
|
Obwohl der Wetterbericht für Samstag Regen voraussagte, haben wir uns trotzdem entschlossen, eine Einladung in den Kanton Zug anzunehmen und einige Anlagen zu besichtigen. Zusammen mit einigen
"Bunkerologen" wollten wir die Bunker-Highlights im Besitz der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zug besichtigen. Dies war nicht unsere erste Tour bei der MHSZ, durften wir doch schon
früher die BL-64 Stellung in Menzingen ausführlich anschauen.
In aller Frühe hiess es los fahren, war doch schon um 8 Uhr Start in Unterägeri. Vollzählig besammelt zogen wir als erstes los zum wieder komplett restaurierten MG Bunker A7241 Windegg. In mühevoller Arbeit wurde diese - kleine aber sehr feine - Anlage wieder komplett ausgerüstet und Leben eingehaucht. Besonders der Unterkunftsteil hat es uns angetan, denn hier wurden sogar Lebensmittel-Requisiten im Raum platziert. Die hängenden Salami und Landjäger, die Eier und das Brot, der aufgeschnitte Leib Käse - all das gab dem Raum den speziellen Kick. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass wieder einmal ein junger Mensch seine destruktive überschüssige Energie am Bunker ausgelassen hat. So wurde die bemalte Bunkerfront kürzlich durch eine hässliche Sprayerei verschandelt. Solche Chaoten sind uns ein Dorn im Auge - zerstören sie doch mit ihrer vermeintlichen "Kunst" die Arbeit von anderen Menschen, welche mit viel Energie in ihrer Freizeit ein Denkmal wieder in Stand gestellt haben. Wenn ihr übrig Zeit und Spraydosen habt, sucht euch doch ein Objekt, wo ihr keinen Schaden dabei einrichtet. Wie würde es euch gefallen, wenn man euere Besitztümer kaputt machen würde?? An dieser Stelle sei gesagt, dass Strafanzeige erstattet wurde und früher oder später dieser Vandale zur Rechenschaft gezogen wird. Nächster Halt war die Sperre am Sigristboden. Hier warteten zwei besondere Anlagen auf uns. Der Panzerabwehrbunker A7245 Sigristboden 1 ist zwar noch nicht restauriert, jedoch konnten wir hier eine Aufnahme machen, welche wir so noch nicht in unserem Archiv hatten. Der Bunker war früher mit einer 7.5 cm Kanone ausgerüstet und weist den für diese Region typischen grossen Schartentopf auf, der damals bei den Bunkern der 6. Division verbaut wurde. Später wurde der Bunker mit einer 9 cm Pak auf Pivot-Lafette umgerüstet - der übergrosse Schartentopf aber blieb. So liessen wir es uns nicht nehmen, die Pak wieder in Stellung zu bringen und diese besondere Kombination auch von aussen zu fotografieren. Gleich unterhalb des Bunkers befindet sich die IK-Garage A7246 und der IK Schild A7247. Um die IK aus der Garage in Stellung zu bringen wurde hier eine betonierte Rollbahn errichtet. Die IK Garage ist wieder restauriert und beherbergt als Besonderheit noch heute eine IK. Auch diese Kombination konnten wir so bis heute noch nirgends im Feld antreffen, weswegen natürlich auch hier unsere Freude besonders gross war und auch ausgiebig fotografisch dokumentiert wurde. Zum Abschluss sind wir noch hinunter zum grossen Tankgraben gefahren, um auch davon einige Aufnahmen zu machen. Dieser ist schon so sehr zugewachsen, dass nur dort ,wo er ausgeholzt ist, er auch als Tankgraben zu erkennen ist. In einigen Jahrzehnten werden sich dann sicher die meisten fragen, warum man damals diesen Betongraben gebaut hat, sofern solche Zeitzeugen für die Nachwelt nicht dokumentiert werden. Vom Sigristboden fuhren wir dann hinüber zum Infanteriewerk 7240 Phillipsburg. Diese Bunker-Anlage ist die grösste im Kanton Zug. Der Unterkunftstrakt und der mit 2 MG ausgerüstete Kampftrakt sind über einen Stollen miteinander verbunden. Auch diese Anlage wurde wieder mit viel Liebe zum Detail restauriert. Einzig die Notstromgruppe fehlt in dieser Anlage, was aber bei der Fülle an anderen Details, die dafür vorhanden sind, wieder aufgewogen wird. Nachdem der angekündigte Regen bisher immer noch ncch nicht eingetroffen war, verschoben wir uns von der Phillipsburg hinauf zum Raten. Hier wollten wir die östlichen Anlagen besichtigen. Erster Stop war der wieder ausgerüstete MG Bunker A7195 Raten 1. Dieser MG Bunker weist als einzige Anlage beim Raten einen Tarnaufbau in Form einer Scheune auf. Alle restlichen Bunker sind ohne Tarnaufbau, da sie mitten im oder beim Wald liegen. So haben wir es uns dann nicht nehmen lassen, Raten 1 auch geöffnet aufzunehmen, sehr zum Erstaunen einiger Autofahrer, die spontan am Rand anhielten und aus der Ferne auch ein Foto machten. Noch immer erregen Betonklötze, die hinter scheinbar harmloser Fassade auftauchen, das Interesse der Leute. Nachdem noch drei andere Bunker besichtigt waren, war es Zeit für eine verspätete Mittagspause. Zum Glück hatte das Restaurant offen und so konnte wieder Energie getankt werden. Als kleinen Verdauungsspaziergang haben wir dann zum Schluss noch die letzten 4 östlichen Bunker aufgesucht. Dies rechtzeitig bevor dann doch noch die ersten Regentropfen fielen. An dieser Stelle danken wir der MHSZ und unserem Führer recht herzlich für die Möglichkeit, diese Anlagen zu besichtigen. Obwohl es sich um eher kleinere Anlagen handelt, haben sie alle ihre Besonderheiten und sind durchwegs einen Besuch wert. Den interessierten "Bunkerologen" und weniger bedarften Zivilisten unter euch, können wir einen Besuch dieser Werke nur empfehlen. Bestimmt werdet auch ihr Dinge entdecken, die ihr bisher an anderen Orten so noch nicht gesehen habt. Wir für unseren Teil freuen uns auf eine Fortzsetzung bei nächster Gelegenheit. |