Foto-Tour 03. Juli 2010: Unterwegs bei den "Wölfen im Schafspelz" rund um Gadenstätt
  Fotos unserer Tour rund um Gadenstätt und St.Antönien


Jeder der das Buch "Wölfe im Schafspelz - Befestigtes Graubünden" kennt, hat sie schon gesehen. Die als Scheunen getarnten Bunker bei Gadenstätt. Diese prächtigen Tarnungen haben uns schon immer fasziniert und so wollten wir einmal dort hinauf gehen und die Anlagen selber besichtigen. Gestern war es dann soweit. Trotz der angekündigten hohen Temperaturen wollten wir es versuchen. Und so sind wir in aller Frühe aufgebrochen in Richtung Prättigau, um die Morgenkühle zu nutzen.

Bereits kurz nach 8:30 sind wir bei Gadenstätt am Oberen Boden eingetroffen. Die Sonne schien schon wunderbar in die Hügel und auch die Bunker waren sofort zu erkennen. Sie liegen weitläufig verstreut in den Wiesen und Hängen, so dass einige der Anlagen nur durch steile Aufstiege in Augenschein genommen werden können. Also hies es Ausrüstung gepackt und sofort - so lange die Sonne noch nicht voll drauf brennt - hinauf zu den am weitesten entfernten Anlagen. Nach einer halben Stunde war das erste Ziel erreicht. A7748 begrüsste uns im besten Licht. Das ungeübte Auge sieht einen kleinen Maiensäss - der Profi sieht sofort den Bunker. Auch heute - wo der Bunker in privatem Besitz ist - ist seine ursprüngliche Tarnung erhalten geblieben. Nach kurzer Rast nahmen wir den nächsten Aufstieg zu A7749 unter die Beine. Diese Anlage ist im Gegensatz zu den anderen Bunkern am Oberen Boden nicht als Scheune, sondern als Felsen getarnt. Und auch hier ist er noch in seinem ursprünglichen Schafspelz erhalten geblieben. Auch dieser Bunker ist heute in Privatbesitz und es müssen grössere Umbauarbeiten im Gange sein. Überall draussen lagen herausgeschnittene Betonbrocken herum.
Bunkerwanderungen sind auch immer gut für Naturschauspiele. Als wir zu A7749 unterwegs waren, hörten wir unten im Tal wilde Murmerltierpfiffe. Vor wem warnte denn der Murmler so aufgeregt? Etwa vor uns? Dank unserem grossen Teleobjektiv konnten wir die Szenerie unter uns in Augenschein nehmen und entdeckten einen Fuchs, der um den Murmeltierbau herum schlich. Doch die gewarnten Murmler verzogen sich in ihre Erdbunker und der Fuchs musste am Ende ohne Beute von dannen ziehen. Noch öfters sollten uns an diesem Tag diese scheuen Murmeltiere begegnen.
Nachdem wir wieder unten angekommen waren, hiess es ersteinmal verschnaufen und am kühlen Brunnen etwas abkühlen. Inzwischen hat auch hier oben die Sonne begonnen, gnadenlos runter zu brennen. Zum Glück waren die kommenden Anlagen einfacher anzulaufen. A7746 und A7747 liegen auf nicht anspruchsvollem Gelände nahe beinander und so waren sie leicht anzulaufen. Auch hier ist die ursprüngliche Tarnung fast erhalten geblieben. Nur A7746 hat nun bei einer Scharte ein Plumpsklo bekommen. Der neue Besitzer dieses Anlage hat den Dachboden der Tarnung zu einer einfachen, aber feinen Unterkunft umgebaut. Nachdem wir am Oberen Boden fertig waren, war es auch schon Mittag. Ehe wir uns versehen hatten, waren wir 3 Stunden unterwegs. So schnell kann trotz Hitze und Schweiss die Zeit vergehen.
Hier trennten sich kurz unsere Wege. Während Christiane den steilen Weg hinunter nach Gadenstätt unter die Beine nahm, um dabei noch A7745 zu fotografieren, chauffierte Zarko das Auto hinunter. Der Weg erwies sich als äusserst anstrengend und zum Glück musste man ihn bei den herrschenden 30 Grad nicht wieder hinauf gehen. A7745 ist von Erde überdeckt und das geübte Auge erkennt ihn schon vom Oberen Boden her sofort als Bunker. Was die Gründe waren, dass A7745 und die restlichen Bunker nicht aufwändig getarnt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls wurden nur die vier Anlagen beim Oberen Boden mit viel Liebe zum Detail den Augen all zu neugieriger Beobachter entzogen. Nachdem wir uns bei Gadenstätt wieder getroffen haben, und A7743 auch noch abgelichtet war, fuhren wir hinauf nach St. Antönien. A7744 liegt heute zugedeckt unter einem Erdhaufen, weswegen wir uns den Weg hinauf erspart haben. Auch die MG Kaverne A7742, welche auf dem gegenüber liegenden Hügel liegt, wurde von uns ignoriert, da der Weg zu weit und zu steil für den gestrigen Tag war. Dafür haben wir uns als Belohnung für die doch anstrengende Tour ein Mittagessen in einem feinen Restaurant in St. Antönien gegönnt. Es heisst immer, in der Schweiz sei alles so teuer. Jedoch konnten wir hier zu unserer grossen Überraschung feststellen, dass es auch ausgezeichnete Restaurants mit durchaus humanen Preisen gibt. Frisch gestärkt nahmen wir noch das Dessert in Angriff.
In St. Antönien sind noch zwei kleinere MG Bunker zu finden, die auch wiederum wegen ihrer Tarnung bekannt sind. A7740 an der Einfahrt zum Dorf ist für den normalen Touristen nur als Mauer zu erkennen, wenn überhaupt. Jedoch ist die Tarnung auch heute noch in bestem Zustand, so dass wohl nur Insider wissen, dass diese Mauer keine Mauer ist. Auch A7741 hat eine aufwändige Tarnung in Form eines "Wasserreservoirs" erhalten. Diese Tarnung muss offenbar so gut sein, dass das "Wasserreservoir" sogar in den Landeskarten als solches verzeichnet wurde. Absicht oder Versehen?

Und so haben wir beschlossen, hier den Tag zu beenden. Es war zu heiss, um auch noch die ursprünglich geplante Tour am Stelsersee zu machen. Aber diese holen wir später einmal nach. Wer gerne wandert und dabei besondere Tarnungen beobachten möchte, dem können wir die Anlagen rund um Gadenstätt nur empfehlen. Plant aber genug Zeit ein, da die Anlagen weitläufig verstreut sind.