Foto-Tour 01. August 2010: Sonntagsausflug nach Davos-Laret
  Fotos unserer 1. August-Tour in Davos-Laret


So wie viele andere auch haben wir den 1. August für "patriotische Aktivitäten" genutzt. OK, bei den meisten beschränkt sich diese "patriotische Aktivität" auf grillen, trinken, viel Lärm machen und viel Geld in den Himmel befördern. Wir aber fuhren hinauf nach Davos-Laret zwecks photografischer Aufnahmen von entklassifizierten Befestigungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Laret versuchte man die anspruchsvolle Aufgabe damit zu lösen, den topografisch sehr unübersichtlichen Übergang zwischen Klosters und Davos zu sperren. Entstanden ist eine Sperrstelle bestehend aus drei Verteidigungslinien, die bis hinauf zur Schwarzseealp und zum oberen Ende des Davosersees reichen.

Nachdem wir uns von der Party - zu der wir am Vorabend eingeladen waren - erholt hatten und einige Stunden Schlaf konsumierten, sind wir wieder in Richtung Bündnerland aufgebrochen. Mit dieser Idee aber waren wir nicht alleine, wie wir auf der Strasse unschwer feststellen konnten. Zum Glück interessierten sich die Massen aber nicht für die Bunker bei Laret, sondern viel mehr für Davos. In Laret angekommen, haben wir dann gleich einmal die erste Anlage von der Liste gestrichen. Die MG Kaverne A7711 Mönchalptal lag auf der anderen Talseite und der Weg wäre für "nur" eine Anlage zu weit und zu steil gewesen. Also haben wir uns auf die Anlagen im Wald von Grossweid gestürzt. Obwohl nur mit ungefähren Koordinaten ausgerüstet, sind wir hier schnell fündig geworden. Highlight ist hier der als Waldarbeiterhütte getarnte Bunker A7712 Auf dem Bord. Hier wurde die typische "Bündner Tarnung" (Aus Bunker mach unscheinbare Hütte) angewendet. Aus uns unbekannten Gründen hat man sich den Aufwand für die anderen 3 Bunker hier oben gespart. Diese stehen sehr gut als Bunker erkennbar mitten im Wald.
Nachdem dieser Teil fertig war, hiess es wieder Auto holen und zum nächsten Stop zu fahren. Der idylische kleine Schwarzsee lud uns dann zu einem Picknick-Halt ein. Einmal hingesessen und die Sonne genossen, hatte aber auch seinen "Nachteil". Es fiel uns schwer, uns wieder aufzuraffen und weiter zu machen. Zu schön war es hier oben. Irgendwann aber siegte der Entdeckerdrang wieder in uns und weiter gings um den Schwarzsee. Hier oben befindet sich wieder eines der "Wasserreservoirs", die es in die Landeskarten geschafft haben, obwohl sie im Inneren alles andere als nass sind. Der Bunker A7716 Schwarzsee rechts ist so einer. Er liegt direkt am See und die vielen Spaziergänger haben keine Ahnnung, woran sie da vorbei laufen. Entsprechend entgeistert und fragend haben sie unsere fotografischen Aktivitäten beobachtet. Wir sind uns sicher, dass einige uns für verrückt gehalten haben. OK, das ist ja auch nix neues. ;-)
Gleich gegenüber auf einer Anhöhe liegt dann der Gegenbunker A7717. Er ist als Baracke getarnt und von unten sieht man nur das Dach der Tarnkonstruktion. Als wir dann hinauf gekraxelt sind, haben wir dann gleiche einmal feststellen dürfen, dass es einen einfachen Weg hinauf gegeben hättte. Diese Feststellung haben wir dann später gleich nochmals machen dürfen, als wir zum Bunker A7710 Schulhaus gelaufen sind. Dieser Bunker war bei unseren Ungefährangaben weiter oben eingezeichnet, als er wirklich war. Als wir den Weg zur Bahnlinie hinauf mühsam erklommen haben, sahen wir dann auf halben Weg unten das Dach der Tarnkonstruktion. Also hiess es wieder runter kraxeln, nur um dort festzustellen, dass auch hier ein wunderbarer einfacher Weg vorhanden gewesen wäre. Damit stand es 2:0 für die Bunker. Auch diese Anlage ist als Waldhütte getarnt und für Ungeübte nicht auf den ersten Blick als Bunker erkennbar. Heute aber liegt der Bunker mitten im Gehölz, so dass er so oder so nicht mehr zu sehen ist. Wie an allen Anlagen, so nagt auch hier der Zahn der Zeit.
Nun warteten noch zwei Anlagen auf der anderen Strassenseite auf uns. Der Bunker A7708 Lusiwald liegt oben am Hang, mitten im Wald. Dass das Tarngebäude noch steht ist pures Glück. Zwei grosse Tannen sind auf den Bunker gefallen, haben aber den Tarnaufbau nicht zu zerstören vermocht. So konnten wir davon noch ein paar Fotos machen, bevor der Aufbau vermutlich beim Beseitigen des Sturmholzes auch mit entsorgt wird. Letzte Anlage in Davos-Laret war dann der Bunker A7709 Landhaus. Zwar von der Strasse sichtbar, trennte ein Bach uns von diesem Bunker. Lange haben wir gesucht, wie man zu diesem Bunker wohl dazu kommt, bis wir realisiert haben, dass die Zugangs-Brücke, die es hier offenbar früher einmal gab, beseitigt wurde. Um also zu diesem Bunker zu kommen, muss man auf Niedrigwasser hoffen und den Bach durchqueren. Dies haben wir dann auch getan und so auch diese Anlage ablichten können.
Die weiteren Anlagen haben wir dann für dieses Mal "sausen" lassen. Einerseits benötigt man, um zur Schwarzseealp hinauf zu kommmen eine Fahrbewilligung - andererseits war am Davosersee zuviel los, als dass wir dort hätten in Ruhe der Suche hätten nachgehen können. Also werden wir dies ein anderes Mal nachholen.

So beschlossen wir dann eine kleine Autotour zu machen und sind dann das Landwassertal hinab Richtung Tiefencastel gefahren. Kurz vor Thusis haben wir dann noch die kleine Sperrstelle Schyn fotografiert. Hier bei Passmal (rät. für schlechter Durchgang) wurde mittels eines Sprengobjektes und zwei MG-Kavernen an der engsten Stelle der Durchgang versperrt. Die Kaverne A7806 Schyn rechts befindet sich direkt über dem Portal des Passmal-Tunnels. Gleich neben dem modernen Tunnelportal sieht man noch die alte Strasse mit dem alten Tunnel, welcher hier früher gesperrt wurde. Auf der anderen Seite des Albulatals befindet sich in schwindelerregender Höhe des wichtigere Gegenwerk A7807 Schyn links. Von dort aus konnte man auf die ganze Schynstrasse und die Trasse der RhB wirken. Leider ist die Anlage nur sehr schwer von der anderen Talseite zu erreichen. Also mussten einige Aufnahmen mit dem Teleobjektiv hier den Zweck erfüllen. Diese Anlage führte uns wieder vor Augen, mit welchem ungeheueren Auwand an den unmöglichsten Stellen Wege erstellt, Baumaterial angeschleppt wurde (von Hand oder mit Maultieren), Kavernen ausgebrochen, Beton gemischt und Scharten einbetoniert wurden. Dies alles nur, um am Ende ein MG dahinter in Stellung zu bringen. Eine Leistung, die heute für viele nur noch schwer verständlich ist, und dem entsprechend nicht mehr gewürdigt wird. Wir fragen uns, wie heute wohl das selbe Bauprojekt hier verwirklicht werden würde.

Und so ging der erste August auch für uns zu Ende. Zwar haben wir nicht das ganze geplante Programm abgespult, aber das macht nix. So haben wir dann einen Grund, wieder in diese schöne Gegend zu fahren. Sollten in den kommenden Wochen wieder so schöne Wochenenden kommen, werden wir aufbrechen zu unseren Mehrtagestouren. So planen wir bis in den Herbst hinein jeweils einige Tage in Richtung Gotthardregion, Oberwallis und St. Maurice zu gehen. Falls ihr uns Tipps und Infos zu diesen Gegenden habt, so sind wir euch dafür natürlich immer dankbar.