diese ab 1910 mit zwei neuen Kavernen für Munition und Maschinen ergänzt. Die Stellung bewährte sich dermassen, dass noch nach dem Zweiten Weltkrieg (1950 - 52) das Werk um eine weitere Geschützkasematte mit 2 Geschützen, Stollen und Kavernen ergänzt wurde. Die alten 8.4 cm Kanonen mussten moderneren 7.5 cm Kanonen auf Hebelafetten weichen. Da ab Mitte der 70er Jahre alle 7.5cm Kanonen wegen Problemen mit der Munition ausser Dienst genommen wurden, ist 1977 auch diese Anlage als Artilleriewerk aufgehoben worden.
Panoramablick von Motto Bartolla in Richtung Stuei
 
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Motto Bartola


Batterie Cassina


Flankiergallerie A8316
Motto Bartola West Aussen



Flankiergallerie A8316
Motto Bartola West Innen



Artilleriewerk A8350 Stuei

Interaktive Karte A8370 AW A8370 MW A8342 A8343 A8344 A8345 A8355 A8356 A8350 A8309 Fort Airolo A8377 A8376 A8371 A8372 A8351 A8364 CassinaBttr A8362 A8361 A8367/68 Motto Bartolla A8316 A8334 abgebrochen A8336 A8337 A8315 Gaspiei Blockhaus Gaspiei MG1 Gaspiei MG2 Gaspiei MG3 A8314 A8328 A8329 A83xx abgebrochen Fahrpanzer A8327 A8326 A8325 A8324 A8323 A8308 A8335 A8363 A8365 A8366