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Schon als wir letztes Jahr am Gotthard waren, war uns bewusst, dass wir alleine für die südliche Gegend drei Tage veranschlagen müssen. Und so haben wir das letzte Wochenende beschlossen, diese drei Tage zu
investieren und sind nach Airolo aufgebrochen. Die Gegend vom Gotthard Südportal bis hinauf zur Alpe di Fieudo bietet Festungsbaugeschichte von 1890 bis 1998 - also mehr als 100 Jahre Festungsbaugeschichte,
welche es zu entdecken gibt. Während den drei Tagen sind wir auf viel bekanntes - aber ebenso auf viel noch unbekanntes gestossen.
Der Freitag begann am Morgen mit trüben Wetter. Auf der ganzen Fahrt bis zum Gotthard begleiteten uns Wolken und Regen. Langsam zweifelten wir schon, ob es klug war, schon am Freitag frei zu nehmen. Also machten wir oben am Pass das Beste daraus und haben versucht, bei San Carlo einige Bunker bei gleichmässigem Licht und ohne Schatten aufzunehmen. Der zunehmende Regen setzte aber dem Versuch abrupt ein Ende und so sind wir die Tremola hinunter. Kaum unten angekommen, hörte der Regen auch schon auf und die Sonne begrüsste uns im Tessin. So haben wir dann als erstes bei Motto di dentro die Hänge abgesucht und sind dabei auf einige alte verlassene Waffenstellungen gestossen. Diese waren teilweise schon total verwachsen und mussten erst von Gebüsch befreit werden. Auch oberhalb von Foppa Grande sind noch einige einfache Waffenstellungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu finden, welche wir aufgesucht haben. Diese Anlagen war so einfach gehalten, dass die Scharten gleichzeitig auch der Eingang waren. Am Nachmittag trafen wir uns mit unserem Tessiner Spezialisten in Sachen Festungsbau. M.T. hat sich extra den Nachmittag frei genommen, um uns zu einigen noch unbekannten Anlagen zu führen. Gleich unweit von Motto Bartolla befindet sich versteckt unter hohem Gras eine weitere Waffenstellung mit dem Namen Grotto Noldi. Da die Scharte offen war, fiel es Christiane leicht hier einzusteigen und auch einige Innenaufnahmen zu machen. Wieder mussten wir feststellen, dass - im Gegensatz zur deutschen und französischen Schweiz - im Tessin die Anlagen des Zweiten Weltkrieges sehr primitiv ausgefallen sind. Von Bunker kann man hier keinesfalls sprechen, wenn man diese Anlagen sieht. Von hier ging es weiter zu Kavernen, Unterständen und Artilleriestellungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, bis wir unten in Airolo angekommen waren. Hier fanden wir am Rande des Kasernenarelas - verborgen unter dichten Büschen - noch zwei weitere MG Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, welche als Tessiner Alphütten getarnt sind. Gerade als wir weiter wollten, entdeckten wir zufällig noch auf dem Gegenhang eine Gewehrgallerie aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Also schnell hinüber geklettert und diese auch noch fotografiert. Die Abendsonne schien gerade perfekt auf Fort Stuei, so dass wir spontan noch dort hinauf gefahren sind, um einen abgelegenen MG Bunker sowie Stuei selber noch einen Besuch abzustatten. Die Zeit verging viel zu schnell, so dass wir uns dann am Abend von unserem Führer verabschieden mussten. An dieser Stelle danken wir nochmals herzlichst M.T. für die Zeit, die er sich genommen hat. Dank unserer Zusammenarbeit haben wir alle dabei noch einige bisher unbekannte Anlagen im Gelände gefunden. Wir freuen uns schon auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Erkundungen. So sind wir dann am Abend müde ins Hotel gefahren und haben eine reinigende Dusche genossen. Der viele Staub, der sich auf uns angesammelt hat, wollte entfernt werden, bevor wir das wohlverdinete Nachtessen genossen. Auch hier zahlte sich wieder der Tip der Einheimischen ein. Diese lotsten uns alle in das kleine Ristorante Airolo, wo ein altes Ehepaar zusammen eine klassische Tessiner Küche pflegt. Wo sonst bekommt man ein klassisches Tessiner Polenta mit frischen Steinpilzen und als Dessert selbst gepflückte Heidelbeeren? Solltet auch ihr einmal in Airolo euere Zelte aufschlagen, so können wir euch einen Besuch in diesem kleinen aber feinen Ristorante - abseits der Hauptstrasse - nur empfehlen. Die Sonne schien schon morgens herrlich und so hielt es uns nicht lange im Bett. Den zweiten Tag nahmen wir dann wieder alleine in Angriff und starteten bei der Flankiergallerie West bei Motto Bartolla. Diese S-förmige langezogene Gallerie wurde im 1. WK erbaut und liegt direkt in der Kurve der alten Gotthardstrasse. Alle Zugänge zu dieser Anlage - welche am Ende noch als Brandhaus für die Feuerwehr diente - sind inzwischen zugemauert worden. Dank den Hinweisen von M.T. fanden wir aber schnell die einzig noch offene Tür zu dieser Anlage. Hinein ging es in dieses dunkle Labyrinth. Obwohl alt, verraucht und schon sehr devastiert gab es doch noch einiges zu entdecken. Sei es die alte Kochstelle, die Waschbrunnen, der Koks-Bunker, zahlreiche Inschriften oder die unzähligen Waffenstellungen. Offenbar wurde die Anlage während des 2. WK noch modernisiert und die Zugänge von den Stellungen zum Unterkunftsbereich durch die Verkleinerung der Durchgänge verstärkt. Die ganze Anlage erinnerte uns von den Gängen her, dem Abfall und Dreck, sowie den verrauchten Gängen an die alten Küstenartillerie-Batterien in Kroatien. Es soll keiner sagen, dass die verlassenen Anlagen in der Schweiz "sauberer" sind. Nachdem alles erkundet war, sind wir hinunter gewandert zu einem MG Bunker aus dem 2. WK. Diese Anlage wurde offenbar noch im Kalten Krieg mit Stein-Schotter Aufbauten verstärkt. Dies ist an dem noch relativ neuen Maschendraht zu erkennen. Trotzdem ist auch diese Anlage am zerfallen. Der ehemalige Tarnaufbau jedenfalls liegt bereits kaputt vor der Anlage. Schade - so gab es halt kein Foto mehr mit Tarnaufbau. Als wir wieder hinauf steigen wollten zur Strasse, entdeckten wir eine weitere uns unbekannte Lmg Kaverne. Solche Endeckungen freuen uns natürlich immer besonders. Die Schartentarnung hier war noch bestens erhalten, was wohl daran liegt, dass hier kein Wanderweg wie am anderen Bunker vorbei führt. Das Highlight hier aber waren die vielen wilden Walderdbeeren die es zu pflücken gab. Natürlich haben wir uns nicht nehmen lassen, diese seltene Spezialität zu kosten. Nach einer Rast mit kühlen Getränken und feinem Sandwich aus unserem portablen "Kühlschrank" stand der nächste Programmpunkt an. Ein Besuch im Museum Fort Airolo. Dieses weitgehend wenig bekannte Museum entpuppte sich als ein wahres kleines Juwel. Das Fort wurde 1887 bis 1890 erbaut und diente in beiden Weltkriegen. Als eine der letzen Anlagen wurde es nicht aus Beton, sondern aus Granitsteinen erbaut. Das Werk sollte den strategisch wichtigen Gotthard Eisenbahntunnel, sowie die Zugänge von von Osten und Westen schützen. Dazu war die Anlage mit einem Panzerturm mit zwei 12 cm Kanonen, sowie mit fünf 8.4 cm Kanonen ausgerüstet. Ein 1 km langer Stollen führt noch heute vom Fort bis hinunter zum Gotthardtunnel. Während der Kasernenteil derzeit noch von der Arme genutzt wird, sind die Kampfanlagen und das Munitionsmagazin im Inneren des Forts unter Führung zu besichtigen. So endeckten wir bei unserem Rundgang Dinge, die in später erbauten Anlagen in modernerer Form auch zu finden sind. Als Beispiel sei der Munitionsaufzug vom Magazin im Herzen des Forts hinauf zu den Kampfständen erwähnt. Das Prinzip, das angewendet wurde, ist bis zu den modernsten Anlagen erhalten geblieben. Auf der Tour gab es allerlei einzigartiges zu entdecken. So sei hier der Kugelmörser erwähnt oder ein Festungsflammenwerfer, wie er früher zur Verteidigung des Tunnelportals verwendet wurde. Neben vielen anderen Ausstellungsstücken interessierten uns besonders die alten Karten und Pläne, an Hand derer wir noch Hinweise erhielten, wo wir nach Anlagen suchen sollten. Nachdem wir das Fort von innen gesehen hatten, sind wir noch im Graben und an der Grabenkante rund herum gelaufen, um Aussenaufnahmen zu machen. Solltet ihr an einem Samstag in Airolo sein, so besucht doch unbedingt diese besondere Ausstellung. Sie ist immer um 13:30 oder 15:00 Uhr geführt zu besichtigen. Schade macht der Verein für dieses sehr schöne Museum so wenig Werbung. Uns jedenfalls war viel zu wenig bewusst, was es hier alles zu sehen gibt. Noch schien die Sonne und so sind wir nochmals hinauf zu Motto Bartolla. Direkt über der Gallerie der Autoschnellstrasse bei Cima del Bosco gibt es noch eine kleine Waffenstellung, die wir aufsuchen wollten. Und so sind wir zwei "Spinner" auf die Gallerie hinauf gestiegen, um auch noch dieses Loch zu sehen. Mancher Autofahrer dürfte sich gewundert haben, als er uns dort hinauf steigen sah. ;-) Aber es lohnte sich. Nicht nur wegen des Lochs, sondern auch weil es einen guten Blick auf Motto Bartola von dort gab. Am Ende waren wir dann aber müde und hungrig, so dass wir uns auf machten ins Hotel und zu einem weiteren feinen Nachtessen im Ristorante Airolo. Der Sonntag begann trübe. Wolken hangen über der Leventina und dem Gotthard und die Autos stauten sich schon wieder vor dem Südportal. Etwas mürrisch standen wir trotzdem früh auf und checkten nach dem Frühstück dann bald einmal aus. Eigentlich hatten wir einige Aufnahmen mit der Morgensonne beim Eingang der Kaserne Airolo geplant. Dort gibt es noch zwei Fahrpanzer und einen kleinen Bunker zu sehen. Bei Morgensonne sind sie am besten beleuchtet. Dort angekommen fing aber die Sonne an durchzudrücken und so kamen wir doch noch zu unseren Fotos mit den Sonnenstrahlen. Ebenso legten wir nochmals einen Stop in Foppa Grande ein, um vom Panzerturm und dem Minenwerfer ein paar neue schöne Aufnahmen zu bekommen. Hier beschlossen wir dann, hinauf zu fahren zur Raststätte bei Cassina del Buco, da es dort noch zahlreiche Unterstände und Schützengräben aus der Zeit des 1. WK zu sehen gibt. Dies war schnell erledigt und so fiel unser Blick hinauf zur Alpe di Fieudo. Dort oben steht das erste reine Infanteriefort und die am höchsten gelegene Anlage aus der ersten Festungsbauperiode. Schon immer haben wir uns gesagt, dass wir eines Tages dort hinauf steigen werden. Also wollten wir einmal in die Nähe fahren und erkunden, welches der beste Weg wäre, um dort hinauf zu gehen. So sind wir die Strasse hinauf gefahren, bis es wegen Fahrverbot und Strassensperre nicht mehr weiter ging. Von der Karte hier war der östliche Aufstieg relativ kurz, aber steil. Wie wir nun so hier standen, trennten uns 100 Höhenmeter und 1 km vom Ziel. Die Temperatuen waren angenehm und die Sonne verschwand immer wieder einmal hinter den Wolken. Und so entschlossen wir uns spontan, dass wir jetzt nach Fort Fieudo hinauf steigen wollten. Also Rucksack gepackt, Fotoausrüstung zusammengestellt und Verpflegung und Getränke verstaut. Der Anblick von unten täuschte nicht - die gewählte Route entpuppte sich zwar als länger, aber wesentlich leichter als der östliche Aufstieg. Schon nach knapp 40 Minuten waren wir oben und wurden belohnt! Von hier hat man einen sensationellen Ausblick hinüber zum Gotthard (und Sasso da Pigna), einen prächtigen Blick auf die Tremola und hinunter nach Airolo und die Leventina. Auch die Sonne schien, als wir oben waren und so konnten wir in Ruhe und ungestört Fotos von Fort Fieudo machen. Dank einer Leiter am Fort, kann man sogar auf das Dach hinauf steigen. Selten haben wir bei so schöner Aussicht ein Picknick gemacht und uns wieder vor Augen geführt, was die schönen Momente an unserem Hobby sind. Es sind nicht nur die Bunker - sondern die Landschaft, die man entdeckt, die Orte, die man ohne die Bunker niemals sehen würde und die Menschen, die man dabei kennen lernt. Solche Momente wie hier oben, wo man die Einsamkeit und Ruhe geniesst und den Herrgott einen guten Mann sein lässt sind es, welche unser Hobby so speziell machen. Trotzdem hiess es dann wieder aufzubrechen und hinunter zu steigen. Dieses Mal wählten wir die östliche Route, welche uns vorbei führt an den tiefer unten gelegenen bombensicheren Kasematten und den bis zu 100 Meter langen Schützengräben. Auch diese haben wir noch erkundet und nach 3 Stunden sind wir dann wieder beim Auto angekommen. Unterwegs haben noch einige Murmeltiere dafür gesorgt, dass auch noch einige Tierfotos den Weg auf unsere Speicherchip gefunden haben. Die aufziehenden Wolken waren dann aber schuld daran, dass wir unsere Gotthardtour für dieses Wochenende hier oben beendet haben. Drei Tage gehen schnell vorbei, wenn man auf Erkundung ist. Auch wenn wir auf relativ eng begrenztem Gebiet unterwegs waren, so haben wir viel neues entdeckt. Airolo und der südliche Gotthard sind defintiv eine Reise wert - trotz des Muskelkaters, den wir mitgebracht haben. Mal schauen, wo uns die nächstes Mehrtagestour hin führen wird. |